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Trauerfeier in Altenburg: Die Mittelahr gedenkt der Flutopfer

Trauerfeier in Altenburg : Die Mittelahr gedenkt der Flutopfer

Die Besucher der Trauerfeier in Altenburg zum Gedenken der Flutopfer verharren fast anderthalb Stunden schweigend im Regen. 38 Menschen hat das Hochwasser allein in der Verbandsgemeinde Altenahr das Leben gekostet.

Bei einer bewegenden Feier gedachten Menschen aus der Verbandsgemeinde Altenahr am Sonntag der Opfer der Flutkatastrophe vom 14. / 15. Juli an der Mittel­ahr und der Helfer in nie gekannter Not. Trotz des steten Regens verharrten sie nahezu eineinhalb Stunden gesammelt und schweigend auf dem Platz vor der Realschule in Altenburg. In den Redebeiträgen ging es immer wieder um das unfassbare Geschehen in den Stunden, die das Gesicht der Mittelahr verändert haben. Es ging aber auch um Hilfe und um Hoffnung für die Zukunft.

38 Menschen wurden in der Nacht in einen „gewalttätigen, qualvollen Tod“ gerissen, wie es Verbandsbürgermeisterin Cornelia Weigand formulierte. Es waren 33 Menschen aus der Verbandsgemeinde und fünf Menschen von weiter her. Während alle Namen verlesen und Lichter angezündet wurden, zeigte sich, dass einige Familien besonders hart betroffen sind. So trugen von den sieben Verstorbenen aus Ahrbrück fünf den selben Familiennamen. Aus Kreuzberg hatten zwei Menschen ihr Leben in den Fluten gelassen, aus Altenburg drei, aus Altenahr fünf, aus Mayschoß vier, aus Rech einer, aus Dernau acht, aus Marienthal drei. Opfer gab es auch aus dem Kreis der Camper, die in Datteln, Niederkassel und Wesseling zu Hause waren.

Lichter wurden entzündet, weiße Rosen lagen bereit für ungenannte Opfer und für Verstorbene, die bereits beerdigt, aber dennoch von der Flut davon getragen worden waren. „Ave Maria“ sang nach Verlesen der Namen sehr innig die weißrussische Sopranistin Elizaveta Volkova, die aus Stuttgart gekommen war. Sehr einfühlsam gestaltete das Bläserensemble der Rheinischen Musikschule Köln die Feier.

Der Altenahrer Pfarrer Axel Spiller und Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer riefen das Geschehen der Nacht in Erinnerung: Schlamm und abgetriebene Autos stauten sich an den Brücken, mit ungebändigter Gewalt bahnte sich das Wasser seinen Weg, Menschen flüchteten sich in ihren Häusern in immer höhere Stockwerke und bis auf die Dächer. Die Seelsorger rieten zum Gedenken an das Unheil nicht nur in dieser einen Stunde.

Mit den zerstörten Häusern wurde die Geborgenheit der Menschen weggespült, Bilder, Briefe, Erinnerungen wurden vom Schlamm verschluckt, Elternhäuser weggerissen. Nachbarn sind jetzt entfernt, Familien getrennt. Nach sechs Wochen stelle sich die Frage nach der Gestaltung der Zukunft, klang ein wenig Hoffnung auf.

„Die meisten von uns sind im Innersten schwer erschüttert, sind traumatisiert worden in diesen dunklen Stunden“, sagte Verbandsbürgermeisterin Cornelia Weigand. Die Ahr habe den Menschen nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre Straßen und Brücken genommen, sie habe die Ahrtalbahn „wie ein ungeliebtes Spielzeug“ verbogen. „Sie hat unsere Heimat zerstört. Das Herz der Mittelahr ist herausgerissen“, sagte Weigand. Das Gedenken gelten den Menschen, die verloren seien. Kindern, Eltern, Familienangehörigen, Nachbarn, Freunden, die in der Nacht gestorben seien. „Die schier unendliche Arbeit, die Kraft, die so viele aufgebracht haben seit der Stunde, zu der das Wasser das Land wieder freigegeben hat, haben uns durchhalten lassen.“ Doch es müsse auch eine Zeit für Trauer und Tränen geben. Neben der Trauer könnten die Menschen Erinnerungen an glückliche Tage miteinander teilen, sagte Weigand. Gegenseitig könnten sie sich stützen, damit die Wunden heilten.

Weigand sprach auch über die vielen Ehrenamtlichen von Hilfs- und Rettungsorganisationen, von Feuerwehren, Polizei, Bundeswehr, THW. Sie sprach über die Hilfe von Bauunternehmen, Handwerkern, Bauern, Seelsorgern, von jungen und älteren Menschen. Diese hätten sich nicht bitten lassen, hätten nicht lange gefragt, sondern einfach angepackt, Tag für Tag von Neuem. Die Tatkraft tue gut, sie zeige, dass vieles verloren sei, aber nicht die Hoffnung. Auch die Hoffnung, „dass unser Tal wieder aufgebaut wird“. Dazu brauche es Ausdauer und Kraft. „Wenn wir zusammenstehen, zusammenhalten, zusammenarbeiten, können wir gemeinsam die Zukunft an der Ahr, unsere Zukunft an der Ahr, wahr werden lassen.“