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Einsatz für Kinder in Rolandseck: Goldhochzeiter wollen mit Stiftung Gutes für junge Menschen bewirken

Einsatz für Kinder in Rolandseck : Goldhochzeiter wollen mit Stiftung Gutes für junge Menschen bewirken

Hildegard und Karl-Heinz Güttes feiern ihre goldene Gochzeit – und gründen aus diesem Anlass im Bahnhof Rolandseck ihre Jugendhilfe-Stiftung für Bildung und Erziehung.

Mit dem Ort Rolandseck und seinem für die touristische Erschließung unschätzbaren Bahnhof verbinden die Eheleute Hildegard und Karl-Heinz Güttes aus Oberwinter zahlreiche persönliche Erinnerungen.

Zeitgeschichte und Privates machen sich daran fest. Als junges Paar begingen sie dort mit 350 Gästen ihren Polterabend. Nun schließt sich ein Kreis: Im Festsaal des Bahnhofs wird Goldhochzeit gefeiert. Damit nicht genug, gründen die Jubilare zugleich aus Anlass ihres 50. Hochzeitstages am 31. Juli die „Hildegard und Karl-Heinz Güttes Stiftung – Stiftung Jugendhilfe für Bildung und Erziehung“. Die Erträge sollen vielen Bonner Kindern und Jugendlichen zugutekommen, „die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren wurden“.

Der gebürtige Bonner, Jahrgang 1941 und die in Gütersloh 1948 geborene, von einem kleinen Bauernhof stammende Ehefrau haben sich an Weiberfastnacht 1969 in der Bad Godesberger Stadthalle kennengelernt. 1984 bildeten sie selbst das Prinzenpaar in Oberwinter, ihrem Wohnort. Beide waren berufstätig. Er kam 1959 zur Post in Godesberg, wechselte aber vom Schalterdienst 1970 in den Verwaltungsdienst beim Bundesamt für Zivilschutz und war von 1975 bis 2000 Rechnungsprüfer im Gesundheitsministerium. Sie hatte eine kaufmännische Lehre im damaligen Kyffhäuserheim in Rolandseck absolviert und arbeitete 15 Jahre lang als Buchhalterin bei der Deutschen Kreditbank für Baufinanzierung.

Über viele Jahrzehnte führten sie zudem einen Weinhandel, der sich ungeplant aus einem erfolgreichen Briefmarkenverkauf entwickelte. Für den Transport wurde eine gebrauchte Isetta angeschafft und später die eigene Weingroßhandlung angemeldet. Auf dem Parkplatz ihrer einstigen Gastwirtschaft steht heute das Wohnhaus des Jubelpaars.

Viel hat es im Leben gemeinsam erreicht, auch für andere. Der Jubilar, ideenreicher Macher mit Organisationstalent, gründete 1999 als Betroffener den Verein „Rastlose Beine Restless Legs“. Unter seinem Vorsitz trug er dazu bei, über die unbeachtete Erkrankung in Deutschland aufzuklären und Patientenrechte einzufordern. Ziel erreicht, hieß es vor fünf Jahren, sodass sich die Selbsthilfegruppe auflöste.

1984 gab das Paar einen Privatempfang mit Hannelore Kohl zugunsten deren ZNS-Hilfsorganisation. Seither haben die Oberwinterer sozial gewirkt, insbesondere und teils anhaltend Einrichtungen zum Kindeswohl unterstützt in Bonn, Bad Godesberg, Hirschaid bei Bamberg, in München-Großhadern, ein Kinderprojekt in Kroatien und die „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks. Selbst kinderlos, sind die Güttes indes überzeugt: „Kinder sind unser Kapital, diese Kinder brauchen Hilfe und Schutz.“ Hildegard Güttes trägt die Pläne ihres Mannes voll mit. „Ohne sie wäre ich nichts“, weiß er seiner Frau Dank, die fürs Geschäft wie fürs soziale Engagement stets die gesamte Büroarbeit übernahm.

Als 2018 die historische Lithografie „Corps Borussia auf der Terrasse des Bahnhofs Rolandseck“ für das Arp Museum Bahnhof Rolandseck angekauft wurde, spendeten die Jubilare den Erlös wieder an Kinderprojekte. Peter Schonauer, der Großvater von Karl-Heinz Güttes, hatte die Grafik 1926, als er zum Bahnhofsvorsteher ernannt wurde, für sein Büro, den Nordraum des Bahnhofs, erworben. Bis 1959 bekleidete er den Posten. Vorher, von 1944 bis 1945, hatte Güttes als Kind mit 180 weiteren Personen im Bahnhofskeller, heute Museumseingang, gelebt, um vor Bombenangriffen geschützt zu sein.

Im fortgeschrittenen Alter wollen die Goldhochzeiter Hildegard und Karl-Heinz Güttes vorsorgen „dass auch nach unserem Hinscheiden unser Vermögen Gutes bewirken kann für junge Menschen“. Unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn, sehen sie ihr Anliegen bestens aufgehoben.