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Digital: So war die Kreistagssitzung in Ahrweiler

Leinwand, Kamera und eine Glocke : Digitale Sitzung mit Tücken in Ahrweiler

Rheinland-pfälzische Premiere in Ahrweiler: Am Freitag ging die erste digitale Sitzung eines obersten Kreisgremiums im Land im Kreishaus über die Bühne. Dabei kämpfte man mit den Tücken der Technik.

Premiere für den Kreistag von Ahrweiler. Am Freitag ging die erste digitale Sitzung eines obersten Kreisgremiums in Rheinland-Pfalz im Ahrweiler Kreishaus über die Bühne. Nicht ganz ohne technische Probleme, denn immerhin 50 Politiker mussten sich einloggen. Die Steuerung dafür lief im kleinen Sitzungssaal ab. Auf den Projektionsflächen waren jedoch „aus Platzgründen“ lediglich Landrat Jürgen Pföhler, die Kreisbeigeordneten und die Fraktionschefs präsent. Mangelnde Tonqualität wurde durch Meldung per Telefon verbessert, wenn auch nicht optimal. Vom Angebot, den Kreistag digital im großen Sitzungssaal zu verfolgen, machte übrigens kein Bürger Gebrauch. Es war eben eine digitale Premiere.

Dabei hat sich die Bedeutung der Digitalisierung gerade in den vergangenen Monaten gezeigt. Ein Thema, zu dem die FDP-Fraktion um Ulrich van Bebber einen Sachstandsbericht für die Sitzung beantragt hatte.

„Die Corona-Pandemie mit der Schließung der Schulen hat uns vor Augen geführt, welchen hohen Stellenwert die Digitalisierung für den Schulunterricht hat“, sagte der Landrat. „Auch wenn niemand mit einem derartigen Ereignis rechnen konnte, zeigt sich, dass unsere Schulen bereits heute beim Thema digitale Medien gut aufgestellt sind.“ Die hohen Investitionen des Kreises in den vergangenen Jahren hätten sich ausgezahlt.

Mit der analogen Glocke läutet Landrat Jürgen Pföhler die erste digitale Sitzung des Kreistags von Ahrweiler ein. Foto: Günther Schmitt

Schulen müssen für Fördermittel Medienkonzept vorlegen

Im Rahmen des Digitalpakts unterstützt der Bund die Schulträger bei den Investitionen. Für die Kreisschulen stehen einschließlich des zehnprozentigen Eigenanteils des Kreises rund 3,4 Millionen Euro bereit. Die Bewilligung der entsprechenden Förderanträge erfolgt durch die Innovations- und Strukturbank Rheinland-Pfalz. Voraussetzung hierfür ist ein pädagogisches Medienkonzept jeder einzelnen Schule. Dieses wird in der Gesamtkonferenz von Schulleitung und Lehrkräften beschlossen, auch der Schulelternbeirat ist beteiligt.

Mit den jetzt vorliegenden Medienkonzepten von sechs Kreisschulen werden 60 Prozent des bereitstehenden Budgets beansprucht. Konkret sind das die Konzepte von Burgwegschule, Are-Gymnasium, Peter-Joerres-Gymnasium, Hocheifel-Realschule plus, Boeselager-Realschule plus sowie Berufsbildende Schule. Die übrigen Kreisschulen wollen ihre Konzepte bis zum Herbst vorlegen. Neben einer flächendeckenden WLAN-Versorgung geht es dabei zum Beispiel um die Anschaffung von 300 interaktiven Displays als Tafelersatz, 130 Dokumentenkameras, 300 Laptops und 340 Tablets. Die Planungen für die flächendeckende WLAN-Ausstattung laufen. Die Ausschreibungen sollen im Herbst erfolgen.

Auch im Ahrweiler Kreishaus hat die mit der Corona-Pandemie verbundene schwierige Situation zu einem Digitalisierungsschub geführt: Damit Bürger einfach mit der Kreisverwaltung Kontakt aufnehmen konnten und gleichzeitig mit Terminvergaben ein kontrollierter Zugang zum Kreishaus möglich blieb, hat die Verwaltung kurz nach Beginn des Lockdowns ein Online-Kontaktformular auf der Homepage eingerichtet.

270 Kreishaus-Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice

Dieses wurde bislang über 8000 Mal genutzt, um Anliegen vorzubringen oder Anträge anzustoßen. Weiterhin hat die Verwaltung von jetzt auf gleich 170 neue Telearbeitsplätze eingerichtet, sodass jetzt fast 270  Mitarbeiter (das entspricht rund 75 Prozent) wechselweise im Homeoffice arbeiten. Sie greifen dabei vielfach auf digitale Akten zurück. Sukzessive werden weitere Bereiche an das Dokumenten-Managementsystem angebunden. Unabhängig von der Corona-Pandemie hat die Kreisverwaltung ihre Online-Angebote in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Mittlerweile können zum Beispiel auch Anträge für die Übernahme von Schülerfahrkosten und Anträge auf Lernmittelfreiheit bei der Schulbuchausleihe online gestellt werden. Landrat Jürgen Pföhler: „Für uns als Verwaltung ist die Digitalisierung eine Herausforderung, aber auch eine große Chance.“