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Aktion von Dekanat und Pfarreiengemeinschaft : Warum Verzicht auch in Corona-Zeiten sinnvoll ist

Aktion von Dekanat und Pfarreiengemeinschaft : Warum Verzicht auch in Corona-Zeiten sinnvoll ist

Die Kirchengemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler gibt Fasten-Impulse für die sieben Wochen bis Ostern. Trotz der Entbehrungen durch Corona hält Pfarrer Meyrer Fasten hin und wieder für sinnvoll. So merke der Mensch, was er wirklich braucht, und was nicht.

Der junge Mann hat sich Einiges vorgenommen. Auf alles Süße, vor allem auf alles mit Schokolade möchte er verzichten. Chips und außerdem Ketchup, weil es damit in jüngster Zeit etwas viel geworden ist – all das kommt bis Ostern nicht in Frage. Und auch nur noch ein Brot oder Brötchen mit Wurst am Tag soll es maximal sein. Das hat der 22-jährige Kreisstädter in einer Smartphone-Nachricht an Pfarrer Jörg Meyrer geschrieben als Reaktion auf das digitale „Sonntagswort“ der Pfarreiengemeinschaft zu Aschermittwoch.

Die Fastenzeit hat begonnen. Und viele fasten auch dieses Jahr mit. Wie immer auch einige, die gar nicht so religiös sind, aber die Zeit nutzen, weil sie abnehmen wollen, etwas anders machen oder gesünder leben möchten. Andere grübeln: Ist die Corona-Pandemie nicht schon entbehrungsreich genug? Sollen wir uns jetzt auch noch zusätzlich zu allen Corona-Beschränkungen in Enthaltsamkeit üben?

Fasten macht auch jetzt Sinn, findet Meyrer, der seit 2003 Dechant des Dekanats Ahr-Eifel und seit 2020 leitender Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler ist, vor dem ersten Fasten-Sonntag: „Das Fasten dreht sich im Kern ja nicht darum, sich zu kasteien, auf das Stück Schokolade oder das Bier am Abend, Sport oder Handynutzung zu verzichten, sondern darum herauszufinden, was einem im Leben wirklich hilft und wichtig ist.“ Es gehe um Fragen wie: Worauf kann ich verzichten? Wie wertvoll ist mir etwas?

Auch wenn wir uns alle durch die Pandemie schon in einer Ausnahmesituation befinden, könne jeder durch individuelles Fasten auch individuell auf sein eigenes Leben schauen. Das könne jeder so gestalten, wie er es individuell bestimmt und für angebracht hält. Diesen Prozess des Bewusstwerdens rückt Meyrer in den Vordergrund. Unverständnis äußert er für Aussagen zum Corona-Virus und zum Klimawandel als eine Art göttlicher Plagen, wie sie schon in der Bibel vorkamen.

„Das Bild des strafenden Gottes haben wir schon vor Jahrzehnten hinter uns gelassen.“ Meyrer stellt einen anderen Aspekt heraus: Fasten, Besinnung oder Innehalten in der Vorbereitung auf Ostern als Fest der Auferstehung, das auch Fest der Hoffnung sei: „Es steht dafür, dass es gut wird, dass wir so Vieles schaffen können. Es bedeutet Zukunft und Zuversicht. Sonst könnte ich nicht leben und arbeiten.“

Fastende teilen ihre Impulse in Form von Fast-Kurzfilmen mit

Speziell auch in der Fastenzeit möchten Pfarreiengemeinschaft und Dekanat Präsenz zeigen. Nicht nur in den Gottesdiensten oder Online-Sonntagsworten, sondern auch mittels je eines Impulses für jede Fastenwoche: Sieben Kurzfilme, in denen Menschen aus der Region unter der Internetadresse www.verbundeanderahr.de über Alltägliches, Glauben und Leben sprechen. Sie verarbeiten in diesen Kurzfilmen ihre individuellen Vorstellungen von Glauben. „Ganz bodenständig, ohne in die Sphären der hohen Theologie abzuheben, ermutigen in diesen Filmen Menschen ‚wie Du und ich‘ die Zuschauer, einfach das vom Glauben zu leben, was jede und jeder im Alltag davon verstanden hat“, heißt es aus dem Dekanat Ahr-Eifel.

Roter Faden hierfür sind die sieben „Ich bin“-Worte Jesu aus dem Johannes-Evangelium. Über den Satz „Ich bin das Brot des Lebens“ hat sich Bäckermeisterin Ilse Weber aus Adenau Gedanken gemacht. Die 52-Jährige hat Platz in ihrer privaten Küche geschaffen und diese mit Accessoires wie einer alten Waage, Backrollen und einem hölzernen Brotteller dekoriert. Wie sie berichtet, sollte alles passen zum Dreh mit Elmar Gafinen an der Kamera und Kooperator Heiko Marquardsen, die das Konzept gemeinsam mit Pastoralreferent Markus Hartmann realisierten.

Sie spricht darüber, was sie beim Zubereiten des Teigs empfindet und was Brot für sie bedeutet. Sie verrät, warum es nicht so schlimm ist, wenn man etwas falsch macht. Und sie sagt: „Ein Brot ist für einen alleine zu groß. Es schmeckt besser, wenn man es teilt. So ist es auch mit dem Glauben. Der will geteilt werden.“ Dann wünscht sie den Zuschauern „ganz viele Brotmomente des Glaubens“. Als Bonus stellt sie das Rezept für ihr Kartoffelbrot anbei. Im Film für die zweite Fastenwoche ‚begegnet“ der Zuschauer Markus Rombach. Die Kamera begleitet ihn in die Räume des Studienhauses Sankt Lambert in Lantershofen und in die Kirche. Dort zündet der 38-jährige eine Kerze an, zeichnet seinen persönlichen Weg als Spätberufener nach und thematisiert zu dem Jesus-Wort „Ich bin das Licht der Welt“ die „befreienden Eigenschaften“ von Licht. Rombach bekennt:

„Es macht Dunkelheit hell und ermöglicht mir dadurch Orientierung. Es nimmt meine persönliche Angst der Unsicherheit, und es spendet Wärme.“ Auch ein Arzt, der authentisch berichten kann, was ihm das Jesuswort vom Hingeben des Lebens bedeutet, wird unter anderem noch zu Wort kommen in der Reihe der Fastenimpulse. Diese gehen laut Dekanat auf ein Zitat von Frère Roger zurück: „Lebe ganz einfach das vom Evangelium, was Du verstanden hast – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“