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Kunst in Sinzig: Die Heimkehr des „Idolino“

Kunst in Sinzig : Die Heimkehr des „Idolino“

Die bekannte Marmorskluptur erstrahlt nach der Restaurierung im Sinziger Schloss in neuem Glanz. Mit der Sackkarre zurück ins Turmzimmer.

Das Turmzimmer hat ihn wieder. Geraume Zeit war der Sinziger „Schlossbewohner“ vermisst worden. Nun ist der Beau aus reinweißem Carrara-Marmor zurück und wurde freudig von Museumsleiterin Agnes Menacher begrüßt.

Die „Idolino“ genannte Nachbildung einer im 16. Jahrhundert in Pesaro gefundenen römischer Bronze lieferten jetzt Steinmetzmeister und Diplomrestaurator Olaf Pung und sein Kollege Bruno Piek aus Köln an. Pung hatte in seiner Werkstatt für Steinrestaurierung in Thür die vergraute Figur behutsam mit Wasserdampf gereinigt. Ehefrau Stefanie, Schreinerin, Innenarchitektin und Künstlerin, löste eine dilettantische Handklebung und ersetzte fehlende Finger und Handglieder. Gipsabgüsse des Florentiner Originals im Akademischen Kunstmuseum Bonn dienten dabei als Vorbild für ihre Modelle in Plastilin. Die in Marmor umgesetzten Finger und die Hand befestigte sie reversibel durch Dübel und Kunstharz.

Portalkran mit Flaschenzug

Staub, falsche Marmorpflege und ein missratener Restaurierungsversuch hatten zuvor das einst ansehnliche Mannsbild schäbig aussehen lassen. Aktuell blendet sein Anblick beinahe. Die zart durchscheinende kristalline Struktur, für die Carrara-Marmor berühmt ist, kommt erneut zum Vorschein.

Im Turmzimmer bauten die Restauratoren zuerst einen Portalkran mit Flaschenzug auf. So konnte das Objekt neuer Strahlkraft am Haken punktgenau abgelassen werden und zwar auf seinem Sockel aus grünem Brekzienmarmor, der dem Knaben zur rechten Wirkung verhilft. Auch er schaut dank einer Sandstrahlbehandlung in Thür aus wie neu. Mit der Sackkarre rollten die drei Sockelelemente zum Bestimmungsort. Erst als sie perfekt ausgerichtet waren, kam „Idolino“, der mit Spanngurten im Lieferwagen festgezurrt war, an den Haken. Voll konzentriert leisteten die Profis Maßarbeit, bis die Skulptur, deren Restaurierung 5320 Euro kostete, optimal positioniert war.

Standbild stammt aus dem Jahr 1897

Laut Beschriftung wurde das Standbild 1897 von „Professor Seeböck“ geschaffen. Das war laut Pung „der österreichische Bildhauer Ferdinand Seeboeck (1864-1952), der zu dieser Zeit ein Atelier in Rom unterhielt“. Gereinigt und voll rehabilitiert präsentiert sich der „Idolino“, der zeitweilig in den Flur abgeschoben worden war, weil Besucher sich an seiner Nacktheit gestört hatten, jetzt im Schloss.