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Neue Elterninitiative für Klimapolitik: Erste Aktionen von Parents For Future

Neue Elterninitiative für Klimapolitik : Erste Aktionen von Parents For Future

Eine Ortsgruppe der noch jungen, klimapolitischen Parents for Future-Bewegung hat sich in Grafschaft gegründet. Die engagierten Eltern wollen sich mit Briefen an hohe Politiker und Aktionen vor Ort für die Klimaziele einsetzen.

Rund zweieinhalb Jahre ist es nun her, als die junge Greta Thunberg begann, regelmäßig vor dem schwedischen Reichstag ihren „Skolstrejk för klimatet“ durchzuführen, aus dem die weltweite FridaysForFuture-Bewegung entstand. Seither sind zahlreiche weitere „ForFuture“-Bewegungen entstanden. Eltern der Schüler, die für die Klimarettung auf die Straße gehen, engagieren sich als „ParentsForFuture (P4F).“

In der Grafschaft hat sich nun auch eine solche Ortsgruppe gegründet und plant aktuell erste Aktionen. „Entstanden ist das Ganze in Gelsdorf, wo einige Eltern vor Schule und Kindergarten miteinander ins Gespräch kamen“, erzählt Axel Bend, der in der noch ziemlich anonym wirkenden Gruppe mit seiner Adresse als Ansprechpartner steht. Zusammen mit seiner Frau, der Biologin Dr. Jutta Bend, gehört Bend zu den Mitbegründern der Gruppe, die sich als „Gruppe von Eltern, Großeltern und anderen erwachsenen Menschen, die in Solidarität zur FridaysForFuture Bewegung stehen“, bezeichnet. Organisiert sind die Klimaschützer dabei außerhalb jeglicher Vereinsstrukturen. Es gibt keinen Vorstand, keine Ämter, keinen Beitrag. „Das ist eher einer Graswurzelbewegung gleichzusetzen“, so Bend. Er freut sich, dass sich nach den Mitbegründern aus Gelsdorf nun auch erste Interessenten aus anderen Grafschafter Orten gemeldet haben, um bei den Grafschafter „ParentsForFuture“ mitzuwirken.

Online-Konferenz zum Ausloten

In der vergangenen Woche vereinbarte man sich zu einer Online-Konferenz, um auszuloten, wie man als Ortsgruppe auch gerade in Corona-Zeiten aktiv werden kann. Zwei Themen hat man dabei ausgesucht. Zum einen will die Gruppe mit lokalen PFF-Gruppen aus der Umgebung zusammen hingehen, um Schreiben an die örtlichen Politiker formulieren, die bei den anstehenden Bundestagswahlen für einen Sitz im Bundestag der kommenden Legislaturperiode kandidieren. „Von ihnen wollen wir erfragen, wie ihre ganz persönlichen Meinungen, Aktivitäten und Ziele hinsichtlich der Umsetzung der Klimaziele sind.“ Solche Schreiben könnten nicht nur aus den Reihen der Eltern kommen, auch die Schulkinder könnten die Politiker aus ihrem Wahlkreis gezielt anschreiben. Schließlich sind die ParentsForFuture auch angetreten, um den fürs Klima engagierten Schüler Hilfestellungen zu geben. „Unser Ziel ist es, den Jugendlichen in ihrem Anliegen für eine konsequente Klima- und Umweltschutzpolitik Rückhalt zu bieten und den Fokus der öffentlichen Debatte auf ihre berechtigten Forderungen zu lenken“, sagt Felicitas Schlitz, eine der Mitgründerinnen, zu den Zielen der Grafschaft P4F-Gruppe. Engere Kontakte haben die Grafschafter bereits zu den P4F-Gruppen in Swisttal und in Bonn geknüpft.

In einer weiteren Aktion plant man Informationsveranstaltungen, bei denen Haus- und Wohnungsbesitzer zu Gedanken über den Wechsel des Stromanbieters angeregt werden sollen. Konkret geht es dabei um die Anbieter und die Informationen, ob die es tatsächlich ernst mit dem Klimawandel meinen oder ob es sich bei Anbietern lediglich um Ableger der etablierten Stromriesen handelt. Die Möglichkeiten, hier Informationen zu streuen, sind vielfältig. Axel Bend nennt nicht nur Informationsveranstaltungen vor Ort, die in der aktuellen Pandemie nur schwer vorstellbar sind. Die Gruppe will Medien und soziale Medien nutzen. Verbraucher werden gebeten, ihre Erfahrungen und darauf aufbauende Ratschläge weiterzugeben, Experten sollen zu Wort kommen. Ziel ist die Bildung eines großen Netzwerks, dass eine möglichst große Zahl von Menschen erreichen soll.

Prinzip der Umweltbewegung

Im Sinne des alten Prinzips der Umweltbewegung, „Global denken, lokal handeln“, wollen die Grafschafter ParentsForFuture die Menschen vor Ort für die wichtigen Anliegen, wie die Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles, die Umsetzung der Klimagerechtigkeitskriterien des Pariser Abkommens und den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kohleverstromung sensibilisieren und Handlungsmöglichkeiten für jedermann aufzeigen. „Auch auf lokaler Ebene muss jede politische Entscheidung auf ihre Auswirkungen auf das Klima hin überprüft werden, denn mit dem Klima kann man nicht verhandeln“, betont die Jutta Bend die faktenbasierte Wissenschaftsorientierung der Bewegung.

„Ein Anfang ist gemacht und wir freuen uns über alle, die sich für eine selbstbestimmte und lebenswerte Zukunft einsetzen wollen. Alle, die sich davon angesprochen fühlen, sind herzlich eingeladen, natürlich unabhängig davon, ob jemand selbst Kinder hat oder nicht“, ergänzt Axel Bend, der bereits auf der Suche nach neuen Themen für die Grafschafter ParentsForFuture ist. Eines davon könnten nachhaltige Geldanlagen sein.