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Ausstellung in Remagen: Fotograf Ralf Schuhmann blickt in die Straßen von Leipzig, Koblenz und New York

Ausstellung in Remagen : Fotograf Ralf Schuhmann blickt in die Straßen von Leipzig, Koblenz und New York

Der Titel „Urban“ sagt, wo es bei dieser Ausstellung hingeht: in städtische Räume. Der Fotograf Ralf Schuhmann zeigt in der Remagener Galerie Modern Art Showroom ungeplante Motive aus Innenstädten. Es sind Impressionen, die kaum zu Ansichtskarten werden, aber eigenwilligen Reiz besitzen.

Auf ein Neues. Nach einer Ausstellungspause startet in der Galerie Modern Art Showroom (M.A.SH.) wieder eine Präsentation. Es geht um Fotografien. Und der Titel „Urban“ zeigt, wo es lang geht, nämlich hinein in städtische Räume.

Dabei blickt Fotograf Ralf Schuhmann jedoch nicht auf Skylines. Er sucht auch keine Industriestandorte auf oder fokussiert bekannte Sehenswürdigkeiten. Vielmehr führt der 1962 in Leipzig geborene und seit einigen Jahren in Remagen lebende Künstler zu Impressionen, die kaum zu Ansichtskarten werden, diese aber verschiedentlich an Reiz übertreffen dürften.

Sein Blick geht oft nach unten. Was hat ihm das Pflaster nicht alles zu bieten: zwei Männerbeine in Stoffhose und Schatten wecken seine Aufmerksamkeit. Ein andermal faszinieren drei mysteriöse Asphaltflecken in körnigem Schwarz auf abgefahrenen glänzenden Basaltsteinen oder eine helle, vielfach geborstene Flickstelle aus Zement, die sich zauberhaft auf dunklem Grund ausnimmt. Einen eigenen Kosmos bilden auch jene im Rund sich kreuzenden Reifenspuren im Schnee.

Sie stammen vom Wendehammer im Remagen-Kripper Neubaugebiet „Lange Fuhr“. Schön kross zeichnen sich die Profile im angefrorenen Weiß ab. Eine gelungene Moment­aufnahme. „Ich habe immer eine kleine Kamera dabei. Denn wenn man wiederkommt, findet man vielleicht die Stelle nicht wieder, das Licht ist anders und die ganze Situation ist vorbei“, sagt Schuhmann. Der ausgebildete Fotograf und Mediendesigner, der außerdem Kunst in Berlin studierte, hat fotografisch dokumentiert, wie sich nach dem Fall der Mauer Alltag und Lebensumstände in der ehemaligen DDR änderten. Von ihm stammt die Veröffentlichung „Leipzig im Umbruch“ und mit Gian Butturini lieferte er Aufnahmen für den Band „Cera una volta il muro /Als die Mauer noch stand“. Er war im Rheinischen Braunkohlerevier unterwegs und begleitete im Wohnort Kripp die „Lange Fuhr“ mit 181 Baugrundstücken in ihrer Entwicklung. Aber was er im M.A.SH. zeigt, folgt keinem Konzept. „Hier ist es umgekehrt“, so Schuhmann. „Ich wollte die Bilder mal alle zusammen an der Wand sehen.“ Was sie eint, sind ungeplante Motive, lauter Sehfunde, aufgegriffen im städtischen Umfeld von Leipzig, Berlin und Bonn, Remagen, Koblenz und New York, die Eindrücke von der Straße und Fassaden widergeben. Raster und Strukturen feiern an unspektakulären Stellen Triumphe, Licht und Schatten spielen häufig mit. Es zeigt sich, dass der Fotograf die Fähigkeit besitzt, aus dem unruhigen Ganzen städtischer Szenen Binnenwelten sehenswerter Formarrangements herauszuschälen.

Zwischen den dominierenden Schwarz-weiß-Fotos wirken einige Aufnahmen mit starken Farbakzenten wie koloriert. Umso überraschender: Sowohl die roten Figuren als auch eine gelbe und eine blaue Fläche an Außenwänden gingen wie gesehen in Fotos über.

Die Ausstellung an der Kirchstraße 25 hat bis 4. Oktober geöffnet: immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.