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Hochwasserschutz in Unkelbach: Fünf kleine Stau-Becken sollen es richten

Hochwasserschutz in Unkelbach : Fünf kleine Stau-Becken sollen es richten

In einer Freiluft-Bürgerversammlung stellt Remagens Bürgermeister die Hochwasserschutzpläne für Unkelbach vor. Fünf Jahre ist die Überflutungskatastrophe her.

Fünf Jahre sind es nun her, als sich nach einem verheerenden Starkregen braune Fluten ihren Weg durch das im Tal gelegene Unkelbach suchten. Der kleine durch den Ort fließende Bach, der zum reißenden Fluss wurde, voll gespülte Keller, unter Wasser stehende Vorgärten, verschlammte Straßen, mitgerissenes Treibgut und so mancher Schaden an Hab und Gut sind den Menschen in diesem Remagener Stadtteil noch in unguter Erinnerung.

Schnell wurden Rufe nach einem Hochwasserschutzkonzept laut, nach Präventionsmaßnahmen, mit denen das von den Hängen in das Dorf strömende oder das aus dem Bachbett hervorquellende Wasser abgehalten oder zumindest abgeleitet werden kann. Erste Vorschläge stießen auf Ablehnung in der Bevölkerung, weil sie als unzureichend angesehen wurden. Die Stimmung zwischen der Stadtverwaltung und den Unkelbachern war so getrübt, wie das ansonsten glasklare Wasser des Unkelbachs zur Starkregenzeit. Nun gibt es einen neuen Vorschlag.

Bürgermeister stellte die Pläne vor

Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl hatte deshalb zur Bürgerversammlung eingeladen. Es war nicht das erste Treffen der am Hochwasserschutz interessierten Unkelbacher – es war jedoch die erste Open-Air-Informations- und Diskussionsversammlung in der langen Geschichte der Römerstadt überhaupt. Allerdings blieb der Andrang etwas hinter den Erwartungen zurück. Rund 60 Bürger waren auf den Platz des Dorfgemeinschaftshauses gekommen, das Gros der Stühle blieb leer.

Um herauszufinden, wie sich das Wasser angesichts der vorhandenen Topografie bei starkem Regen und ausgelöstem Hochwasser bewegt, hatte das beauftragte Bad Neuenahrer Planungsbüro Berthold Becker ein 2-D-Modell entwickelt, um auf dieser Basis zu prüfen, wie die Wassermengen vom Ort zurückgehalten werden, oder auch abgeleitet werden können.

Ein Vorsorgekonzept war bereits 2018 präsentiert worden, stieß jedoch bei den Bürgern auf wenig Gegenliebe, da sie als Bewohner des Ortes die Gegebenheiten anders bewerteten als die Fachplaner. Das Konzept wurde zunächst in Bausch und Bogen abgelehnt. Oder, wie es das Planungsbüro formulierte, „als unzureichend empfunden“.

Nachbesserung versprochen

Stadtoberhaupt Ingendahl versprach eine Nachbesserung, die er dann auch in Auftrag gab und nun vorstellten ließ. Das Büro Becker fertigte ein Oberflächenabflussmodell sowohl für die Ortslage als auch für das oberhalb liegende Gelände. Ziel: Mit dem Geländemodell soll exakt ermittelt werden, wie sich das Einzugsgebiet des Wassers darstellt und welche Auswirkungen es bei Starkregen auf den Siedlungsbereich hat. Dabei gehen die Fachplaner von Niederschlagsereignissen in unterschiedlichen Stärken und Intensitäten aus, um so alle denkbaren Szenarien zu erfassen.

Zwei Hauptwasseräste fließen auf den Ort zu und werden in normalen Zeiten in zwei vorhandene Verrohrungen geführt, deren Leistungsfähigkeit allerdings begrenzt sind. Sind die Aufnahmekapazitäten erschöpft, sucht sich das Wasser unkontrolliert den Weg oberirdisch quer durch das Dorf. Zur Erinnerung: Beim Starkregen vor fünf Jahren waren es 30 Kubikmeter Wasser, das pro Sekunde unkontrolliert durch Unkelbach schoss.

Rückhaltebecken in Erwägung

Der Bau eines oberhalb von Unkelbach gelegenen Rückhaltebeckens wurde in Erwägung gezogen. Das Planungsbüro riet ob der benötigten Dimensionen ab. Es würde nämlich eine Anlage benötigt, die 60000 Kubikmeter aufnehmen müsste. Also entschloss man sich zu einer „dezentralen Lösung“. Fünf kleinere Becken mit unterschiedlichen Stauhöhen sollen als Barrieren und Rückhalteräume, jeweils an den sich aus dem 2-D-Modell ergebenden neuralgischen Punkten, gebaut werden. Die Planer sind sich sicher, dass eine Reduzierung der in den Ort gelangenden Wassermengen von 60 Prozent erreicht werden kann. „Das hätte schon einen deutlichen Effekt“, so die Experten.