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Genehmigungsverfahren hemmen den Bau von Windkraftanlagen

Windkraftanlagen im Kreis Ahrweiler : Der Windenergie im Kreis geht die Luft aus

Im Kreis Ahrweiler stehen lediglich neun Windkraftanlagen. Aufwendige Prüf- und Genehmigungsverfahren erweisen sich als Hemmschuh für den Bau weiterer Anlagen.

Fast zehn Jahre sind vergangen, seit der Kreis Ahrweiler den Beschluss fasste, den Stromverbrauch bis zum Jahr 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Bereits zum damaligen Zeitpunkt ein ambitionierter Beschluss, der Entschlossenheit signalisierte und deutlich machte, dass man es im Landkreis ernst meint mit der Energiewende, die sehr wohl auch mit dem Einsatz von Windkraft herbeigeführt werden sollte. Allerdings: Lediglich neun Windräder – allesamt nahe Weibern aufgestellt – drehen sich im gesamten Kreisgebiet. dass es nicht mehr sind, liegt insbesondere an einer ausufernden Bürokratie und einem hochkomplexen Genehmigungsverfahren.

Welche Hürden der Aufbau einer Windkraftanlage zu nehmen hat, bevor sich die Rotorblätter in Bewegung setzen können, wurde nun im Kreistag deutlich. Raumordnerische Prüfungen, Nachweise der Abstandsflächen zu Wohnbebauungen, Beeinträchtigungen von Landschaftsbildern, Auswirkungen auf Erholungs- und Freizeitfunktionen, Immissionsschutzuntersuchungen, rechtliche Prüfungen, Natur- und Landschaftsschutzprüfungen, Artenschutzuntersuchungen, Raumnutzungsanalysen: Über Jahre ziehen sich derartige VVerfahren hin, die oftmals zudem noch in aufwendigen Streitverfahren vor Gericht gipfeln. Problem: Viele wollen Windkraft, aber halt nicht in eigener Sichtweite.

Vielfach Initiativen wieder zurückgezogen

Dreizehn denkbare Standorte für Windräder sind im Kreis Ahrweiler eher vage projektiert. Ob in Reifferscheid, Barweiler, Herschbroich, Nürburg, Wiesemscheid, Senscheid, Ramersbach, Remagen oder Sinzig: Konkrete, in absehbarer Zeit umsetzbare Vorhaben sind in Sachen Windräder nicht in Sicht. Entweder erlahmt das Interesse der Projektierer oder eingereichte Unterlagen sind unvollständig. In einigen Fällen ist man in ersten Abstimmungsgesprächen, in anderen wurden ob der zeitraubenden Genehmigungsprozeduren zuvor gezeigte Initiativen einfach wieder zurückgezogen.

Angst vor Nachteilen für den Tourismus

„Wir brauchen hier mehr Bewegung“, meinte Wolfgang Schlagwein (Grüne), Bewegung erzeuge Strom. Die FDP wies indes auf die „Ausnahmelandschaft“ hin, die man angesichts der stark vom Tourismus geprägten Region an Rhein und Ahr nicht gefährdet sehen will. Ulrich van Bebber: „Ich will nicht, dass es hier irgendwann aussieht, wie im Hunsrück.“ Die CDU-Fraktion im Kreistag wies darauf hin, dass man ja durchaus schon auf einem guten Weg sei, um das Ziel, bis 2030 den Stromverbrauch aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, zu erreichen. Beispielsweise durch die verstärkte Nutzung von Sonnenenergie.

Die SPD verteidigte indes die aufwendigen Verfahren bei der Genehmigung von Windanlagen: „Die Belange von Natur- und Umwelt müssen besonders geschützt und sorgfältig geprüft werden“, so SPD-Sprecher Marcel Hürter. Wenig Verständnis für den Prüf- und Genehmigungsmarathon hat indes die FWG, die weniger Bürokratie anmahnte.