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Ein Wahrzeichen des Ahrtals: Um die Bunte Kuh bei Walporzheim ranken sich Legenden

Ein Wahrzeichen des Ahrtals : Um die Bunte Kuh bei Walporzheim ranken sich Legenden

Legenden von Raubrittern und weinliebenden Franzosen ranken sich um die Bunte Kuh bei Walporzheim. Oben auf dem Schieferfelsen bietet sich vom „Aussichtstempelchen“ ein famoser Blick weit in die Region.

Neben real existierenden Rindviechern gibt es auch eine ganze Reihe von bunten Kühen in Deutschland. Mehr als man so denkt: Diverse Restaurants tragen diese Namen genauso wie ein Stadtteil von Lübeck, eine ehemalige Zeche bei Dortmund – und eben d i e Bunte Kuh in Walporzheim. Der Schieferfelsen direkt an der Ahr mit seiner markanten Felsnase gilt als Wahrzeichen des Ahrtals und ist in der Liste der Naturdenkmäler zu finden. Um ihn ranken sich etliche Geschichten und Geschichtchen. Und nach römischen Funden ganz in der Nähe ist es auch ein Ort mit Geschichte.

Oben auf der Bunten Kuh steht ein kleiner Aussichtsturm. Dieser steht trotz des friedlichen Ausblicks auf den Fundamenten einer nicht gerade friedlichen Einrichtung. Im Zweiten Weltkrieg war dort eine Flak-Stellung, die dem Schutz der Eisenbahnstrecke im Ahrtal und damit auch dem Schutz der Brücke von Remagen diente. Gebracht hat es bekanntlich nichts.

Beliebter Aussichtspunkt hoch über der Ahr

Vom Aussichtstempelchen auf dem Felsen hoch über Walporzheim aus kann man die Vielfalt der Region kennenlernen. Im Osten erscheint jenseits des Rheins der Westerwald blau am Horizont. Davor sieht man die beiden Vulkankuppen des Neuenahrer Bergs und der Landskron. Weit spannt sich die Autobahnbrücke der A 61 über das Ahrtal, darunter erstreckt sich lang und behäbig die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mehr im Vordergrund fällt das alte Kloster Calvarienberg mit seinen Schulen in den Blick, unten der für seinen Wein bekannte Stadtteil Walporzheim. Nach Westen ein völlig anderes Bild: Wingerte, mit Wald bestandene Bergkuppen, in der Ferne das Weindorf Dernau, das sich ins enge Tal zwängt.

Erlebt man oben Weite, fühlt man sich am Fuß der Bunten Kuh, auf der Bundesstraße 267, eingeengt zwischen Bergen und Felsen, durch die sich die Ahr ihr Bett geschaffen hat. Aber nur von unten ist die markante Felsnase zu sehen, die auch schon für eine nicht zur Nachahmung empfohlene Wette herhalten musste. So gibt es ein Foto aus dem Jahr 1956, das dokumentiert, wie ein damaliger Tourist einen Kopfstand auf dem Felsen machte. Wie alte Walporzheimer berichten, soll es um eine Flasche Wein gegangen sein. Eine Aktion, die heute ziemlich teuer werden könnte.

Gottfried Kinkel und Ernst Moritz Arndt haben den markanten Fels auf ihren Reisen besichtigt und beschrieben. Und auch Lieder gibt es. Dabei entspringt die Felsnase nicht einer Laune der Natur, sondern sie entstand im frühen 19. Jahrhundert bei einer Sprengung für den Straßenbau. Bis heute macht sie den Verantwortlichen für Straßenbau Probleme, wenn Steine abbröckeln und der Felsen neu gesichert werden muss.

Der kleine Aussichtsturm auf dem Felsen der Bunten Kuh ist vom Rotweinwanderweg aus leicht zu erreichen. Foto: Martin Gausmann

Obwohl der Fels schon ohne die wie ein Kuhkopf hervorragende Felsnase den Flurnamen Bunte Kuh trug, ranken sich Legenden um den Namen. Da ist von räuberischen, aber frommen Rittern die Rede, die einen Überfall auf Kaufleute im Ahrtal planten. Diese sollen jedoch den Klang einer Kuhglocke mit dem Glöckchen einer kleinen Prozession verwechselt und deshalb im Gebet eingehalten haben. Die Kaufleute kamen ungeschoren davon. Nicht so die Kuh, die von den Raubrittern nach Entdecken des Irrtums über den Felsen getrieben wurde und beim Sturz ins Tal an der Felsnase zunächst hängen blieb.

Zugang ist ab Wanderparkplatz beschildert

Noch eine Legende: Französischen Soldaten hatte es der Walporzheimer Wein angetan. „C‘est bon de gout“ („das schmeckt gut“), lobten sie. Die Winzer, nicht der französischen Sprache mächtig, hörten daraus „Bunte Kuh“, und so soll der Name entstanden sein.

Fakt ist: Die Felsnase der Bunten Kuh an einer der engsten Stellen des Ahrtals ist ein Hingucker. Während man die Stelle beim Weg durchs Tal eher schnell passiert hat, verlangt der Besuch des Aussichtstempelchens auf der Höhe einige Mühe. Man erreicht den Platz über den Rotweinwanderweg zwischen Walporzheim und Marienthal. Der Zugang ist von einem Wanderparkplatz kurz vor dem Altenwegshof aus beschildert. Wer nicht gut zu Fuß ist, kommt mit dem Auto über die schmale Straße Am Silberberg, vorbei am Hotel Hohenzollern, zu dem Wanderparkplatz. Der Weg zum Aussichtspunkt ist von dort kürzer als einen Kilometer.