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Frankensiedlung in Nierendorf: Der Rat weiß von nichts

Frankensiedlung in Nierendorf : Der Rat weiß von nichts

Irritiert zeigte sich der Rat der Gemeinde Grafschaft in seiner jüngsten Sitzung ob der jüngste veröffentlichten Pläne zur Errichtung einer Frankensiedlung auf einem 12.000 Quadratmeter großen Areal zwischen Birresdorf und Nierendorf.

Auch zahlreiche Grafschafter hatten sich nach der Vorstellung der Pläne im General-Anzeiger an Bürgermeister Achim Juchem gewandt und hatten angefragt, ob der Bau der frühmittelalterlichen Siedlung nun beschlossene Sache sei.

Allgemein wird befürchtet, dass der Nachbau eines Frankendorfes mit Wohnhäusern, Gruben- und Badehaus, Schmiede, Weberei oder Töpferei so viele Besucher anlocken könnte, dass Verkehrsprobleme zwischen Birresdorf und Nierendorf nicht auszuschließen seien.

Bürgermeister Achim Juchem machte im Rat deutlich, dass es sich lediglich um ein vom Grafschafter Verein "Frankensiedlung Nithrindorp" anvisiertes Projekt handele, das bislang nicht in den zuständigen Gremien behandelt worden sei. Insbesondere gebe es keinen Bauantrag. Der aber sei erforderlich, zumal auf der Freifläche, auf der die Siedlung entstehen soll, gar kein Bauplanungsrecht vorliege. Mindestens zwei Jahre, so Achim Juchem, müssten veranschlagt werden, ehe - wenn überhaupt - Baurecht geschaffen sei. "Das bedeutet ganz konkret, dass in einem aufwendigen, mehrstufigen und kostenintensiven Verfahren zunächst der Flächennutzungsplan der Gemeinde geändert und dann mit Blick auf die Frankensiedlung ein Bebauungsplan erlassen werden muss", erklärte Juchem das Prozedere.

Es sei vorgeschrieben und zudem selbstverständlich, dass dann auch Umweltverbände, Fachbehörden sowie die Öffentlichkeit, insbesondere die Anlieger, beteiligt würden. Der Gemeinderat der vergangenen Legislatur hatte das Vorhaben des Vereins Nithrindorp grundsätzlich begrüßt. "Der aktuelle Rat hat sich mit dem Thema bislang allerdings noch gar nicht befasst, weil kein Antrag vorliegt", führte Juchem aus. "Uns liegen noch keine Unterlagen auf dem Tisch", sagte das Gemeindeoberhaupt.

Sowohl die Bearbeitung der Frage einer Erschließung des Areals, der Verkehrsführung oder auch der Schaffung von Parkplätzen erfordere einen erheblichen Aufwand und führe zu Kosten, so der Bürgermeister. Diese Kosten seien jedoch nicht von der Gemeinde, sondern in diesem Fall vom Verein "Frankensiedlung" zu begleichen.

Unter dem Strich befinde sich das Projekt - auch wenn bereits seit Jahren hierüber mit wechselnden Standorten gesprochen werde - für den neuen Standort zwischen Birresdorf und Nierendorf in der Anfangsphase mit offenem Ausgang.

In der Einwohnerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte es gleich mehrere Anfragen zur geplanten Frankensiedlung gegeben. Wohlwollend war keine. Satt dessen wurde von einem "Wahnsinnsprojekt" gesprochen, das man am besten "auf dem Mond errichtet". Alleine in Birresdorf unterzeichneten 27 Bürger einen Brief gegen das Vorhaben.