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Hilfestellungen für Flüchtlinge: Die Sprache als Schlüssel

Hilfestellungen für Flüchtlinge : Die Sprache als Schlüssel

So vielschichtig die Lebensgeschichten der Menschen sind, die derzeit im Kreis Ahrweiler als Flüchtlinge ankommen, so enorm groß und so breit aufgestellt ist das Engagement der Bürger, die ehrenamtlich helfen wollen.

Demnach wird die fachliche Unterstützung durch Institutionen wie Schulen, Kirchen, Caritas, Diakonie und Behörden in allen Kommunen durch eine zweite tragende Säule ergänzt und vernetzt: Dank Menschen, die bereit sind, den Flüchtlingen zu helfen, ihnen den Weg in eine neue Heimat zu ebnen, um am Ende dazu beigetragen zu haben, dass sich neue Wurzeln bilden können.

Wichtig ist dabei für Eva Pestemer vom Caritas-Fachdienst Migration, die mit ihrer Kollegin Anja Siwik auch für das Willkommenspatenprojekt (der GA berichtete) verantwortlich zeichnet, dass das im besten Fall auf Augenhöhe geschieht. "Die Flüchtlinge, zum Beispiel aus Syrien, standen in ihrem Land mitten im Leben. Wir müssen nicht wie Helikopter um sie kreisen, sie 24 Stunden betreuen oder sie gar bemuttern. Es geht um alltagsorientierte Hilfestellungen zur Integration, nicht um lehrerhaftes Beibringen der deutschen Sprache", so Pestemer, die auch berichtete, dass die Osterferiensprachkurse, die es in der Ahrweiler Grundschule oder in Sinzig und Remagen gab, gut gelaufen sind.

Sie sieht im Optimalfall für beide Seiten eine enorme Chance der Bereicherung. So begleitete sie einen Bürger der Verbandsgemeinde Adenau zu einer syrischen Familie. "Es war eine Begegnung von Mensch zu Mensch. Er hatte eine Collage mit Fotos seiner Familie gemacht, kleine Geschenke dabei, sich über Syrien informiert und wir erlebten reichhaltig bewirtete Stunden in großer Gastfreundschaft", so die Caritas-Mitarbeiterin. Da war die Ramersbacher Familie, die Suppe und Kuchen mitbrachte oder die Mutter, die einräumte: "Im Moment kann ich wegen meiner beiden Kinder noch nicht viel tun. Aber wenn es was zu erledigen gilt, helfe ich gerne."

Auch Andrea Kien-Groß, Dekanatsreferentin im Dekanat Ahr-Eifel, weiß von langen Listen von Menschen, die helfen wollen. "Zum Teil Menschen mit Migrationshintergrund, die wir seit zehn Jahren über die Ahrweiler Tafel betreuen, die nun etwas an Hilfe zurückgeben wollen. Da meldet sich aber auch die Frau, deren Schwiegertochter Deutsch studiert und bereit ist, den Flüchtlingen die Sprache zu vermitteln."

Denn dass die Sprache der Schlüssel zur Integration ist, steht für alle fest. Die Kreis-Volkshochschule Ahrweiler (KVHS) wird ihr Angebot von acht auf zwölf Vollzeit-Integrationskurse erhöhen. Jeder Kursus umfasst zwischen 660 und 1260 Unterrichtsstunden. "Die zusätzlichen Kurse werden uns helfen, die Flüchtlinge besser und schneller zu integrieren", erklärt Landrat Jürgen Pföhler. Durch die neuen, vom Bund bezahlten Vollzeitkurse sinken die Wartezeiten für Flüchtlinge auf zwei bis vier Monate. Weitere Flüchtlinge, die in den kommenden Wochen eintreffen, müssen sich auf etwas längere Wartezeiten einrichten. Die Angebote:

  • Erstens gibt die KVHS an den Standorten Bad Neuenahr-Ahrweiler und Bad Breisig Vollzeit-Integrationskurse; diese finden täglich statt, bieten eine Sprachschulung, vermitteln gesellschaftskundliche Lerninhalte und dienen als Hilfe bei der Orientierung im neuen Lebensumfeld.
  • Zweitens werden niedrigschwelligen und wohnortnahen KVHS-Sprachkurse angeboten, in denen die neu ankommenden Menschen die Wartezeit bis zur Aufnahme in die KVHS-Vollzeit-Integrationskurse überbrücken.
  • Drittens bietet die KVHS Feriensprachkurse an, die ausgeweitet werden sollen.
  • Viertens laufen Sprachfördermaßnahmen in den Kitas; 52 der 66 Kitas bieten 90 Module an; 37 interkulturelle Fachkräfte, die der Kreis mit jährlich 670.000 Euro bezuschusst, werden eingesetzt.

Für die wohnortnahen KVHS-Kurse hat der Kreis- und Umweltausschuss anlässlich der "Initiative des Kreises für eine zügige Integration von Asylbewerbern, Flüchtlingen, Zuwanderern und Migranten" 50 000 Euro bewilligt.

Wer sich ehrenamtlich einbringen möchte, kann Eva Pestemer (Tel. 0 26 51/9 86 91 43) oder Anja Siwik (Tel. 0 26 51/9 86 91 45) vom Caritas-Fachdienst Migration kontaktieren. Online informiert das Flüchtlingsnetzwerk Bad Neuenahr-Ahrweiler: http://flüchtlingsnetzwerk-bnaw.de

Kurse in den Kommunen

Folgende Sprachkurse haben in den Kommunen - die Gemeinde Grafschaft wird von Bad Neuenahr-Ahrweiler mitversorgt - begonnen oder beginnen spätestens im Mai: Im Brohltal (Niederzissen) läuft seit 20. März ein wöchentlicher Sprachkursus mit zwölf Teilnehmern. In Bad Breisig steht eine Infoveranstaltung für 30 Interessenten an; die KVHS geht davon aus, anschließend (ab Anfang Mai) mit zwei oder drei wöchentlichen Kursen zu starten. In Altenahr laufen Vorgespräche mit der Verbandsgemeindeverwaltung; die Vorbereitungen für einen Kursus ab Mai laufen.

In Sinzig gibt es bereits die von der Stadt finanzierten Kurse der städtischen Volkshochschule (VHS). Die KVHS wird dieses Angebot nach den Osterferien durch einen dreimal wöchentlichen Spezial-Kursus für Menschen mit besonderem Alphabetisierungsbedarf ergänzen. In Bad Neuenahr-Ahrweiler läuft bereits ein von der Stadt finanziertes Angebot. In Remagen wird die KVHS wahrscheinlich ab Mai zwei Kurse anbieten. Darüber hinausgehende Kurse sollen bedarfs- und zeitnah eingerichtet werden.