Unwetter in der Region Vollgelaufene Keller und überflutete Straßen an der Ahr

Update | Bonn/Region · Starkregen hat am Donnerstagabend und in der Nacht auf Freitag für Überschwemmungen und zahlreiche Einsätze im Kreis Ahrweiler gesorgt. Straßen waren überflutet, Keller liefen voll. Am Freitagmorgen konnte vielerorts wieder Entwarnung gegeben werden.

Unwetter und  Überflutungen an der Ahr: Vollgelaufene Keller
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Nach heftigen Regenfällen am Donnerstagabend und in der Nacht zu Freitag waren Einsatzkräfte im Kreis Ahrweiler im Dauereinsatz. Zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor starken Gewittern der Stufen zwei bis drei (von insgesamt vier) in Bonn und der Region gewarnt. Der DWD hatte Hagel und Starkregen bis zu 25 Liter pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit vorhergesagt. Die Warnapp Nina gab zudem eine Warnung vor Hochwasser heraus, die unter anderem für die Ahr galt.

Anwohner in Bad Neuenahr-Ahrweiler sollten Keller verlassen

Anwohner in Bad Neuenahr-Ahrweiler forderte die Stadt am Donnerstagabend über die sozialen Medien auf, Kellerräume sowie Tiefgaragen zu verlassen. Zudem warnte sie die Bürger vor weiteren starken Regenfällen und bat darum, auch Nachbarn vor den Gefahren zu warnen.

Unwetter und Überflutungen an Swist und Ahr: Bilder aus Rheinbach, Swisttal, Bad Neuenahr
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Gegen 20.30 Uhr übernahm die Kreisverwaltung Ahrweiler für die Städte Sinzig, Remagen, Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Gemeinde Grafschaft die Einsatzleitung, wie der Kreis auf seiner Webseite mitteilte. Dort war es im Laufe des Abends zu etwa 309 wetterbedingten Einsätzen gekommen, bei denen niemand verletzt wurde. 212 Einsätze gab es alleine in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Großteil umfasste vollgelaufene Keller sowie überflutete und überspülte Straßen. Das teilt der Kreis Ahrweiler am Freitag mit.

500 Kräfte bei Unwetter im Einsatz

Dabei waren mehr als 500 Kräfte im Verlauf des späten Nachmittags und der Nacht im Einsatz – darunter die örtlichen Feuerwehren, die THW-Ortsverbände Ahrweiler, Sinzig und Mayen (Kreis Mayen-Koblenz), das DRK, der Landesbetrieb Mobilität (LBM), die Polizei, die Bundeswehr und mehr als 20 Kräfte der Technischen Einsatzleitung (TEL). Die Aufräum- und Reinigungsarbeiten insbesondere der Straßen dauerten zum Teil auch am Freitag noch an.

Am Freitag äußerte sich Landrätin Cornelia Weigand zu der Unwetterlage am Donnerstag: „Emotional war die gestrige Unwetterlage für viele Menschen nach den Erlebnissen 2021 sicher nicht einfach und ich hoffe, dass sich die individuellen Schäden in Grenzen halten.“ Die Einsatzkräfte vor Ort und die TEL hätten ihre Arbeit bereits frühzeitig aufgenommen. Dabei sei die Zusammenarbeit zwischen den Katastrophenschutzeinheiten vor Ort und der Einsatzleitung konzentriert und professionell abgelaufen. „Ich danke allen Kräften und den Mitgliedern der TEL ganz herzlich für ihren Einsatz. Ein weiterer Dank gilt auch den Verantwortlichen der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung oberhalb von Bad-Neuenahr-Ahrweiler, die dem Kreis und der TEL ihre Räumlichkeiten und Unterstützung zur Verfügung gestellt haben und weiterhin stellen“, resümiert Weigand.

Weitere Einsätze in den Gemeinden im Kreis Ahrweiler

Neben den 212 Einsätzen in Bad Neuenahr-Ahrweiler, waren auch andere Gemeinden des Landkreises betroffen. In Remagen etwa waren zwei Haushalte mit vollgelaufenen Kellern betroffen, wie die Stadt am Freitagmorgen mitteilte.

Auch auf der Grafschaft wurden einige Straßen überflutet. Dort stand das Wasser teilweise auf den Fahrbahnen und konnte nicht mehr abfließen. In Vettelhoven und Eckendorf stieg die Swist stark an, sodass die Freiwillige Feuerwehr Grafschaft Schutzmauern errichtete. Anwohner wurden zudem gebeten, sich in den Obergeschossen ihrer Häuser aufzuhalten.

Am Freitagmorgen sprach die Gemeinde Grafschaft von etwa 60 Alarmierungen. In Gelsdorf war unter anderem Wasser in den Keller der Schule gelaufen. Auch in dem dortigen Kindergarten fand das Wasser seinen Weg in die Räume. Allerdings konnte die Feuerwehr noch in der Nacht die Räumlichkeiten der Schule und des Kindergartens für den Betrieb am Freitag wieder herrichten.

Die Regenrückhaltebecken in Nierendorf konnten das Wasser insgesamt gut zurückhalten, sagt der Büroleiter der Gemeinde, Dieter Dismon, am Freitag gegenüber dem GA. Gegen 23 Uhr sei das Wasser am Donnerstag auch bereits wieder rückläufig gewesen. Dennoch war die Feuerwehr auch am Freitagmorgen noch im Einsatz, um alle Schäden der Nacht aufzunehmen. Dismon fügt hinzu: „Die Einsätze waren nicht wie 2021.“

In den sozialen Medien kursierten am Abend Gerüchte, dass die Orte evakuiert werden sollten, diese dementierte die Kreisverwaltung Ahrweiler aber auf Facebook.

Überflutete Straßen und Keller

Auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurden am Donnerstagabend einige Straßen überflutet. So lief das Wasser von der Heerstraße die Straße „Im Dellmich“ hinunter. Ebenfalls liefen mehrere Keller in Bad Neuenahr-Ahrweiler voll, die von Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr trocken gepumpt wurden. Gegen 19.20 Uhr sperrte die Polizei zudem die B266 zwischen dem Übergang von der A573 und Bad Neuenahr-Mitte. Dort hatten starke Regenfälle die Fahrstreifen überflutet. Neben der Feuerwehr war auch das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz. Gegen 21.45 Uhr teilte die Stadt über Facebook mit, dass im Stadtgebiet keine Personen verletzt worden seien und dass es keine Schäden an der Infrastruktur gegeben hätte.

Die Kreisverwaltung Ahrweiler teilte um 22.45 Uhr mit, dass mehr als 300 Einsatzkräfte im Einsatz waren. Die Pegelstände der Ahr sowie der Nebenflüsse seien zudem unbedenklich, würden aber engmaschig beobachtet. Anwohner der Ahr sollten aufgrund der dynamischen Wetterlage weiterhin Warnapps und Mitteilungen beachten. Gegen 1 Uhr in der Nacht zum Freitag teilte der Kreis mit, dass sich das Lagebild entspanne, „leichtere Niederschläge nachts, aber nach derzeitigem Kenntnisstand und fachlicher Einschätzung kein bis geringes Unwetterpotenzial“. Der Kreis Ahrweiler übergebe nun an die örtlichen Feuerwehren. Notrufe sollten an die 112 gerichtet werden.

In Ersdorf bildete sich durch die starken Regenfälle ein Teich direkt vor einem Neubaugebiet. Das Wasser drohte am Abend in das Neubaugebiet zu fließen. Die Feuerwehr rückte an und versuchte, das Wasser abzupumpen und größere Schäden zu verhindern.

Starke Regenfälle in Rheinland-Pfalz

Betroffen von dem Unwetter war am frühen Abend vor allem die Eifel. Nach Angaben der Polizei Trier gab es erste Berichte von Hagelschauern und überspülten Straßen nach Starkregen. Das Polizeipräsidium Koblenz berichtete von vereinzelten umgestürzten Bäumen. In Prüm standen einige Straßen teilweise unter Wasser.

Erste Schwerpunkte registrierte der DWD bereits am Donnerstagnachmittag in der Eifel, im Bergischen Land sowie in Köln und Düsseldorf, hieß es beim DWD in Essen. Bis zum Mittag könne es gebietsweise noch Regen geben, teilte der DWD am Freitagmorgen mit. Danach beruhige sich das Wetter.

(mit dpa)
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