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Aufräumen auf Friedhöfen: Bundeswehr befreit Gräber vom Schmutz

Aufräumen auf Friedhöfen : Bundeswehr befreit Gräber vom Schmutz

Die Bundeswehr richtet nach der Flut Grabstätten in Ahrweiler wieder her. Bei einer Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof hat der Militärbundesrabbiner seinen ersten öffentlichen Auftritt bei der Truppe.

Es war ein bewegender, sehr emotionaler Moment auf dem alten jüdischen Friedhof in Ahrweiler: Durch die Flutkatastrophe im Ahrtal wurde die dortige Ruhestätte einstiger jüdischer Mitbürger erheblich beschädigt. Die Fluten hatten Schwemmgut abgelagert und die Gräber mit einer Schlammschicht überzogen. Rund 70 Soldaten der Bundeswehr räumten in den vergangenen Tagen das Kulturdenkmal in der Schützenstraße so weit, dass diese wichtige Gedenkstätte wieder besucht werden kann. Die Staatsbürger in Uniform haben damit ein Zeichen gesetzt. Dies in Gegenwart des seit Juni eingesetzten Militärbundesrabbiners Zsolt Balla. Es war dessen erster öffentlicher Auftritt bei der Truppe im Einsatz. Zur Übergabe des wiederhergestellten Friedhofes war auch der Bürgermeister der Kreisstadt, Guido Orthen, gekommen.

„Ich zolle dem zupackenden Engagement, das die Kameraden bei der Arbeit auf dem jüdischen Friedhof gezeigt haben, hohen Respekt“, sagte Oberst Stefan Weber, Kommandeur des Landeskommando Rheinland-Pfalz, der die Bundeswehrtruppen im Hilfeleistungseinsatz im Ahrtal führt, in der Gedenkfeier. An seine Soldaten gerichtet, sagte der Oberst: „Ihr habt großartiges geleistet.“

Der Kommandeur ging auch auf die Wichtigkeit der Militärseelsorge ein: Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland entsenden seit Gründung der Bundeswehr Pfarrer, Pastoren oder Pastoralreferenten für einen bestimmten Zeitraum in die Betreuung der Soldaten. Die Seelsorge umfasst in den Standorten die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen sowie die Hilfe bei persönlichen oder familiären Problemen. Insbesondere in den Auslandseinsätzen gelten die Militärseelsorger als wichtige Ansprechpartner und in den Fällen von Tod und Verwundung als unverzichtbare Ratgeber.  

Die Militärseelsorger arbeiten unabhängig von konfessionellen Zugehörigkeiten und Bindungen der Soldaten. Getaufte wie ungetaufte, Christen, Moslems oder Juden sowie Angehörige anderer Religionsgemeinschaften können gleichermaßen die Militärseelsorge in Anspruch nehmen. Oberst Weber: „Wir begrüßen es sehr, dass wir seit kurzem nun auch einen Rabbiner in der Militärseelsorge haben, an den sich Soldaten jüdischen Glaubens direkt wenden können.“

Dank an Soldaten

Die Gedenkfeier auf dem Ahrweiler Friedhof war auch für die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz Veranlassung, sich bei den Bundeswehrsoldaten zu bedanken. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Avadislav Avadiev, sagte: „Das ist ein historischer Akt, ein symbolischer Tag nach 1945 – deutsche Soldaten kümmern sich um jüdische Gräber.“ Militärbundesrabbiner Zsolt Balla erklärte, die Bundeswehr habe sich für den Schutz des jüdischen Erbes eingesetzt, bevor er Gebete in Deutsch und Hebräisch anstimmte.

Wer sich indes in den Tagen nach der Flutkatastrophe den Ahrtor-Friedhof in Ahrweiler, oder besser das, was von ihm übriggeblieben war, anschaute, hätte sich nicht vorstellen können, dass dort jemals wieder Trauerfeiern und Beerdigungen stattfinden. „Der Anblick war für viele Menschen nicht zu ertragen“, berichtete die evangelische Pfarrerin Elke Smidt-Kulla am Dienstag. Da wurde der Friedhof von der Bundeswehr wieder an die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler übergeben. Drei Wochen lang hatten bis zu 100 Soldaten täglich hier aufgeräumt und mit größter Pietät schier unglaubliche Arbeit geleistet. Es bleibt zwar noch eine ganze Menge Arbeit für Stadt und für die Menschen, die hier ihre verstorbenen Angehörigen besuchen, aber das Areal sieht schon wieder nach dem aus, was es ist: ein Ort der letzten Ruhe.

Vor allem Panzierpioniere aus Holzminden hatten mit Unterstützung anderer Kameraden ganze Arbeit geleistet. „Wir haben das Gelände gangbar gemacht, Schlamm und Schutt weggeräumt und durch eine Furt in der Ahr auf die Deponie am gegenüberliegenden Ufer gebracht“, berichtete Major Schoetz, der die Aufräumarbeiten koordinierte. Dann habe man sich von der Kommune einen Lageplan des Friedhofs geben lassen und damit begonnen, Wege und Gräber wieder herzurichten. Geplant worden war die schnelle Herrichtung des Friedhofs im städtischen Krisenstab, wo Feuerwehr und Bundeswehr schnell Lösungen entwickelt hatten.

Bürgermeister Guido Orthen dankte den Soldaten für ihren Dienst, erinnerte an zwei Wehrleute, die die Flut an einem Kreuz hängend überlebten. Militärpfarrer Ralf Jung, Elke Smidt-Kulla und Pfarrer Heiko Marquardsen luden die zahlreichen Soldaten und Zivilisten zu einer kleinen ökumenischen Feier ein.