1. Region
  2. Ahr & Rhein

Verhandlung im Koblenzer Landgericht: Elf Jahre Haft wegen Drogenhandels

Verhandlung im Koblenzer Landgericht : Elf Jahre Haft wegen Drogenhandels

Das Verfahren gegen den Angeklagten Nacer A. endete mit einer hohen Gefängnisstrafe. Der Bandenchef wurde wegen Drogenhandels in Bad Breisig und Sinzig, den er während einer Bewährungszeit beging, verurteilt.

Seit fast einem Jahr beschäftigt sich das Koblenzer Landgericht mit einem Verfahren rund um Drogengeschäfte in Bad Breisig, Sinzig und Bonn, in dessen Mittelpunkt Nacer A. steht. Insbesondere Marihuana soll der zuletzt in Bonn wohnhafte Mann im hohen zweistelligen Kilogrammbereich eingekauft und weiter veräußert haben. Zudem warf ihm die Staatsanwaltschaft Herstellung und Vertrieb von Amphetaminen vor. Nach unzähligen Verhandlungstagen, Zeugenanhörungen und Sitzungsunterbrechungen wurde nun das Urteil gegen den 32-jährigen Angeklagten gesprochen: Nacer A. muss für elf Jahre in Haft. 350.000 Euro – nämlich den pekuniären Gegenwert der bei den Drogengeschäften erzielten Gewinne – muss der Verurteilte an die Staatskasse abführen.

Das Urteil gegen den mitangeklagten Mehmet K. steht noch aus. Dieser teilte dem Gericht am Samstag mit, an Covid 19 erkrankt zu sein. Am Sonntag folgte die Vorlage eines positiven Coronatests. Somit war der Angeklagte nicht verhandlungsfähig. Die Kammer trennte daraufhin das Verfahren ab, das nun unter einem neuen Aktenzeichen fortgesetzt wird.

Alle Verteidiger deutlich verspätet

Es war nicht die erste Verfahrensabtrennung: Ursprünglich standen acht Angeklagte in diesem Fall vor Gericht, die von mehr als 16 Rechtsanwälten vertreten wurden. Entsprechend gefüllt war der Sitzungssaal. Nach und nach lichtete sich das Feld, nachdem es in separaten Verfahren erste Urteilssprüche gegeben hatte. Übrig blieben Nacer A., der als Bandenchef und treibende Kraft gilt, und sein damaliger Kumpel Mehmet K, mit dem er sich im Laufe der Gerichtsverhandlung allerdings komplett überworfen hat, nachdem K. an deutlichen Schuldzuweisungen in Richtung Nacer A. nicht gespart hatte.

Auch der für Nacer A. letzte Verhandlungstag begann mit einer kräftigen Verspätung, da einer der drei Anwälte des Angeklagten von einem viel späteren Sitzungsbeginn ausgegangen war, ein weiterer mit nahezu dreistündiger Verspätung und der dritte Anwalt erst gar nicht kam. Allerdings waren am vergangenen Donnerstag auch bereits zwei Plädoyers gehalten worden. Nun folgte die dritte Verteidigeransprache, mit der die Kammer davon zu überzeugt werden sollte, das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß von zwölfeinhalb Jahren Haft kräftig zu reduzieren.

Straftaten in Bewährungszeit begangen

Nacer A., so die Verteidigung, habe sich in dem Verfahren sehr kooperativ gezeigt, viele Beschuldigungen des mitangeklagten Mehmet K. seien haltlos und zumindest nicht bewiesen. Auch habe der gebürtige Bad Neuenahrer, der später seinen Wohnsitz in Bad Breisig, zuletzt schließlich in Bonn hatte, vorwiegend nur mit „weichen Drogen“ gehandelt, die ohnehin kurz vor der Legalisierung stünden. Der Staatsanwalt hatte das aufgrund der polizeilichen Ermittlungsergebnisse, der ausgewerteten Handydaten und Beobachtungen bei durchgeführten Observierungen in Bad Breisig und Sinzig durch verdeckte Ermittler völlig anders eingeordnet. Die Verteidigung plädierte auf eine Strafe „deutlich unter zehn Jahren“.

Das Gericht bewertete das Treiben von Nacer A. nicht als mittelschweren Fall, sondern verurteilte den 32-Jährigen nun zu elf Jahren Haft. Nicht zuletzt deshalb fiel das Urteil recht hoch aus, da er die ihm zur Last gelegten Straftaten in einer Bewährungszeit begangen hatte. Auch muss A. eine Entziehungskur antreten. Das Urteil gegen Mehmet K. wird zu einem späteren Zeitpunkt in einem neuen Verfahren gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche für ihn fünf Jahre Haft gefordert. Die beiden Verteidiger dieses Angeklagten haben ihre Plädoyers noch nicht gehalten.