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Hohe Einbruchszahl in Gelsdorf: Bürger laufen Streife

Hohe Einbruchszahl in Gelsdorf : Bürger laufen Streife

Elf Wohnungseinbrüche oder Einbruchsversuche in eineinhalb Jahren, damit steht Gelsdorf an der Spitze einer traurigen Statistik auf der Grafschaft.

Den Bürgern reicht es nun, sie wollen künftig selbst auf Streife gehen und so vermeintliche Täter gezielt abschrecken. Vorbild der Aktion sind die Streifen in Esch. Seitdem hier wachsame Bürger unterwegs sind, hat es keinen einzigen Einbruchsfall mehr gegeben.

Rund drei Dutzend Gelsdorfer Bürger hatten sich am Montag zu einer Planungsversammlung im Dorfgemeinschaftshaus getroffen, ein Drittel von ihnen war selbst schon Einbruchsopfer. Eingeladen hatte Arno Dielmann, auch er hatte vor Jahren unerwünschten Besuch erhalten und dann eine Alarmanlage installiert.

Jetzt steht er an der Spitze der wachsamen Bürger, deren Aktion volle Zustimmung bei der Polizei findet, wie der Leiter der Kripo und des Bezirksdienstes der Polizeiinspektion Bad Neuenahr-Ahrweiler, Wilfried Manheller, unterstrich. Man wolle allerdings keine Hilfssheriffs und keine uniformierten Truppen, betonte Manheller. Vielmehr würde schon die reine Präsenz und das wachsame Auge der Bürger Kriminelle abschrecken.

Manheller sparte nicht mit Tipps und ermutigte die Gelsdorfer auch, bei verdächtigen Beobachtungen sofort die Polizei zu informieren. "Schreiben Sie sich Kennzeichen verdächtiger Fahrzeuge auf und lassen Sie die Personen auch sehen, dass Sie das notieren", so der Kripo-Beamte. Er sieht in den Tätern in erster Linie reisende Personen, die quer durch die Republik unterwegs seien. Die Nähe zur Autobahn mit eigener Auffahrt mache Gelsdorf als "Einfallstor zur Grafschaft" zum idealen Ziel der Einbrecher.

Die waren bislang vor allen Dingen in den östlichen Bereichen des Ortes auf Beutejagd, von hierher kamen auch die allermeisten Besucher des Abends. "Ich hätte mir noch mehr Leute aus den anderen Ortsbereichen gewünscht, damit die Rundgänge nicht irgendwann zur Belastung der Menschen werden. Je mehr, desto besser."

Immerhin rund zehn Streifengruppen fanden sich zusammen, die künftig auf zwei verschiedenen Routen zu unterschiedlichsten Tageszeiten durch den Ort gehen und getreu der Initiative "Nachbarn schützen Nachbarn" auch hinter den Häusern nach dem Rechten sehen wollen.

Die meisten Objekte wurden von den Einbrechern nämlich über die rückwärtige Seite angegangen. Nach den Sommerferien sollen die Rundgänge beginnen, die mit Beginn der dunklen Jahreszeit noch einmal ausgedehnt werden.

"Die Bevölkerung ist enger zusammengerückt"

Gute Tipps gab es bei der Veranstaltung auch von Elke Wolber, die den wachsamen Escher Nachbarn vorsteht. Sie berichtete über die Aktivitäten der Streifengänger, über Beschilderungen zum Thema Einbruchsschutz und über die Vernetzung untereinander und mit den wachsamen Bürgern aus Vettelhoven, wo auch Streifen unterwegs sind.

Mittels Handy sei man schnellstens auf dem Laufenden und erfahre auch, wer wann und wo unterwegs sei, erklärte Wolber. Der These, es handele sich bei den Tätern ausschließlich um reisende Verbrecher, widersprach die Escherin allerdings. "Es gibt meines Erachtens zumindest Leute, die die Täter informieren, dass in Esch patrouilliert wird."

Die hohe Medienpräsenz zu Beginn der Aktion habe ebenfalls dazu beigetragen, dass Einbrecher den Ort nun meiden würden. Und noch ein positiver Aspekt aus Esch: "Die Bevölkerung ist enger zusammengerückt, Neubürger werden wesentlich schneller ins Dorfleben integriert."