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Kundgebung von Hoteliers und Gastronomen im Kreis Ahrweiler: „Wir stehen vor einer angekündigten Katastrophe“

Kundgebung von Hoteliers und Gastronomen im Kreis Ahrweiler : „Wir stehen vor einer angekündigten Katastrophe“

Ihre Branche ist von der Corona-Krise massiv betroffen. Die meisten sehen sich seit Monaten einem faktischen Berufsverbot ausgesetzt. Hoteliers und Gastronomen haben am Montagabend in Bad Neuenahr gegen die Lockdown-Politik und für einen sinnvollen Öffnungsplan demonstriert.

„Genug ist genug“, sagen die Hoteliers und Gastrobetreiber im Kreis Ahrweiler. Sie demonstrierten in Bad Neuenahr nicht nur gegen ihr seit mehr als fünf Monaten andauerndes, durch die Corona-Bekämpfungsverordnungen ausgelöstes faktisches Berufsverbot, sondern forderten die „sofortige Öffnung aller Betriebe für Gäste und Kunden, besonders die Innen- und Außengastronomie“, sofern ein negatives Testergebnis vorgelegt oder ein Corona-Impfschutz nachgewiesen wird. Von der Politik werden nun Verlässlichkeit, ein sinnvoller Öffnungsplan, verständliche Verordnungsregeln und ein konsequenter Strategiewechsel erwartet. „Schließt endlich unsere Betriebe auf“, so der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes in Rheinland-Pfalz, Gereon Haumann.

„Wir stehen vor einer angekündigten Katastrophe“, erklärte indes der Kreisvorsitzende der Dehoga, Günther Uhl, auf dessen Initiative die Kundgebung zustande gekommen war. Unmut, Ärger und Frust habe sich in der Branche aufgestaut. Es müsse nun schnell etwas geschehen, meinte er an die Politik adressiert. Auf den Platz an der Linde hatte Uhl seine Mitstreiter aus der Übernachtungs- und Gastronomiebranche, aber auch aus dem Einzelhandel, der Veranstaltungswirtschaft und aus der Welt der Kunstschaffenden eingeladen. Motto: „Gastgeber-Familien retten. Genug ist genug.“

Uhl forderte einen schnellen und konsequenten Lockdown für alle, der die Inzidenzzahlen in erträgliche Sphären führe und es ermögliche, im Anschluss wieder in ein normales Wirtschaftsleben zurückzukehren. „Wir müssen wieder planbar arbeiten können. Wir brauchen Verlässlichkeit“, sagte der örtliche Dehoga-Vorsitzende. Kein Politiker traue sich offenbar, „unangenehme Entscheidungen zu treffen“. Wo bleibe der Lockdown für Schulen, Kitas und die Arbeitswelt und der sich daran anschließende Öffnungsplan, fragte Uhl. „Das ständige Rein und Raus der Lockdown-Maßnahmen machen wir nicht länger mit“, kündigte er an.

Von einem „Leidens-Lockdown“ für seine Branche sprach indes Gereon Haumann. Der rheinland-pfälzische Dehoga-Chef, Hotelier und Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung, erklärte, dass drei Viertel der in der Dehoga erfassten Betriebe „mit dem Rücken zur Wand stehen“. Haumann: „Wir sind finanziell, psychisch und physisch am Ende.“ In Rheinland-Pfalz gebe es 135.000 Gastgeber-Familien mit insgesamt 150.000 Beschäftigten. Nicht in den mit ausgetüftelten Hygienekonzepten ausstaffierten Restaurants und Hotels komme es zu Neuinfektionen, sondern am heimischen Küchentisch, an dem sich die Geselligkeit suchenden Menschen träfen, oder in deren Wohnzimmern, in dem Freunde heimlich feierten. Haumanns Credo: „Unsere Betriebe sind sicher.“ Daher die unmissverständliche Forderung nach einer sofortigen Öffnung der Betriebe, zumindest für Geimpfte und negativ Getestete.

Der Dehoga-Landesvorsitzende unterstrich zudem, dass seine Branche weder Hilfe noch Unterstützung von Bund und Ländern wolle: „Wir wollen Umsatz machen. Und wir wollen eine Entschädigung.“ Beispielsweise, indem der Umsatzsteuersatz für das Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe dauerhaft auf sieben Prozent gesenkt werde.

Guido Orthen, Bürgermeister der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, zeigte sich solidarisch mit den Hoteliers und Gastronomen. Er wies auf die fehlenden 750.000 bis 800.000 fehlenden Übernachtungsgäste und eine noch viel höhere Zahl an Tagesausflüglern hin, die auch den Einzelhandel in arge Bedrängnis bringe. Im stark touristisch geprägten Bad Neuenahr-Ahrweiler lebten die Branchen in einer engen Verzahnung miteinander. Orthen: „Sie alle leiden.“ Es sei richtig, nun mit einer klaren Forderung aufzustehen, die da laute: „Wir wollen Klarheit.“ Die große Unsicherheit, die vom politischen Raum ausgehe, gelte es aufzulösen. Orthen: „Die Politik gibt derzeit keine Perspektive.“

 Ihren Standpunkt machen die Demonstrantinnen deutlich.
Ihren Standpunkt machen die Demonstrantinnen deutlich. Foto: Martin Gausmann

Die Stadt selbst gilt als eine große Verliererin der Pandemie: Ihr gehen nicht nur hohe Gewerbesteuerzahlungen verloren, auch leidet sie unter fehlenden Einnahmen aus Standgebühren, Tourismus- und Spielbankabgaben, nicht mehr vorhandenen Erlösen aus städtischen oder halbstädtischen geschlossenen Einrichtungen wie beispielsweise den Ahr-Thermen oder der Klangwelle. Für die freischaffenden Künstler wies Musiker Stephan Glöckner auf die Misere hin. Unternehmer Marc Ulrich sprach für das Veranstaltungs- und Marketinggewerbe, Volker Danko für die örtlichen Einzelhändler. Landtagsabgeordneter Horst Gies (CDU) nahm schließlich den Forderungskatalog der Dehoga mit nach Mainz. Ein gleichlautendes Schreiben soll der Bundeskanzlerin über die Bundestagsabgeordnete des Kreises Ahrweiler, Mechthild Heil (CDU), zugestellt werden. Sie wohnte der Kundgebung nicht bei. Grund: Ihre Anwesenheit bei den Beratungen zum Bundesinfektionsschutzgesetz im Deutschen Bundestag war zwingend erforderlich.