Helfer-Station zieht um : Walporzheim hat ein neues Versorgungszelt

Das Versorgungszelt in Walporzheims Ortsmitte ist umgezogen. Weiter hinter dem Herd steht Koch Tobias Hilgenberg, der schon seit den ersten Tagen nach der Flutkatastrophe mit anpackt.

In den ersten Tagen nach der Flutkatastrophe kam Tobias Hilgenberg als Helfer ins Ahrtal. Kurz darauf übernahm der 33-Jährige als Küchenchef im Walporzheimer Versorgungszelt. Vier Wochen lang wollte er die Geschicke dort übergangsweise leiten. Ganze dreieinhalb Monate später ist er mit der Versorgungsstation nun auf eine rund 100 Meter Luftlinie vom alten Standort entfernte Privatfläche umgezogen. „Mein Aufenthalt hier wird sich voraussichtlich auch noch bis ins nächste Jahr verlängern“, sagt der Helfer.

Acht Helfer im Küchenteam

„Eigentlich wollte ich Anfang Juli eine längere Reise unternehmen, habe meinen Trip allerdings abgebrochen, als ich von den Ausmaßen der Flut erfahren habe“, sagt der gelernte Koch und Konditor Hilgenberg, der per Fahrrad und Zug in Walporzheim landete. Sein Beruf war ein Pfund, als es um die Besetzung der offenen Stelle im hiesigen Helfer-Zelt ging. „Das Zelt stand gerade erst da. Ich habe mich bereiterklärt, die ersten organisatorischen Dinge zu erledigen, um die Versorgung sicherzustellen.“ Rund 1 000 Mahlzeiten habe Hilgenberg mit seinem achtköpfigen Küchenteam täglich zubereitet. „Das waren größtenteils gespendete Lebensmittel“, sagt der Koch, dessen Versorgungsstation von morgens bis abends eine Mahlzeit für Helfer oder Betroffene aus der gesamten Region bereithielt. „Am Anfang war noch deutlich mehr los, da kamen nicht selten um 23 Uhr noch Lkw- oder Traktor-Fahrer ins Zelt, die gerade eine Pause brauchten.“ Hilgenbergs Improvisationstalent war aber nicht nur hinter dem Herd gefragt. „Als ich angefangen habe, gab es nur Holzbänke als Küchenabtrennung und einen Grill. Aber das Equipment wurde fast jeden Tag mehr und besser.“ Derzeit unterstützt auch ein Caterer die Essensversorgung. Außerdem steht mittlerweile ein Ausgabetresen im Zelt, es gibt genügend Regale für Geräte und sauberes Geschirr.

 Die Helfer in Walporzheim haben über die Wochen eine gut ausgestattete Großküche eingerichtet. Nun steht das Inventar in den Versorgungscontainern neben dem neuen Zelt.
Die Helfer in Walporzheim haben über die Wochen eine gut ausgestattete Großküche eingerichtet. Nun steht das Inventar in den Versorgungscontainern neben dem neuen Zelt. Foto: Stephan Stegmann

Zelt bezieht winterfestes Quartier

Das Versorgungszelt ist nun eine Ecke weitergezogen. Nahezu genauso groß, aber flankiert durch zwei winterfeste Ausgabe-Container, hat das neue Zelt nahe der Sebastianusklause in der Winzerstraße Quartier bezogen. „Es ist enorm wichtig, dass das Versorgungszelt weiter im Ort steht. Für viele ist es ein ganz wichtiger Treffpunkt zum Reden, zum Austauschen und Aufwärmen – und natürlich zum Essen, denn viele haben keine Küche mehr.“

 Noch im alten Zelt: Koch und Konditor Tobias Hilgenberg (r.) bewerkstelligt mit seinem Kollegen Barna Práth sowie weiteren freiwilligen Küchenkräften nach der Flutkatastrophe die Essensversorgung im Helferzelt in Walporzheim.
Noch im alten Zelt: Koch und Konditor Tobias Hilgenberg (r.) bewerkstelligt mit seinem Kollegen Barna Práth sowie weiteren freiwilligen Küchenkräften nach der Flutkatastrophe die Essensversorgung im Helferzelt in Walporzheim. Foto: Stephan Stegmann

Kein Verständnis hat Hilgenberg für etwaige Vorhaben, die Versorgungspunkte abzuschaffen oder das Essen nur noch gegen Bezahlung anzubieten. „Ich finde, insbesondere Betroffene sollten ihr Geld anders verwenden dürfen. Auch wir arbeiten freiwillig hier, beziehen Lebensmittel aus Spenden. Wieso sollten wir dafür nun immer Geld nehmen?“ Zudem stehe es allen frei, einen freiwilligen Obolus für die Küche zu entrichten. Hilgenberg: „Das sollte aber kein Muss sein.“ Auch für die kalte Jahreszeit hat der Koch bereits Ideen, um den winterfesten Walporzheimer Versorgungspunkt einladend zu gestalten. „Denkbar sind kleine Stände vor dem Zelt. Dort könnten Waffeln gebacken werden. Wichtig ist, dass die Betroffenen und Helfer weiter gerne hierherkommen, um einen Moment abschalten zu können.“