Hochwasserschutz im Kreis Ahrweiler So hält ein mobiler Damm das Hochwasser von Eckendorf fern

Eckendorf · Im Grafschafter Ort Eckendorf kann binnen kurzer Zeit ein innovatives Schlauchsystem errichtet werden. Das Wasser des Swistbachs wird in den Außenbereich geleitet. Dabei hatte die Gemeinde das System abgelehnt.

Dieser mobile Damm hat sich auch beim jüngsten Starkregen in Eckendorf wieder bewährt.

Dieser mobile Damm hat sich auch beim jüngsten Starkregen in Eckendorf wieder bewährt.

Foto: Johannes Jung

Wenn der Swistbach in Eckendorf über die Ufer tritt, dann passiert das an der Lappsgasse und in der Scheidtstraße. Der Bach fließt östlich am Ort parallel zur Lappsgasse entlang und unterquert dann die Kreisstraße. Dort wurde beim Auflegen einer neuen Brücke das alte Brückenbauwerk nicht entfernt. Die Folge: bei Starkregen ist der Durchlass zu gering, das Wasser sucht sich den Weg auf die Straße und von dort aus in die tief gelegene Wohnbebauung. Im Juni 2016 gab es dort bereits enorme Schäden, in deren Folge sich zwar Häuslebesitzer mit baulichen Maßnahmen vor neuerlichem Wasser schützten. Kommt dieses nun aber wieder, sind die Nachbargrundstücke umso mehr gefährdet.

 Eckendorfs Ortsvorsteher Johannes Jung ist auch stellvertretender Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Landkreises Ahrweiler.

Eckendorfs Ortsvorsteher Johannes Jung ist auch stellvertretender Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Landkreises Ahrweiler.

Foto: ahr-foto

Dabei wäre es ein Einfaches, mittels eines mobilen Damms das Wasser nach Osten in die Wiesen abzuleiten, wo kein Schaden angerichtet werden kann. „Wir brauchen dazu nur einen mobilen Damm von rund 50 Metern Länge“, erklärt Ortsvorsteher Johannes Jung. Er war auch Chef der örtlichen Feuerwehr und ist seit Kurzem stellvertretender Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Landkreises Ahrweiler. Jung weiß also, wovon er redet.

Und wie der Zufall es will, erfuhr er nach dem Unwetter von 2016, dass in seiner unmittelbaren Nachbarschaft eine Familie wohnt, die sich beruflich mit Hochwasserschutz beschäftigt. Nachbar Philipp Rader nämlich ist Verwaltungsrat einer Schweizer Hochwasserschutz AG. Die wiederum hat ein Schlauchsystem entwickelt, bei dem ein rund einen Meter hoher Schlauch verlegt und mit Wasser gefüllt wird. Daneben liegt ein zweiter Schlauch, beide geben sich Stabilität.

Durch das Gewicht des Wassers füllen die Schläuche Unebenheiten aus, wie sie beispielsweise eine Bordsteinkante bildet. „Alles ist dicht, könnte sogar noch durch einen dritten Schlauch in der Mitte auf beiden Schläuchen erhöht werden, um großen Wassermassen standzuhalten“, sagt Jung. Das System sieht dafür eigentlich eine Schürze als Dammerhöhung vor. Wenn die Anlage am Swistbach aufgebaut wird, können die Röhren sogar mit Wasser aus dem Bach gespeist werden, weil dieses bei Hochwasser allmählich und nicht abrupt ansteigt.

Dank Eigeninitiative der Bürgerschaft

Solche mobilen Rückhaltesysteme werden im benachbarten Nordrhein-Westfalen vielerorts genutzt, um bei Starkregen Hochwasser zurückzuhalten, auch im weiteren Verlauf der Swist. In der Grafschaft gibt es ein solches System nur in Eckendorf, und hier auch nur dank der Eigeninitiative der Bürgerschaft. Denn Philipp Rader hat der Eckendorfer Wehr das System als Dauerleihgabe überlassen. Zuletzt leistete es beim Starkregen am 2. Mai wieder gute Dienste, konnte binnen 30 Minuten aufgebaut werden.

„Solche oder ähnliche Systeme machen in einer Übergangszeit, bis einmal alle Maßnahmen des aktuellen Grafschafter Hochwasserschutzkonzeptes umgesetzt sind, Sinn. Zumindest dort, wo sie eingesetzt werden können“, sagt Johannes Jung und wirbt für den Ankauf derartiger Systeme. Genau das aber hat die Grafschafter Verwaltung den Eckendorfern verweigert. Die wollten ein solches System eigentlich über die sogenannten 20.000-Euro-Maßnahmen, mit denen die Orte bis vor Kurzem Anschaffungen tätigen konnten, finanzieren.

„Das wäre auch mühelos gegangen“ so Jung zu den Kosten. Allerdings habe die Verwaltung die Idee nicht einmal zur Beratung in die Gremien gegeben, sondern verworfen. Letztlich mit der unerwarteten Konsequenz, dass das System den Eckendorfern sogar kostenlos zur Verfügung steht.