Großer Andrang bei Sondersitzung Grafschafter Rat schnürt Paket zum Hochwasserschutz

Grafschaft · Mobile Dämme, Hilfsgelder und ein Runder Tisch: Der Grafschafter Gemeinderat hat in einer Sondersitzung ein umfassendes Paket zum Hochwasserschutz geschnürt.

 Dutzende Zuhörer drängten am Mittwoch in die Ratssitzung in Ringen. Viele mussten vor der Tür stehenbleiben.

Dutzende Zuhörer drängten am Mittwoch in die Ratssitzung in Ringen. Viele mussten vor der Tür stehenbleiben.

Foto: General-Anzeiger Bonn GmbH

In einer von Grünen und FWG beantragten Sondersitzung im Nachgang zum Starkregenereignis vom 2. Mai hat der Grafschafter Gemeinderat Fakten in Sachen Hochwasserschutz geschaffen. Endlich – dürften sich dutzende Bürger im und vor dem proppenvollen Ringener Ratssaal gedacht haben.

Eigentlich beschäftigen sich Politik und Verwaltung in der Grafschaft seit vielen Jahren mit Hochwasserschutz. Es gibt sogar ein Konzept mit mehr als 100 beschriebenen Einzelmaßnahmen, von denen bislang aber in erster Linie nur kleinere Dinge umgesetzt wurden. Über eine Priorisierung wird seit Jahren nur geredet. Klaus Huse (CDU) war sich in seiner letzten Sitzung als Ratsmitglied nicht zu schade, eine ernüchternde Bilanz in Sachen Hochwasserschutz zu ziehen: „Im Rat wurde viel geredet und es hat sich nichts getan. Wir haben selbst einfachste Dinge nicht im Blick gehabt“, so Huse. Immerhin habe sich der Rat nun weit aus dem Fenster gelehnt, forderte der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Huse die anwesenden Bürger auf, die Umsetzung der nun einstimmig gefassten Beschlüsse zu beobachten und zu hinterfragen.

50.000 Euro für Betroffene

Es ist ein ganzes Paket, dass da in Ringen verankert wurde. Bezüglich des aktuellen Starkregen-Ereignisses werden Bürgern, deren Wohnraum Wasserschäden aufweist, mit Hilfsgeldern unterstützt, dafür stellt der Rat 50.000 Euro bereit. Bislang wurden fünf Fälle bekannt, bei denen das Wasser am 2. Mai in den Wohnraum eindrang. Ein Spendenkonto wird nicht eingerichtet, Hilfsgelder werden je nach Schaden und Versicherungsstatus berechnet und aus dem Haushalt ausgezahlt.

Auf gemeinsamen Antrag von CDU, SPD und FDP hin sollen mobile Hochwasserschutzanlagen für Bereiche, die immer wieder überflutet werden, angeschafft werden. Die Wehren kennen solche Bereiche, wobei Wehrleiter Achim Klein deutlich machte, dass der Schutz eines Bereiches durchaus negative Folgen für Bereiche darunter haben könnte. Genau das könnten die Wehren aber nicht einschätzen. Hier seien Fachleute gefragt, was auch für die individuelle Wahl von Schutzmaßnahmen je nach gefährdetem Bereich gelte.

Anwohner helfen bei Aufbau mit

Klar müsse auch sein, wer ein Schutzsystem auf- und abbaut, da die Wehren bei Starkregen mit anderen Maßnahmen beschäftigt sind, führte Eckendorfs Ortsvorsteher Johannes Jung aus. Er ist zugleich stellvertretender Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises Ahrweiler. Die Eckendorfer Wehr hat ein solches Schutzsystem, bei dessen Aufbau Anwohner mithelfen.

Ebenfalls Zustimmung erhielt der Vorstoß von FWG und Grünen, in der kommenden Legislaturperiode einen Runden Tisch zum Thema Hochwasserschutz einzurichten. Dort sollen Vertreter aus Politik, Bürgerschaft, Wehren, Landwirtschaft, Naturschutz und weitere Fachleute konkret über Maßnahmen beraten. Einig war sich der Rat, dass nicht erst große und umfassende Konzepte erarbeitet werden sollen, es bedarf viel mehr der Umsetzung von Lösungen, sobald diese erstellt sind. „Wir müssen mit vielen Dingen schneller werden“, äußerte sich Lothar Barth (FWG). Allerdings dürfe es dabei nicht zu unüberlegten Hauruck-Aktionen kommen, so Richard Horn (CDU).