Besondere Wohnorte in der Region Ahrweiler Winzer wollte nicht in rechteckigem Haus leben

Serie | Ahrweiler · Ein Winzer wollte keinen „rechteckigen Kasten“ mitten in die Weinberge bauen. Oberhalb von Ahrweiler ist ein bunter Bau ohne Ecken und Kanten entstanden. Wir haben ihn besucht.

 Bernd Förster vor seinen Wein-Terrassen, einem beliebten Ausflugsziel oberhalb von Ahrweiler, das er in Anlehnung an Friedensreich Hundertwasser, César Manrique und Antoni Gaudi gebaut hat.

Bernd Förster vor seinen Wein-Terrassen, einem beliebten Ausflugsziel oberhalb von Ahrweiler, das er in Anlehnung an Friedensreich Hundertwasser, César Manrique und Antoni Gaudi gebaut hat.

Foto: AHR-FOTO

„Da haben sie sich ja wirklich das schlechteste Wetter und die blödeste Jahreszeit für ein Foto von meinem Haus ausgesucht“, sagt Bernd Förster beim Besuch seiner Wein-Terrassen oberhalb von Ahrweiler. Sein Haus ist dabei nicht nur Lebensraum für die Familie, sondern auch Winzergut, Feriendomizil, Restaurant und Vinothek und somit ein beliebter Ausflugsort. Mitten in den Weinbergen, an der Lage „Im Teufenbach“ liegt das Weingut Försterhof, das vielen durch seine Farbgebung in gelb, orange und grün und vor allem durch seine organischen Formen bekannt ist.

An einem schönen Herbst-, Sommer oder auch Frühlingstag fügt sich das Haus so bestens in die Natur ein. „Es verschwindet fast“, so Förster. Und das sei auch sein Anliegen gewesen, ein Haus zu gestalten, das zwischen Wäldern, Weinbergen und Wiesen so wenig wie möglich auffällt. Schon im Jahr 1979 hat er den Aussiedlerhof von seinen Eltern übernommen. Damals stand nur das Haus, dessen Fläche heute für die Gastronomie genutzt wird. Förster war schnell klar, dass er den Bau vergrößern muss, um weiter wirtschaftlich arbeiten zu können. Das Baurecht gab eine mögliche Expansion in nur eine Richtung vor – und das auf einem sehr schmalen, aber langen Stück. „Einen rechteckigen Kasten in die Kulturlandschaft stellen – das wollte ich nicht“, so der Winzer.

Inspiration fanden er und seine Frau Martina damals, fast zufällig, auf der Kanaren-Insel Lanzarote. Wie fast alle Besucher stießen auch sie bei einem Besuch auf den inselbekannten Künstler César Manrique. „Der ist einfach genial“, schwärmt Förster, als er die Bauten und Skulpturen des kanarischen Künstlers am Bildschirm zeigt: beispielsweise Manriques Wohnhaus, in dem der Künstler bestehende Lavablasen einfach in Wohnraum umgewandelt hat oder die großen Glasfenster im Felsen des Ausblicks „Mirador del Río“. Förster ist von allen Handstrichen Manriques begeistert, wie seiner organische Bauweise, dem Verschwimmen von Grenzen zwischen Außen und Innen oder den Mosaiken und Farben. Aber auch Manriques Spirit, der sich zeitlebens für den Erhalt der Natur und der Besonderheit seiner Insel Lanzarote eingesetzt hat, begeistert Förster. Neben Manrique nennt Förster auch den Spanier Antoni Gaudi und den Österreicher Friedensreich Hundertwasser als Quellen der Inspiration.

Ein Haus ohne rechte Winkel

Und so gibt es auch auf dem Försterhof keine rechten Winkel, stattdessen viele Rundungen und Wölbungen. Diese herzustellen, war nicht einfach. „Wir hatten das Glück, an einen inspirierenden Künstler und den Heimersheimer Architekten Udo Heimermann zu kommen – die halfen uns beim Entwerfen.“ Und er hatte auch einen Kontakt zu einer Tunnelbaufirma, die schließlich fast das ganze Haus mit Spritzbeton goss. „Gerade die vielen Überhänge an den Balkonen, die waren auch für diese Experten nicht einfach zu bauen. Aber irgendwie haben sie durchgehalten – die wollten das hier unbedingt bauen“, so Förster rückblickend.

Rechte Winkel gibt es hier fast nicht: Jede Theke, jeder Balkon und jede Treppe ist geschwungen.

Rechte Winkel gibt es hier fast nicht: Jede Theke, jeder Balkon und jede Treppe ist geschwungen.

Foto: AHR-FOTO

Schon vor über 20 Jahren seien die Genehmigungsverfahren für den Bau auf dem Aussiedlerhof nicht einfach gewesen. Heute wäre so mache Idee wahrscheinlich baurechtlich gar nicht mehr zu realisieren. Dabei waren Förster und seine Frau Pioniere: Nachhaltigkeit haben sie damals schon großgeschrieben und beispielsweise alle Dächer begrünt. Viele dieser Ideen hat Förster wiederum aus dem Hundertwassermuseum in Wien: „Da liegt ein Aufsatz von Hundertwasser. Wenn unsere Stadtplaner oder andere Entscheidungsträger den mal angucken würden, hätten wir viel weniger Probleme.“

So überzeugt Förster selbst von Konzept und Ästhetik der Försters Wein-Terrassen ist, stoßen sie nicht bei allen auf Gegenliebe. Dreimal sei er richtig beleidigt worden. Eine Frau sei einmal in die Vinothek gekommen und habe gesagt: „Ich wollte das hässliche Haus besuchen“. Aktuell ändere sich die Lage aber komplett und gerade jüngere Leute zeigten sich immer wieder sehr begeistert von der Anlage. Manch einer frage auch, was beispielsweise genau die pilzartigen Figuren im Garten darstellen sollen. Darauf gibt Förster keine direkte Antwort. „Ich weiß es selbst nicht. Wir haben damals einfach gemacht, was uns gefällt.“

Der Lieblingsplatz von Förster und seiner Frau ist das Wohnzimmer im ersten Stock. Dieses verfügt über eine riesige Fensterfront und ermöglicht den Blick in die Weinberge. Den will Förster so schnell nicht aufgeben. Allerdings ist er mittlerweile 65 Jahre alt und weiß, dass er Gutshof und Weinberge nicht mehr ewig betreiben kann. „Wenn einer kommt, der mir ein richtig gutes Konzept vorlegt, dann können wir reden.“

Im Winter sind die Weinterrassen geschlossen. Aktuelle Infos unter www.foersterhof.de.

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