Osterbräuche in Ahrkreis und Rheinland: Eier, Flammen und Klappern

Osterbräuche in Ahrkreis und Rheinland : Eier, Flammen und Klappern

Ostern ist Jubel pur: Das Fest der Auferstehung Christi fällt zusammen mit dem Wiedererwachen der Natur. Was Wunder, dass Bräuche den Festkreis seit Jahrhunderten begleiten, obgleich sie früher, in religiös verbindlicheren Zeiten, zahlreicher waren.

Am Palmsonntag gingen im Mittelalter Prozessionen mit Palmweihen. Kleriker ritten, Jesu Einzug in Jerusalem verkörpernd, auf einem Esel. Oder Holzesel auf Rädern stellten den Vorgang dar, so in Köln, Essen, Aachen, Trier und Koblenz, bis die Aufklärung dem ein Ende machte. Geweihten "Palm" (Buchsbaum) aber stecken die Gläubigen als Segenszeichen bis heute hinter die Zimmerkreuze und früher selbst in die Stallungen.

Da die Glocken wegen der Kartrauer von Gründonnerstag bis zur Ostermesse schweigen mussten - es hieß, "sie fliegen nach Rom" - zogen Ministranten und Dorfjungen mit Holzklappern durch den Ort. Dabei sangen sie in Sinzig-Westum an Gründonnerstag- und Karfreitagmittag: "Et es at Mittach, dat Hohn hätt jelach, et leit noch kei Ei im Schaaf", außerdem: "Oh, du armer Judas, du hast den Herrn verraten und dafür musst du jetzt braten". Meist folgte ein Heischegang um Eier.

In den Weltkriegen wurden die Glocken eingezogen

In Grafschaft-Oeverich aber bevorzugten die Kinder laut Ottmar Prothmann getrocknetes Obst: "Bauze, Bauze, Berrebauze (Birnenschnitte), Bauze, Bauze, Appelschnauze." Im Eifeldorf Pomster ertönte: "Eier, Geld und Speck heraus, sonst kommt der Wolf ins Haus und frisst euch alles heraus, heraus, heraus."

Auf dem Land hielten sich die Klappergänge bis weit ins 20. Jahrhundert. In den Städten verschwanden sie viel früher. Vereinzelt sind die Klapperkinder im Kreis Ahrweiler noch heute unterwegs, zum Beispiel in Kesseling, in Sinzig-Franken und Waldorf.

Die Feierlichkeiten um Osterfeuer und Osterwasser begannen vor 1950 am Karsamstag. Den Funken für das "reine Licht" des Osterfeuers musste der Küster aus einem Feuerstein schlagen. In Westum, so Heinz Schmalz, säuberten bis zur Gemeinde-Wasserversorgung 1905 die Junggesellen am Ostersamstag die Dorfbrunnen, um am Ostertag einwandfreies Quellwasser bereitzuhalten.

Die Segnung von Taufwasser und Weihwasser, auch Osterwasser genannt, das Mensch, Tier und Haus vor Unheil bewahren soll, erfolgt seit geänderten Vorschriften statt am Karsamstag vor der Auferstehungsmesse.

Auch an der Ahr wurden früher hohe Feiertage durch "Dingeln", "Dengeln" oder "Beiern", das Anschlagen unbewegt hängender Kirchenglocken, angekündigt, was die Menschen in freudige Festtagsstimmung versetzte. Vielerorts schlief das Beiern ein, als in den Weltkriegen die Glocken eingezogen wurden, oder wenn sich niemand mehr auf diese Kunst verstand.

In der Ahrweiler Sankt Laurentiuskirche jedoch wurde der Brauch belebt, und in Dernau sorgt an Ostern wie stets Dingelmeister Walter Trarbach für den besonderen Klang.

Natürlich kreisen viele Osterbräuche ums Ei, das als Inbegriff neuen Lebens die Auferstehung symbolisiert. Seit dem 12. Jahrhundert gehörte die Eierweihe zur Festliturgie. In der Eifel gingen Pastor und Küster in die Häuser, um Brot, Salz, Wasser und Eier zu segnen. Ihr Lohn: eine Eierspende. Verschiedenste Gruppen waren einst in der Osterzeit wegen der Eier unterwegs.

Einige lieferten sie als Naturalzins bei ihrem Lehnsherrn ab, andere nahmen sie entgegen für Dienstleistungen, wieder andere erhielten Eier als Geschenk. Der Pfarrer bekam spätestens seit dem 15. Jahrhundert "Beichteier" und "Kommunionseier". In Wershofen (Adenau) ist für 1847 verzeichnet: "Der Pfarrer erhält von jedem Kommunikanten zwei Eier, sodann auch zwei Eier von einer jeden Haushaltung. Die ersteren werden Beichteier, die letzteren Weihwassereier genannt. Der Küster bekommt von jeder einzelnen Haushaltung ein Ei." Auch die Messdiener ließen sich, wenn sie das Taufwasser in die Häuser brachten, Eier geben.

Zu den im Rheinland, so in Köln und Solingen, wie im Kreis Ahrweiler einst sehr beliebten und verbreiteten Eierspielen zählt das "Eierkippen". Im Siedlungsgebiet Ahrbrück betrieben es die jungen Männer.

Sie schlugen mit hartgekochten Eiern Spitze an Spitze, und wessen Ei heil blieb, durfte das gegnerische einheimsen. Die Jüngeren vergnügten sich dort mit Ostereierwerfen. Wer am weitesten warf, ohne sein Ei zu verletzen, hatte gewonnen. Beide Spiele sind bis in die 60er Jahre gespielt worden.

Während Zins-, Beicht-, Weihwasser- und Klappereier immer roh und ungefärbt waren, durften Ostereier als Geschenk hübsch bunt sein. Man färbte sie mit Naturmaterialien wie Spinat oder Rote Bete. Der Osterhase als Eierbringer, in Köln seit 1880 heimisch, erschien in kleineren Orten nicht vor den 1930er Jahren.

Um diese Zeit wurden auch bereits im Heimersheimer Kindergarten Osternester gebastelt und dort und in den Familien Eier gesucht. Neben ausgiebigem Eiergenuss gönnten sich die Menschen nach dem langen Fasten früher zum Ostersonntag ein besonderes Festtagsessen. Als sinnreiche Tagesspeise kam nicht nur im Kreisgebiet oft Lamm auf den Tisch. Und das bekannteste Ostergebäck im Rheinland, das Osterlamm, welches schon im 16. Jahrhundert in keiner kölnischen Familie fehlen durfte, schmeckt im Landkreis bis heute.