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Temporäre Lösungen in der Fluthilfe: Die Containerexperten aus der Grafschaft

Temporäre Lösungen in der Fluthilfe : Die Containerexperten aus der Grafschaft

Im Ringener Rathaus entwickeln Bürgermeister Juchem und sein Team pausenlos Ideen zu temporären Lösungen in der Fluthilfe. Container sind das Mittel der Wahl – doch die haben lange Wartezeiten, so dass aktuell vielerorts große Zelte zum Einsatz kommen.

Die Flut durchs Ahrtal war noch keine fünf Tage vorüber, da wurden im Grafschafter Gemeinderat bereits die Weichen für eine umfassende Hilfsaktion für die von der Flut betroffenen Gebiete, insbesondere die Nachbarkommunen Bad Neuenahr-Ahrweiler und Verbandsgemeinde Altenahr gestartet. Seinerzeit beschloss man, eine dreigruppige Kindertagesstätte in Containerbauweise auf der Grafschaft zu errichten und nicht nutzbaren Ahrtaler Kindergärten anzubieten. Die Hilfen haben sich nach und nach konkretisiert, die Kontakte der Gemeindeverwaltung Grafschaft zu Anbietern von Containern, Tiny-Häuser oder Ferienhäusern ausgeweitet. Denn auch für das „Wohnen im Winter“, für Menschen ohne funktionierende Heizung will man in der Nachbargemeinde Angebote schaffen. Derzeit werden angebotene Grundstücke begutachtet. 

Wie sieht aktuell das Angebot der Grafschaft aus?

Containerlösungen: Die Grafschaft will Angebote für Containerbauten für Kindertagesstätten, Schulen, DRK und Seniorenbetreuung schaffen, die Verwaltung hat eine Fülle von Hinweisen auf Firmen, Versteigerungen oder auf persönliche Kontakte zu Firmen erhalten. 

Kindertagesstätten und Schulen: Aktuell sieht es so aus, dass die Kindertagesstätte Dernau im Dorfhaus sowie der daneben liegenden Alten Schule in Holzweiler untergebracht wird. Die Arbeiten vor Ort für eine neue Heizung und einen neuen Stromverteiler laufen. Für die Kita Heimersheim ist eine Unterbringung in einer Containeranlage am Feuerwehrhaus in Nierendorf in Planung. Die Kinder sollen später möglichst in einer Containeranlage auf einem Bolz- oder Parkplatz in Heimersheim untergebracht werden. Die Containeranlage Nierendorf ist daher nicht so umfassend ausgestattet und monatlich kündbar. Sie kann nach der Nutzung durch die Kita Heimersheim als Baubüro für die anstehende Renaturierungs- und Straßenbaumaßnahmen in Niedernierendorf genutzt oder alternativ zurückgebaut werden.

Da man für die beiden Einrichtungen St. Pius und St. Hildegard aus Bachem langfristig Ersatz stellen muss, bemüht man sich derzeit um einen besser passenden Standort. Die Kita St. Hildegard startet in den nächsten Tagen schrittweise im Bürgerhaus Birresdorf. Von hier aus wäre nach Fertigstellung ein Umzug in die Drei-Gruppen-Containeranlage in den Innovationspark Rheinland (IPR) möglich. Dort hätten die Kinder dann auch einen eigenen Gartenbereich. Der IPR kann aber auch eine Alternative zu dem noch in der Auswahl befindlichen Ersatzstandort für Nierendorf sein. Die Kita St. Pius ist bereits im Bürgerhaus Leimersdorf gestartet. Auch für sie wäre nach Fertigstellung ein Umzug in die Drei-Gruppen-Containeranlage in den IPR möglich.

Der Kindergarten im Blandine-Merten-Haus mit insgesamt sieben Gruppen wird auch für einen längeren Zeitraum einen Ersatzstandort benötigen. In Abstimmung mit der Kreisstadt und dem Jugendamt soll die Einrichtung in eine Sieben-Gruppen-Containeranlage in den IPR gehen. Da die Containeranlage eine recht lange Lieferzeit hat, hat der Kreis für die Übergangszelt ein großes Messezelt geordert, dass gegenüber dem geplanten Containerstandort aufgestellt werden soll. Die Kinder müssen sich somit nicht erneut an eine andere Umgebung gewöhnen.

Die Grundschule Altenburg wird gemeinsam mit der Ahrtalschule (Realschule plus) aus Altenburg eine Containeranlage auf dem Bolzplatz gegenüber der Grundschule Gelsdorf nutzen. Die Erdarbeiten laufen und die formelle Auftragsfreigabe liegt bei der VG Altenahr. Die Grundschule Dernau mit ihren sechs Klassen wird auf die drei Grundschulen in Gelsdorf, Leimersdorf und Ringen aufgeteilt. Hier laufen derzeit die Arbeiten zu den Belüftungsanlagen. Ganz aktuell hat die Gemeinde Grafschaft zusammenfassend für das Are-Gymnasium und das Peter-Joerres-Gymnasium der Kreisverwaltung, der Schulaufsicht als auch den beiden Schulleitungen insgesamt drei Angebote für Containerschulen mit jeweils 40 Klassenräumen und Nebenraumprogramm vorgelegt. Nun muss der Kreis als Schulträger in Abstimmung mit den Schulen und der ADD entscheiden, ob und wie die Angebote genutzt werden sollen. Als Standorte kommen eine Fläche am Kreisverkehr oberhalb Beller sowie der Sportplatz Lantershofen in Frage. Alle drei Angebote sind um ein Fest- oder Messezelt für den Mensabetrieb zu ergänzen. Die Anbieter haben sich die Aufstellorte angeschaut. „Ingenieure, Bauabteilung und die Werke der Gemeinde Grafschaft sowie die bereits an anderen Stellen für die Gemeinde tätigen Firmen stehen auf Stand-by“, so Bürgermeister Achim Juchem: „Für eine schnelle Entscheidung wären wir dem Kreis – losgelöst von der verständlichen Sicht der Schulen - dankbar, da sowohl Containeranlagen als auch Baufirmen sehr gefragt sind.“

DRK-Rettungswachen: Die Rettungswache Altenahr hat ihren Betrieb in der kleinen Containeranlage im ehemaligen Impfzentrum Gelsdorf aufgenommen. Die Anlage soll noch um einen weiteren Container ergänzt werden. Die Erdarbeiten für die Containeranlage der Rettungswache Bad Neuenahr im IPR laufen. Da Baumaterialien aktuell sehr knapp sind, muss man einkaufen, wenn es Material gibt. Für die der Containeranlagen hat die Gemeinde Grafschaft auf einem Grundstück unterhalb der RWE-Umspannanlage ein Schotterlager angelegt, dass unter ständiger Beobachtung steht. Aus der Bundesbereitstellung werden für die Rettungswache Bad Neuenahr insgesamt 32 Containermodule angeliefert. Zusätzlich wird ein Carport für acht Rettungsfahrzeuge entstehen. „Die Organisation des Carportbaus hat Ex-Bauamtsleiter Friedhelm Moog in seiner bekannt zupackenden Art in Angriff genommen“, so Juchem augenzwinkernd.

Senioren-Tagesbetreuung: Eine weitere Containeranlage für den IPR ist bestellt, die Erdarbeiten laufen in den nächsten Tagen an. Die Tagesbetreuung wird auf dem Gelände des Drei-Gruppen-Kindergartens gebaut. Dort entstehen drei Betreuungsräume und ersetzen die derzeitige Betreuung im Bürgerhaus Ringen zumindest teilweise. Je nach Entwicklung der Betreuungszahlen könnte das Bürgerhaus Ringen abends und am Wochenende wieder den Vereinen zur Verfügung stehen und tagsüber eine Ausweichmöglichkeit für die Schulen bilden.