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Nierendorf: Bürgermeister Achim Juchem bittet zur Abstimmung

Nierendorf : Bürgermeister Achim Juchem bittet zur Abstimmung

Nierendorf ist ein kleiner idyllischer Ort mit gemütlichen Bürgern. Wenn es aber um eine groß angelegte Baumabholzaktion geht, dann ist es vorbei mit der bürgerlichen Ruhe. 52 Bäume stehen im Herrenwiesenring, im Akazienweg und in der Straße Am Seifen zur Disposition.

Das im Herbst anfallende Laub, durch Wurzelwerk entstandene Pflasterschäden oder auch der von den Bäumen verursachte Schattenwurf haben zu Bürgeranträgen geführt. Die einen fordern die Entfernung der Bäume, andere treten für deren Erhalt ein.

Grafschafts Bürgermeister Achim Juchem rief nun zur Bürgerversammlung: Die Nierendorfer sollen ihre Meinung und ein Votum abgeben. Immerhin haben die Anlieger durch ihre damaligen Erschließungsbeiträge 90 Prozent bezahlt. Juchem: "Es sind quasi Ihre Bäume", rief er der Versammlung zu. Die letzte Entscheidung zwischen Baum und Borke freilich obliegt Ortsbeirat und Gemeinderat.

Eine Baumschutzkommission hatte sich vor Wochen auf den Weg gemacht und die Straßenbäume unter die Lupe genommen. Dabei kam das Gremium zu dem Ergebnis, dass lediglich drei Bäume wirklich krank sind und dringend entfernt werden müssen. Das Gros sei gesund und in gutem Zustand, einige seien jedoch "angegriffen".

Dies sei nicht zuletzt auf den Umstand zurückzuführen, dass die Baumpflanzbeete bei ihrer damaligen Anlage zu klein dimensioniert gewesen sind. Ein Erdvolumen von zumindest zwölf Kubikmeter sei erforderlich, um einen Baum auch wirklich zur Blüte und zur Entfaltung zu bringen, so Fachleute. Dies auf einer Grundfläche von mindestens acht Quadratmetern. Diese Voraussetzungen erfüllt aber keines der vorhandenen Beete. Deshalb soll es tunlichst zu den Neupflanzungen kommen. Die Bürger mögen das nicht so recht einsehen.

Bevor es zu den Abholzungen kommt, sollen sie wenigstens mit darüber abstimmen, wie eine etwaige Neubepflanzung aussehen könnte. Gedacht ist an Baum- und Strauchwerk, das eher für die vorhandenen Erdlöcher geeignet ist und dessen Wurzelwerk in die Tiefe und nicht in die Breite geht. Die Winterlinde "Rancho", die Felsenbirne, Liguster oder der Sommerflieder waren da Beispiele, die in der wenig emotionsreichen Bürgerversammlung präsentiert wurden.

SPD-Vorsitzender Udo Klein möchte gerne alles beim Alten belassen. "Das ist doch ein Schildbürgerstreich", kommentierte er die denkbare Fällaktion gegenüber dem GA. Achim Juchem sieht das anders: "Entschieden ist gar nichts. Wir sind vielmehr unter Beteiligung der Bürger in einem Entscheidungsprozess."

Anfang des neuen Jahres sollen nun erst einmal die schriftlich dokumentierten Vorstellungen der Nierendorfer ausgewertet werden, dann berät der Ortsbeirat, dann der Gemeinderat, und erst dann steht eine Entscheidung an.