Lärmbelästigung in Lind und Obliers: Bürger verlangen Sperrung der Kreisstraßen

Lärmbelästigung in Lind und Obliers : Bürger verlangen Sperrung der Kreisstraßen

Kaum hat die Motorradsaison wieder begonnen, werden die 500 Bürger von Lind und Obliers wieder rebellisch. Aus gutem Grund, finden sie. Denn die Kreisstraßen 28 und 29 im Liersbachtal wirken auf Biker wie Magnete. Die dortige Serpentinenstrecke lockt Motorradfahrer geradezu an. Nicht wenige davon sind mit Kennzeichen der Niederlande auf dem Weg zum Nürburgring.

Das Problem für die Bürger: Das Tal mit seiner Trichterform wirkt wie ein Lautsprecher und wirft den Lärm förmlich in die Dörfer zurück. Ein Umstand, den die Bürger auch der Mainzer Umweltministerin Ulrike Höfken geschildert haben. Nach deren Meinung ist die Kreisverwaltung Ahrweiler zuständig. Denn den Einwohnern geht es um zumindest eine teilweise Sperrung der beiden Kreisstraßen an Wochenenden und Feiertagen für Motorradfahrer. Denn deren Zahl gehe nach Zählung von Einwohnern an gerade an Wochenenden in die Tausende. Zahlen, die auch der Adenauer Polizei bekannt sind.

Deshalb hat Gemeinderatsmitglied Heinz Zimmermann erneut einen Brief an den Landrat, die Fraktionsvorsitzenden im Kreistag sowie den Altenahrer Verbandsbürgermeister Achim Haag geschrieben. Darin heißt es unter anderem: "Die Anwohner in Liers und Obliers werden in einem oft unerträglichem Maße Lärmbelästigungen und Unfallgefahren ausgesetzt. Unfallgefahren bestehen in erster Linie in der Ahrstraße in Liers, da über diesen Straßenabschnitt auch der Ahr-Radweg verläuft.

Hier kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, von denen bisweilen auch Fahrrad fahrende Kinder betroffen sind. Extremem Lärm sind wir Bürger in den engen Ortsdurchfahrten in Liers und Obliers ausgesetzt, in letzterer Ortschaft auch durch die sechs Straßenkehren oberhalb des Ortes. Unser Empfinden als betroffene Bürger und Anwohner sagt uns, dass Sie sich mehr um unsere dauerhaften Belange und um unsere Gesundheit als um die Realisierung kurzfristiger Vergnügungsfahrten vieler auswärtiger Motorrad- und Quadfahrer kümmern sollten."

Als zusätzliche Belastung sehen die betroffenen Bürger auch das "Testfahren" von Bikern, deren "teilweise manipulierte Auspuffanlagen schon Lärm auf Düsenjetniveau" produzieren. Denn ausgangs des Ortes fahren Biker ein- und dieselbe Kurvenstrecke oft gleich mehrfach, um ihre Technik zu verbessern. Der Lärm der Maschinen hallt dann als Echo noch vom Tal herauf in die Dörfer.

Zimmermann hebt auch hervor, dass privat durchgeführte und aufgezeichnete Messungen ergeben hätten, dass nicht selten Spitzenwerte von über 90 dB auf der Strecke erreicht werden. Diese Werte würden sogar noch übertroffen, wenn Motorradfahrer die K 28 beziehungsweise bestimmte Abschnitte dieser Kreisstraße zu Zeitfahrten benutzen, um die schnellsten Fahrer einer Gruppe von "Motorradsportlern" zu ermitteln. Es gebe eine Reihe von Anwohnern, die diese "Rennen" und Zeitmessungen bezeugen könnten, schreibt der Koordinator der Lärmopfer an die Politiker.

Allerdings ohne Erfolg. Aus dem Ahrweiler Kreishaus hieß es von Sprecher Jürgen Kempenich auf Anfrage des General-Anzeigers: "Das Thema wurde 2012 in der Kreisverwaltung Ahrweiler intensiv geprüft. Der Landesbetrieb Mobilität, die Polizei und die Verbandsgemeinde Altenahr waren eingebunden. Ergebnis: Die zeitweilige oder komplette Sperrung der K 28 für Motorräder ist rechtlich nicht möglich. Die Polizei hat jedoch zugesagt, verstärkt zu kontrollieren."

Zufrieden werden die 500 Einwohner von Lind und Obliers damit nicht sein. Sie bitten die Behörden "nachdrücklich, ihrer Pflicht nachzukommen und verkehrsberuhigende Maßnahmen zu ergreifen, um die Anwohner vor diesen Gefahren und dem krankmachenden Lärm zu schützen".