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Forst im Kreis Ahrweiler: Der Ahrwald ist im Trockenstress

Forst im Kreis Ahrweiler : Der Ahrwald ist im Trockenstress

Der Ahrwald ist in Bedrängnis. Zuerst waren es die Fichten, denen Trockenheit und Borkenkäfer den Garaus machten. Nun sind es vornehmlich die Buchen, denen der Wassermangel von drei Dürresommern zusetzt.

Wer aktuell durch den Wald spaziert, wundert sich und denkt an den Herbst. Unter den Füßen rauscht und raschelt das frisch abgeworfene Laub von Buchen und Eichen. Aber es ist erst August. Auch der Blick nach oben in die Baumkronen und in die Ferne in die steilen Hänge des Ahrgebirges offenbaren die Anomalie – die Brauntöne überwiegen.

„Zuerst waren es die Fichten, denen Trockenheit und die Borkenkäfer den Garaus machten, nun sind es vornehmlich die Buchen, denen der Wassermangel der letzten Jahre zu schaffen macht“, berichtet Andreas Zedler vom Forstamt Adenau. „Gibt es nicht mehr ausreichend Wasser, dann schalten sie verfrüht auf Herbstmodus, ein genetisch programmiertes Notfallmanagement.“

Bevor sie die Blätter ganz abwerfen, rollen diese sich zusammen, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren. Der Blattabwurf ist dann die Ultima Ratio. Mit dieser Strategie versuchen Laubbäume im Trockenstress ihr Überleben zu sichern. Geht die Strategie auf, treiben sie im nächsten Frühjahr wieder normal aus.

Doch mehrere Jahre Trockenstress hintereinander können den stärksten Waldriesen umhauen. Nach dem dritten Trockenjahr in Folge kann daher noch keine sichere Prognose über das Überleben der Buchen abgegeben werden.

„Einige werden es nicht schaffen“, stellt Förster Zedler fest. „Manche Buchenwaldgebiete haben aktuell schon mehr als zehn Prozent ihrer Individuen verloren.“

Abgestorbene Eichen häufen sich

Auch der Blick in die durch Eichen geprägten Steilhänge oberhalb der Weinberge im mittleren Ahrtal erschreckt. Das sonst grüne Eichenlaub wirkt seit einigen Tagen wie Tabak. Es mehren sich die Partien abgestorbener Eichen. Der schleichende Prozess des Sterbens dieser Trocken- und Felsenwälder scheint angesichts der schnellen Abfolge von Trockenjahren nicht mehr aufhaltbar. „Die Konsequenzen des unwiederbringlichen Verlustes dieses Ökosystems mit seinen vielfältigen Schutzwirkungen können dramatisch sein“, sorgt sich der Forstmann.

Eine reduzierte oder gar fehlende Vegetationsdecke, die nicht mehr für Verdunstungskälte sorgen kann, führt zu veränderten lokalklimatischen Bedingungen auch für die darunterliegenden Weinberge – dort wird es noch heißer. Fehlende Baumvegetation kann im Frühjahr Kaltlufteinbrüche von den Höhen nicht mehr von den frisch austreibenden Weinreben fernhalten.

Probleme wegen starker Erosion

Baumlose Bodendecke ist der Erosion schutzlos ausgesetzt. Wenn dann letztlich der nackte Fels übrigbleibt, wird jeder sommerliche Platzregen binnen Minuten im Tal unten ankommen. Dies könnte alle bisherigen Vorkehrungen zum Hochwasserschutz in eine neue Dimension rücken.

Schon eine grobe Kartierung der das Ahrtal begleitenden Felswälder ergibt eine Fläche von rund 500 Hektar in der Verbandsgemeinde Altenahr, der Flächenumfang des gesamten Weinbaugebietes Ahr, und verdeutlicht die Dimension der fortschreitenden Gefährdung.

Gemeinsam mit seinen Kollegen im AW-Kreis ist sich Förster Andreas Zedler sicher, dass der Klimawandel nicht erst kommt, sondern bereits da ist: „Kann dieser Trend gestoppt werden bei 1,5 bis zwei Grad, bei drei, vier oder fünf Grad Erderwärmung? Was bleibt dann vom Wald noch übrig?“