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Kripp vor Hotelneubau: Ein Schandfleck verschwindet: "Alte Wäscherei" abgerissen

Kripp vor Hotelneubau : Ein Schandfleck verschwindet: "Alte Wäscherei" abgerissen

Samstagmorgen, kurz nach drei Uhr: Junge Leute sitzen auf der Ufermauer an der Kripper Rheinallee. Eine Kiste Bier wird hochgehievt, ein Einweggrill mit Steaks angeschmissen. Spätheimkehrer? Frühaufsteher? Weder noch. Ortsvorsteher Heinz-Peter Hammer kommt um die Ecke aus der Quellenstraße: "Moin." Es ist eine Art Abriss-Party, die da zu unchristlicher Zeit am Rheinufer steigt.

Und immer mehr Leute kommen, einige mit Thermoskannen voll Kaffee, denn bei gerade mal drei Grad Celsius ist abwarten angesagt.

Dann gehen die Scheinwerfer der Feuerwehr an und tauchen das Objekt nächtlicher Neugier in gespenstisches Licht. Für die "Alte Wäscherei", den letzten Schandfleck von Kripp, haben die letzten Stunden geschlagen. Es ist Abrisstermin. Sechs Wochen haben Tobias und Florian Wahl auf diesen Zeitpunkt hingearbeitet. Sie sind die Chefs an der Abrissstelle am Rheinufer und haben ein sehr enges Zeitfenster.

"Bis 6 Uhr müssen wir den Komplex abgerissen haben. Dann kommt die erste Fähre, und die Straße muss wieder frei sein. Den hinteren Teil haben wir schon seit Montag dazwischen gehabt", sagt Tobias Wahl und gibt den Baggerfahrern den Startschuss: 3.30 Uhr.

Zuvor war noch ein Streifenwagen um die Ecke gebogen. Keine Beanstandungen. Die Greifer der 30- und 25-Tonnen-Bagger langen zu. Stück für Stück beißen sie in die teilweise mehr als 100 Jahre alten Mauern, reißen die Wände nach hinten, immer schön weg von der Straße. Beifall von einem halben Hundert Zuschauer. Der Rest der 3000 Kripper schläft. Denn obwohl die Bagger schier im Akkord zupacken, ist das Rattern eines Güterzuges auf der anderen Rheinseite deutlich lauter als das dumpfe Brummen der PS-Boliden und das Knacken des Dachstuhls.

Uwe Schindler strahlt. Der Unternehmer aus Bonn, der mit seinem Kompagnon Luc Janssen sein Geld mit digitalem Fernsehen in den Niederlanden und der Schweiz macht, ist Bauherr am Rhein. Das Duo ist in die Hotellerie expandiert, hat 2011 das frühere "Hotel Rheingold" übernommen und als "Rheinhotel Arte" zu neuer Blüte gebracht. Das liegt direkt neben dem einstigen Schandfleck und kam unter der neuen Leitung mit seinen 26 Zimmern im vergangenen Jahr immerhin auf 7000 Übernachtungen.

Das wollen Schindler und der Niederländer Janssen verdreifachen. "Zunächst kommt hier eine Grünanlage hin. Dann legen unsere Architekten los", sagt Schindler, während er Kaffee an die Feuerwehrleute um Einsatzleiter Ingo Wolf verteilt. Denn an der Stelle, an der Wehrleute mit Schläuchen und jeder Menge Wasser den Abrissstaub eindämmen, soll als Erweiterung des "Arte" ein "Comfort-Hotel mit Balkons zum Rhein" entstehen. "Selbstverständlich hochwassersicher", sagt Schindler im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Und: "In Richtung Ahrtal kommen dann noch preiswertere Zimmer für die Zielgruppe Radwanderer und Wanderer. Da gibt es hier eine große Nachfrage."

Insgesamt werden 50 neue Hotelzimmer errichtet. Das Investitionsvolumen geben Schindler und Janssen mit fünf bis sieben Millionen Euro an. Und: "Wir hoffen, schon im Herbst mit dem Rohbau beginnen zu können." Derweil dirigiert Tobias Wahl einen Baggerfahrer per Funk. Es ist kurz nach 4 Uhr, dass es immer noch arg kalt ist, ignorieren alle. Der Greifer langt zu, und der einst markante Backsteingiebel der "Alten Wäscherei" ist Geschichte. Baggern gegen die Uhr. Was übrig bleibt sind 3500 Kubikmeter Abraum.

"Das wird sortiert", sagt Tobias Wahl. "Und dann an Ort und Stelle gebrochen." Soll heißen: Der Bauschutt wird recycelt und für den Bau des neuen Hotels wiederverwertet. Auch Wahl strahlt. Denn es ist 5.30 Uhr. Der Zeitplan konnte mehr als eingehalten werden. Die "Alte Wäscherei" gibt es nicht mehr. Nach letzten Spritzern aus den Feuerwehrschläuchen blinkt auch die Straße wieder. Die Fähre kann kommen. Und die jungen Leute von der Ufermauer? "Erst mal 'ne Mütze Schlaf. Heute Abend ist wieder Party, aber da, wo's warm ist."