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Projekt "Frankensiedlung": Auf dem Areal befand sich eine Außenstelle des KZ Buchenwald

Projekt "Frankensiedlung" : Auf dem Areal befand sich eine Außenstelle des KZ Buchenwald

Das Projekt "Frankensiedlung" auf dem Areal am Eingang des früheren Regierungsbunkers in Marienthal droht zu scheitern. Nun wurden nämlich Bedenken laut, weil sich auf dem Gelände einst das KZ "Rebstock" befunden hatte, eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald.

400 Zwangsarbeiter aus zwölf Nationen mussten dort in den unterirdischen Tunneln der nie fertiggestellten Bahnlinie zwischen Ahrweiler und Dernau unter schlimmsten Bedingungen Zubehör für die "Wunderwaffe" V2 produzieren. Eine kaum wahrzunehmende Gedenktafel erinnert an das Leid der KZ-Insassen.

Seit einigen Monaten bemüht sich der Grafschafter Verein Nithrindorp um das am Westportal des Kuxbergtunnels gelegene bundeseigene Grundstück, um dort nach historischem Vorbild eine kleine Frankensiedlung zu errichten, die zum touristischen Magneten werden soll. Verhandlungen, das Freilichtmuseum woanders unterzubringen, waren zuvor gescheitert. Nach langem Hin und Her schien man sich mit dem Bund als Verkäufer so gut wie einig zu sein: Die Initiatoren der Frankensiedlung hielten bereits ein erstes Zeltlager auf dem Areal ab.

Dass nun kurz vor dem Abschluss des Kaufvertrages zwischen dem Bund und dem Verein Frankensiedlung plötzlich am Rande einer Brauchtumsveranstaltung auf die dunkle Vorgeschichte des Geländes aufmerksam gemacht wird und nicht früher, überrascht. Das Projekt dürfte damit zumindest an dieser Stelle gestorben sein. Denn das auf der Fläche, auf der einst Arbeitersklaven in Baracken und hinter Stacheldraht gehalten und von brutalen SS-Männern bewacht wurden, des germanischen Kriegervolks und Großstamms erinnert wird, dürfte schon alleine aus Erwägungen allgemeiner politischer Hygiene ausgeschlossen sein.

"Ich bin völlig runter mit den Nerven", so ein zerknirschter Mathias Heeb. Er hat maßgeblich das Projekt "Frankensiedlung" betrieben und gilt als engagierter Motor des Vorhabens. Am vergangenen Wochenende sei das Thema erstmals aufgekommen. Er selbst habe nicht gewusst, dass sich auf dem Grundstück einmal ein Konzentrationslager befunden habe. "Ich weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll", sagte er dem General-Anzeiger.

In der kommenden Sitzung des Rates der Gemeinde Grafschaft am Donnerstag, 20. Juni, sollte eigentlich grünes Licht für das Frankendorf am Eingang des Regierungsbunkers gegeben werden. Statt grünes Licht wird es nun wohl eher ein rotes geben. Grafschafts Bürgermeister Achim Juchem: "Wir müssen neu nachdenken." Auch er sei von der neuen Entwicklung völlig überrascht. Die Existenz der ehemaligen KZ-Außenstelle "Rebstock" oberhalb von Marienthal sei ihm bislang ebenso wenig bekannt gewesen wie Heeb. Dass es nun Diskussionen geben werde, schloss Juchem nicht aus.

1943 wurde der Eisenbahntunnel von der Rüstungsindustrie als "kriegswichtig" eingestuft und zum Zubehörbau der V2 (V stand für Vergeltung) genutzt, da der Tunnel Deckung vor Luftangriffen bot. Die angebliche "Wunderwaffe" kam ab September 1944 zum Einsatz. KZ-Häftlinge wurden damals als Arbeitskräfte der Industrie vermietet. Der Kommandant des KZ "Rebstock", Schmidt, galt als besonders brutal und menschenverachtend. Wie Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismus an der TU Berlin in einem Beitrag zum Buch "Der Regierungsbunker" schrieb, nannte man ihn auch "Knochenschmidt". Er soll Häftlinge auf bestialische Weise misshandelt haben.

Jörg Diester, Mitarbeiter der Dokumentationsstätte "Regierungsbunker", hatte am Samstag in einem offenen Briefentwurf, der inzwischen wieder zurückgezogen wurde, geschrieben: "Wir bitten alle Beteiligten um eine sofortige Einstellung der Planungen." Im verantwortungsvollen Umgang mit der Geschichte dieses Ortes "sollte es selbstverständlich erscheinen, sofort alle Überlegungen zur Umnutzung einzustellen". Wie Diester dem GA mitteilte, habe die Dokumentationsstätte dem Bund inzwischen ein Nutzungskonzept für das Grundstück vorgelegt. Der Trägerverein Alt-Ahrweiler hingegen erklärte: "Wir sind nicht involviert."