Aus Sammlung des Stadtmuseums Von Flut beschädigter Barockengel kehrt restauriert zurück

Bad Neuenahr-Ahrweiler · Ein Barockengel-Kopf mit Flügeln aus der Sammlung des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler ist eins der wenigen Exponate, die bisher restauriert worden sind. Kommende Woche wird die Skulptur, die in Hessen wiederhergestellt wurde, in ihre Heimat zurückkehren.

 Fast fertig: der Engel, überzogen mit einer Schicht für den Auftrag und das Polieren von Blattgold. Mittlerweile ist er wieder komplett vergoldet und wird kommende Woche fertig zu sehen sein.

Fast fertig: der Engel, überzogen mit einer Schicht für den Auftrag und das Polieren von Blattgold. Mittlerweile ist er wieder komplett vergoldet und wird kommende Woche fertig zu sehen sein.

Foto: Peter Weller-Plate

Die Flügel abgelöst, die goldene Farbe abgeplatzt, das Gesicht voller Schimmelsporen: Erbärmlich war der Zustand des hölzernen Barockengels, der mit den anderen Exponaten im Depot des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler aus dem Schlamm und dem Dreck gezogen wurde, den die Flut zurückgelassen hat.

Restaurator Peter Weller-Plate aus Ockenheim hat dem Cherub ein neues, zweites Leben geschenkt und die Figur in den vergangenen Monaten aufwendig restauriert. Möglich wurde das mithilfe von Spenden, die der Museumsverband Rheinland-Pfalz, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, bei der Rettung der Sammlung des Stadtmuseums zu helfen, zusammengetragen hat.

 So sah der barocke Engelkopf aus der Sammlung des Stadtmuseums aus, nachdem er aus dem Flutschlamm gezogen wurde.

So sah der barocke Engelkopf aus der Sammlung des Stadtmuseums aus, nachdem er aus dem Flutschlamm gezogen wurde.

Foto: Anja Lempges/Dommuseum Mainz

Bis sich der Restaurator dem Engel annahm, lagerte die Skulptur im Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz, das wie viele andere Museen die Rettungsaktion unterstützt. Als Peter Weller-Plate eine Madonna, die er für das Dommuseum restauriert hatte, zurückbrachte, fragte ihn die stellvertretende Direktorin des Dommuseums, ob er sich den Engel mal anschauen könne. Er konnte. „Im Dezember habe ich ihn das erste Mal gesehen. Das hat mich richtig angerührt. Und ich hab gedacht, komm Junge, du siehst so beschädigt aus, ich mach das.“

Im Januar schließlich lag der Engelskopf mit den abgelösten Flügeln in Weller-Plates Werkstatt, und die mühsame Restauration begann. Die Skulptur wurde vom Schimmel befreit und in einem Labor in Bad Kreuznach mit einem besonderen Verfahren, das bisher in der Schädlingsbekämpfung verwendet wurde, im Rahmen eines Forschungsprojekts von Schadstoffen befreit. In einer abgeschlossenen Kabine wurden die Schadstoffe über das Umwälzen von Luft quasi rausgepustet und in Aktivkohlefiltern aufgefangen. Danach musste das im Inneren porös gewordene, geschädigte Holz wieder gefestigt werden.

Beschädigter Barockengel vom Stadtmuseum komplett restauriert

Dafür legte der Ockenheimer Restaurator den Engelkopf in ein Bad mit speziellem Lösungsmittel, das beim Trocknen auskristallisiert und das Holz festigt. Nur so sei es überhaupt möglich gewesen, die beiden Engelsflügel wieder anzubringen. Danach wurde der Engel mit Poliment, einer bindemittelhaltigen Schicht, überzogen, die dafür sorgt, dass Blattgold aufgebracht werden kann, ohne abzublättern, um es dann zu polieren. „Der Cherub ist jetzt wieder komplett neu vergoldet und seit zwei Wochen fertig“, sagt der Restaurator, der seinen Beruf seit mehr als 35 Jahren ausübt und schon für das Landesmuseum in Mainz, die Schlösser und Gärten Bad Homburg sowie die Denkmalpflege im Land Hessen tätig war.

Kommende Woche wird sich der Engel, der laut Heike Wernz-Kaiser, ehemalige Leiterin des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler, vermutlich einst den Altar von St. Laurentius verzierte, auf den Heimweg machen. Am Mittwoch, 3. August, wird sie die Skulptur aus den Händen von Restaurator Peter Weller-Plate in Empfang nehmen. „Engel haben besondere Symbolkraft. Das ist ein Symbolengel für den Wiederaufbau“, erklärt Heike Wernz-Kaiser, warum der restaurierte Engel für sie emotional besonders ist. Der Engelkopf wird dann in der Ausstellung „Rette mich, wer kann!“ zur Flutkatastrophe im Stadtarchiv Bad Salzuflen zu sehen sein.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort