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Einkaufen ohne Termin: Einzelhandel im Kreis Ahrweiler hofft auf mehr Kunden

Einkaufen ohne Termin : Einzelhandel im Kreis Ahrweiler hofft auf mehr Kunden

Im Kreis Ahrweiler können Geschäfte ohne Terminvereinbarung besucht werden. Doch das könnte sich bald wieder ändern, weil die Sieben-Tages-Inzidenz landesweit zuletzt gestiegen ist. Wie die Händler mit der Situation umgehen.

Ein vorsichtiger Anfang ist gemacht. Es gibt seit einigen Tagen erste Lockerungen im Einzelhandel, der seine Geschäfte unter Auflagen öffnen darf. Shoppen gehen, einen Blumenstrauß kaufen, im Buchladen stöbern oder Zeit in einem Museum verbringen: das ist in Rheinland-Pfalz und somit auch im Kreis Ahrweiler wieder – wenn auch eingeschränkt – möglich. Jedenfalls dort, wo es aufgrund der Inzidenzzahlen vertretbar erscheint. Doch nun droht eine Rückkehr zum Termin-Shopping: Denn wenn die Sieben-Tages-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 50 liegt, müssen Städte und Kreise, bei denen dieser Wert ebenfalls oberhalb 50 ist, handeln. Im Kreis Ahrweiler pendeln sie seit Tagen zwischen 60 und 75. Und in Rheinland-Pfalz lagen sie am Donnerstag und am Freitag wieder über 50.

Doch noch gelten die diversen Lockerungen der Corona-Regeln, die seit 8. März in Kraft sind. Es gibt allerdings strenge Vorgaben: Wie viele Kunden die Einzelhändler gleichzeitig in ihrem Sortiment stöbern lassen dürfen, hängt beispielsweise von der Größe der Verkaufsfläche ab. In Läden bis 800 Quadratmeter gilt eine Beschränkung von zehn Quadratmetern, in größeren Läden von 20 Quadratmetern pro Kunde. Die Beschlüsse der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder von Anfang März wurden durch die inzwischen 17. Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz festgelegt. Dort ist seit dem 5. März geregelt, dass öffentliche oder gewerbliche Einrichtungen unter Beachtung der allgemeinen Schutzmaßnahmen öffnen dürfen. Klar: Es gelten zunächst weiterhin das Abstandsgebot, die verschärfte Maskenpflicht und die Personenbegrenzung. „Die Festlegungen gelten derzeit auch im vollen Umfang für den Landkreis Ahrweiler“, hieß es aus dem Kreishaus.

„Sofern die Sieben-Tages-Inzidenz des Kreises den Wert von 100 an mehr als drei Tagen in Folge übersteigt, wird es wieder zu Einschränkungen kommen“, so Kreissprecherin Carolina Wicher. Zudem werde es zu Beschränkungen kommen, wenn – wie jetzt droht – die Sieben-Tages-Inzidenz des Landes den Wert von 50 an drei aufeinanderfolgenden Tagen übersteige und sie im Kreis Ahrweiler weiterhin über 50 liege. Der Einzelhandel bewegt sich also zwischen Hoffen und Bangen.

So ergeht es auch den Inhabern und der Belegschaft des Schuhgeschäftes Rollmann mit ihren zwei Betrieben in Bad Neuenahr und in Ahrweiler. Chefin Gisela Dieringer kauft derzeit neue Ware ein, Mitarbeiterin Katja Lenz hält derweil in der Neuenahrer Innenstadt mit Kolleginnen die Stellung. „Das Geschäft verläuft aktuell sehr wechselhaft. Zunächst sind wir froh, dass wir keine Termine mehr vergeben müssen“, Schuhverkäuferin Lenz. Die Kundschaft sei sehr verhalten und zeige sich verunsichert. „Viele rufen an und fragen, ob sie einen Termin bekommen können“, so Lenz. Dass man unter Einhaltung der Spielregeln auch so die Geschäfte betreten könne, habe sich noch gar nicht herumgesprochen.

Gerade mal ein Kunde pro Tag kommt ins Geschäft

In der „Steigenberger Shopping Arkade“ betreibt Markus Zednik sein Geschäft „Dreams“ und verkauft dort Mode und Schuhe, beides im gehobenen Preisniveau. Das in den zurückliegenden Wochen durchgeführte Geschäft per „Anmeldung und Abholen“ habe zwar einige Umsätze gebracht, dennoch habe man sich nur in Mini-Schritten normalen Umsätzen nähern können. Zwar darf auch Zednik seinen Laden wieder öffnen, hat aber so gut wie keine Kundschaft. „Am Montag kam eine Kundin, dienstags musste ich auf eine Messe, am Mittwoch hat sich ebenfalls lediglich ein Kunde im Geschäft verirrt“, so der „Dreams“-Inhaber, der seit Monaten eher einen Einzelhandels-Albtraum durchlebt.

Von Laufkundschaft kaum eine Spur. Das merken auch die anderen Geschäftsinhaber in der Kreisstadt. Die geschlossene Gastronomie, die verriegelten Hotels, der zusammengebrochene Tagungs- und Seminarmarkt in den darauf spezialisierten Herbergen, der zum Erliegen gekommene Ausflugsverkehr mit seinen Tagestouristen, die ansonsten in Bad Neuenahr und Ahrweiler die Kassen klingeln lassen: Der Einzelhandel stöhnt und ächzt. Überall gibt es die sorgenvolle Frage, wie lange denn die Lockerungen überhaupt bleiben können. „Wir müssen abwarten“, heißt es auch in der Modeboutique Nargis in der Neuenahrer Fußgängerzone, wobei dem Verkäufer Pessimismus und Verunsicherung im Gesicht geschrieben stehen. „Uns fehlt Frequenz in der Innenstadt“, so die Beobachtung der Geschäftsleute. Viele hätten überhaupt noch nicht verstanden, dass die Geschäfte wieder geöffnet seien.

Überschaubar ist die Situation im Kaufhaus Moses in der City von Bad Neuenahr

Im Kaufhaus Moses, dem Zugpferd und Magneten der Bad Neuenahrer City, beginnt das Geschäft auch eher zögerlich. Auf 4700 Quadratmetern Verkaufsfläche werden dort Waren angeboten: Mode, Schmuck, Schuhe, Haushaltsware, Bücher, Schreibwaren oder auch Möbel. Die Weitläufigkeit des Geschäftes mit seinen breiten Gängen sorgt dafür, dass sich die Kundschaft nicht ins Gehege kommen. Die Abstandsregeln werden ohne Probleme eingehalten. Einen Run auf das präsentierte Warensortiment gab es seit Montag nicht, sehr geordnet und überschaubar gehen die Geschäfte zwischen Käufer und Verkäufer über die Bühne.