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Unwetter im Kreis Ahrweiler: 18 Tote - Starkregen und Überflutungen

Unwetter im Kreis Ahrweiler : „Die größte Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg“

Nach dem Starkregen hat die Ahr eine Schneise der Verwüstung geschlagen, der Landrat spricht von einer Katastrophe. Allein im Kreis Ahrweiler sind 18 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 50 Personen gelten noch als vermisst.

„Das ist für den Kreis Ahrweiler die größte Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Landrat Dr. Jürgen Pföhler zog am Donnerstagmorgen nach der großen Flut von Mittwoch und der anschließenden Nacht zusammen mit den Leitern der Rettungsfamilien eine erste Zwischenbilanz. Obwohl da noch gar nicht alle Orte an Ahr erreicht werden konnten, machten die ersten Fakten bereits das Ausmaß einer schier unglaublichen Zerstörung deutlich, die auch viel menschliches Leid mit sich brachte. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) bestätigte noch fünf Todesopfer, bereits am Mittag wurden bei den gesamten Unwettern mindestens 33 Todesopfer gemeldet, 18 davon im Raum Ahrweiler.

„Die Ahr hat eine Schneise der Verwüstung geschlagen“, so Lewentz, der sich auch schon am Donnerstagnachmittag ein Bild von der Arbeit des Krisenstabs gemacht hatte. Nach den schweren Regenfällen im nördlichen Rheinland-Pfalz galten am Morgen noch 50 bis 70 Personen als vermisst, so der Innenminister, rund 30 davon aus der Verbandsgemeinde Adenau, wo es den Ort Schuld besonders schwer traf. In Schuld sind allein in der Nacht zum Freitag sechs Häuser eingestürzt, viele weitere sind einsturzgefährdet. Dazu sind viele Brücken über die Ahr unpassierbar. Unter anderem steht die Brücke der L83 auf der Ramersbacher Straße in Ahrweiler nicht mehr, mit der Bachemer Brücke stürzte eine weitere Straßenbrücke nur wenige hundert Meter weiter ein. Schwer beschädigt wurden die Feuerwehrhäuser in Altenahr und Ahrweiler, hier droht wahrscheinlich der Abriss.

Der Einsatzleiter des Katastrophenstabes, Michael Zimmermann, berichtete von rund 1.000 noch abzuarbeitenden Einsatzstellen. Seit Mittwoch seien rund 1.000 Helfer im Einsatz, viele davon haben die Nacht durchgearbeitet mit dem Ziel, Menschenleben zu retten. Im Einsatz waren zunächst neben Wehren aus vier Landkreisen und dem Roten Kreuz das Technische Hilfswerk, die DLRG und die Polizei. Fast im Minutentakt fuhren dann am Freitag im Grafschafter Innovationspark Rheinland Helfer aus vielen Teilen der Republik vor, für die dort eine Sammelstelle eingerichtet war. Sogar die Wasserschutzpolizei aus Hamburg schickte Helfer mit leichten Booten, die auch im flachen Wasser eingesetzt werden können. Sie lösten im Laufe des Tages die meist total erschöpften Helfer der ersten Stunden des Unwetters ab.

Hubschrauber retten Menschen von Häusern

Seit Donnerstagmorgen sind Hubschrauber mit der Bergung von Menschen beschäftigt. Die Maschinen konnten aus Witterungsgründen zunächst nicht abheben. Die Menschen retteten sich gerade in der Verbandsgemeinde Altenahr auf Hausdächer oder Wohnmobile und warteten auf Rettung, die zu großen Teilen aus der Luft kam. Am Freitag warten noch zahlreiche Aufgaben auf die Retter, so Michael Zimmermann. Unter anderem seien noch vier Altenheime in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig zu evakuieren, denn dort gibt es, wie in großen Teilen des Katastrophengebiets, weder Trinkwasser, noch Strom oder Gas. Die Infrastruktur wurde vielerorts komplett zerstört und brach in der Nacht zum Freitag zusammen. Der Wiederaufbau werde lange dauern, so Landrat Dr. Pföhler, es seien im Bereich der Wasserversorgung Hochbehälter geflutet und Leitungen weggerissen worden.

Bis zum Morgen waren allein im Bereich der Stadt Sinzig, wo die Ahr in den Hochwasser führenden Rhein mündet, rund 2.000 Menschen evakuiert worden. Auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurden die Menschen links und rechts der Ahr evakuiert, ehe der Fluss gegen Mitternacht über die Ufer trat und eine an manchen Stellen 200 Meter breite Schneise der Zerstörung mit sich brachte. Michael Zimmermann geht aktuell von rund 100 meist schwer beschädigten Häusern aus, befürchtet aber, dass diese Zahl noch weiter steigen wird. Denn es wird noch Tage dauern, bis das tatsächliche Ausmaß der Schäden, die das Unwetter anrichtete, sichtbar wird. Der Pegel der Ahr, der in Altenahr nach 3,71 Metern im Unwetterjahr 2016 gestiegen war, könnte nun auf bis zu 7,50 Metern gestiegen sein. Messbar ist das nicht mehr, die Messung endet bei sechs Metern.

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