1. Region
  2. Ahr & Rhein
  3. Grafschaft

Grafschaft: Großübung der Freiwilligen Feuerwehr bei Haribo

Freiwillige Feuerwehr : Großübung bei Haribo auf der Grafschaft

Die Freiwillige Feuerwehr ist am Freitagabend auf die Grafschaft ausgerückt: Etliche Sirenen und zahlreiche Löschgruppen leiteten eine Großübung auf dem Haribo-Gelände ein.

Großalarm im Innovationspark Rheinland: Am Freitagabend ertönten in fast allen Grafschafter Orten zum Teil mehrmals die Feuersirenen und riefen zahlreiche Löschgruppen zum Süßwarenhersteller Haribo. Dort wurden ein Brand simuliert und eine Person vermisst.

Im Verlauf der Übung gesellten sich zwei weitere völlig voneinander unabhängige Unglücke dazu. Stress für die Blaulichtfamilie, den die Drehbuchautoren von Feuerwehrleitung und dem Team des vorbeugenden Brandschutzes bei Haribo bewusst gewollt hatten. Es galt zu sehen, wie die Retter mit einer solch komplexen Lage zurechtkommen.

Das erste Fazit von Wehrleiter Achim Klein und Haribo-Werkleiter Stefan Schulz klang positiv, allerdings wird die komplette Übung nun aufgearbeitet. „Das wäre ja traurig, wenn alles so klappen würde, dass wir nichts zu verbessern hätten“, sagte Klein.

Dabei begann der Freitagabend entspannt. In Ringen bereitete sich die Wehr auf die Begleitung des Martinszuges vor, als um 16.55 Uhr Sirenenalarm für den Ausrückbereich Mittlere Grafschaft mit den Wehren in Leimersdorf, Lantershofen und Ringen ausgelöst wurde. Da die Ringener Wehr eh im Spritzenhaus war, dauerte es nur sechs Minuten, ehe das erste Fahrzeug an der Pforte des Gummibärchen-Produzenten ankam.

 Moderne Digitaltechnik im Einsatz: Die Drohne schickt Livebilder, sodass die Retter sich ein Lagebild machen können.
Moderne Digitaltechnik im Einsatz: Die Drohne schickt Livebilder, sodass die Retter sich ein Lagebild machen können. Foto: ahr-foto

Auch dort war nur ein kleiner Stab in das Szenario eingeweiht. Beim Blick auf das Tableau der Brandmeldeanlage stellte Löschgruppenführer Carsten Schmitt, der die Einsatzleitung übernahm, fest: Es hat nicht nur die Sprinkleranlage im Pumpenhaus ausgelöst, es wurde auch ein Handknopfmelder betätigt, was nur ein Mensch machen kann. Für Schmitt als Einsatzleiter Grund genug, wegen Brand und möglicher Menschenrettung Nachalarmierung auszulösen.

Auch bei Haribo herrschte gespannte Stimmung, Burkhard Zyber als Abteilungsleiter der Unternehmenskommunikation informierte den hausinternen Krisenstab. Mit dem Eintreffen weiterer Kräfte übernahm Dieter Hilberath die Einsatzleitung, da Wehrleiter Achim Klein „offiziell“ nicht vor Ort war. Mittlerweile wurde die vermisste Person gefunden und an den Rettungsdienst übergeben.

Derweil passierte es an ganz anderer Stelle: Im Hochregallager stellte ein Mitarbeiter des Betreibers SSI Schäfer einen bei Wartungsarbeiten verunfallten Kollegen fest, der in einer Höhe von 15 Metern regungslos lag. Ein Fall für die nun alarmierte Absturzsicherung der Grafschafter Wehr. Die machte sich auf, die verunfallte Person zu bergen und mit einer Schleifkorbtrage aus ihrer misslichen Lage in großer Höhe zu retten und aus den Regalhöhen abzulassen. In der Trage lag eine Puppe, was den Stress bei den Wehrleuten und Rotkreuzlern ein wenig absinken ließ.

Aber der Blutdruck stieg nur wenige Augenblicke später wieder an, war doch ein Fahrzeug auf einem der Mitarbeiterparkplätze mit hoher Geschwindigkeit auf den Bordstein gefahren und umgekippt. Der Fahrer lag regungslos im Auto.

„Jetzt haben wir auch noch einen richtigen Einsatz“, hörte man vor Ort in den Reihen der Kameraden förmlich den Adrenalinspiegel steigen. Wieder heulten in der Grafschaft die Sirenen. Um zu erkunden, wo der Unfall überhaupt passiert war, ließ das Deutsche Rote Kreuz eine Drohne starten, die die Parkplätze absuchte und das auf der Seite liegende Fahrzeug unweit des werkseigenen Hubschrauberlandeplatzes fand. Vor Ort trafen nach und nach mehr Rettungskräfte ein, ein Notarzt befahl die Crashrettung der bewusstlosen Person. Das Dach wurde aufgetrennt und allmählich konnte der Verunfallte erreicht und geborgen werden. Es handelte sich nicht um eine Puppe, das Szenario wirkte täuschend echt. Der Unfallfahrer wurde, wie die beiden anderen „Verletzten“ auch, dem Rettungsdienst übergeben und die Übung beendet.

 Zu allem Überfluss wird eine Person im Pkw eingeklemmt.
Zu allem Überfluss wird eine Person im Pkw eingeklemmt. Foto: ahr-foto

Übung bei laufendem Produktionsbetrieb

„Das ist gut gelaufen“, war die erste Reaktion von Stefan Schulz. Man habe jedoch Dinge zur Verbesserung erkannt, kündigte der Werkleiter eine interne Aufarbeitung der Übung an. „Wir wollen daran feilen, wie man besser werden kann, und wenn es sich nur um Kleinigkeiten handelt“, so Schulz, der der Grafschafter Wehr und dem Roten Kreuz explizit seinen Dank für die bisher immer gute Zusammenarbeit aussprach, die man mit den Jahren auch aufgrund zahlreicher Einsätze durch ausgelöste Brandmeldeanalgen gemeinsam erlebte.

Der Werkleiter freute sich nicht nur über regen Austausch, er bot weitere Übungen an, was Grafschafts Bürgermeister Achim Juchem gerne aufnahm. Juchem sprach vom großen Aufwand der Übung, die bei laufendem Produktionsbetrieb durchgeführt werden konnte.

Seitens Haribo wurde die Abarbeitung der drei Szenarien ebenso beobachtet wie dies auch die Wehr und der Gemeinderat taten, der letztendlich für die Ausstattung der Feuerwehr verantwortlich ist. Für die Grafschafter Wehr schauten sich Achim Klein, Patrick Bröcker und Karl-Heinz Schäfer die Einsätze ab. Beobachter für den Gemeinrat waren Wolfgang Reuß sowie Martina und Hubert Münch.