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Innovationspark Rheinland in Grafschaft-Ringen: Bürger wollen Rewe halten

Gemeinderat Grafschaft : Ringener wollen ihren Rewe im Dorf behalten

Thema im Gemeinderat der Grafschaft war der geplante Bau eines Einkaufszentrums am Innovationspark Rheinland. Die Ringener fürchten um ihr Ortszentrum, falls der Rewe-Supermarkt umzieht. Der Rat will nun alle Bürger befragen.

Einen derartigen Zuspruch hat der Grafschafter Gemeinderat in seiner bisherigen Geschichte noch nicht erlebt: Mehr als 100 Bürger drängten sich in jede Ecke des Ratssaales und füllten auch noch das Rathaus-Foyer. Einige hatten Schilder mitgebracht: „Der Rewe soll im Dorf bleiben“, „Kein Einkaufszentrum im Inno-Park“ war darauf zu lesen. Und auch: „Stoppt die weitere Landversiegelung. Wir brauchen die Ackerflächen.“

Thema im Gemeinderat war nämlich der geplante Bau eines Einkaufszentrums am Innovationspark Rheinland. Dort will sich der momentan noch in der Ringener Ortsmitte befindliche Rewe-Supermarkt ebenso ansiedeln wie der Discounter Aldi. Doch dagegen sträuben sich die Ringener, denn sie befürchten, dass dadurch das Ortszentrum stirbt und es keinen Treffpunkt mehr für die Dorfbewohner gibt. Sie erlebten eine mehr als zweistündige intensive Debatte, bei der am Ende ein einstimmiger Beschluss stand: Die Grafschafter Bürger sollen dazu befragt werden.

„Ein schwieriges Thema und eine der großen Entscheidungen für die Gemeinde Grafschaft“, gab der FWG-Fraktionsvorsitzende und Ringener Ortsvorsteher Lothar Barth zu. Ein halbes Jahr, nachdem das Thema erstmals im General-Anzeiger an die Öffentlichkeit gelangt sei, sei die Verwirrung der Bevölkerung größer denn je. Deshalb habe er gemeinsam mit den Grünen und der SPD sowie seinem Fraktionskollegen Julian Wuzél beantragt, eine Bürgerbefragung in die Wege zu leiten, um die Meinung der Bevölkerung zu diesem Projekt zu erkunden.

Der Antrag spiegele die Besorgnis der Bevölkerung wider: Der Plan eines Einkaufszentrums an dieser Stelle manifestiere sich, und es scheine immer klarer zur werden, dass es dazu keine Alternative gebe. Nach Ansicht vieler Bürger sei Transparenz in der ganzen Angelegenheit nicht gegeben. „Man weiß nicht, wo man dran ist, und es fällt auch uns Gemeinderatsmitgliedern schwer, da noch folgen zu können“, so Barth.

Für Ringen gehe es um nicht weniger als um das Verschwinden eines funktionierenden Dorfzentrums und eines funktionierenden dörflichen Sozialraums, ohne dass es dafür einen nachvollziehbaren oder höherwertigen Grund gebe. Wenn Rewe sich aus der Ortsmitte zurückziehe, würden wohl auch die kleineren Dienstleister mit umziehen, „und wir sitzen dann in der Einöde.“

„Die Bevölkerung hat ein starkes Interesse, an den Entscheidungen mitzuwirken“, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Mathias Heeb, nicht zuletzt aufgrund der Informationsveranstaltung, zu der etwa 200 Leute gekommen seien. Auch in einer repräsentativen Demokratie müsse man als Ratsmitglied ein offenes Ohr für die Bürger haben, appellierte er an die Gegenseite. Die Grafschaft habe in den vergangenen Jahren eine extreme Entwicklung mitgemacht, nun stelle sich die Frage, wohin das noch führen solle. „Jetzt sollte man erst einmal zufrieden sein und durchatmen“, schlug Heeb vor. In Richtung CDU mahnte er, man könne nicht auf der einen Seite bienenfreundliche Wiesen anlegen – und dann auf der anderen Seite extrem wertvolle landwirtschaftliche Flächen für ein solches Projekt opfern.

„Die Entscheidung ist noch lange nicht getroffen“, entgegnete Margret Nelles-Lawnik (CDU) und stellte klar, dass auch die CDU für eine Bürgerbefragung sei. Allerdings gab sie zu bedenken: „Viele Dinge sind miteinander verschachtelt und müssen zusammen diskutiert werden.“ Deshalb mache nur eine umfangreiche Bürgerbefragung mit mehreren Themen Sinn. Und wenn bei der Bürgerbefragung herauskomme, dass eine Mehrheit kein Einkaufszentrum dort wolle, müsse man das als Rat akzeptieren, ergänzte Marcel Werner (CDU).

Wolfgang Reuß (FDP) war es schließlich, der mit seinem Antrag einen für alle gangbaren Weg aufzeigte. Nicht ohne vorher klarzustellen, die Grafschafter FDP sei für die Umsiedlung von Rewe, „denn wir entscheiden nicht nur für Ringen, sondern für alle Ortsgemeinden der Grafschaft.“ So sprach sich der Rat letztlich einstimmig für eine Bürgerbefragung aus, deren konkrete Inhalte in der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ebenso festgelegt werden sollen wie die notwendigen Formalien. Anschließend soll die Bürgerbefragung mit der konkreten Fragestellung in der nächsten Sitzung des Gemeinderates auf den Weg gebracht werden.

Erst gar nicht zur Abstimmung kam die eigentlich auf der Tagesordnung stehende Aufhebung des Sperrvermerks für den Ankauf des Grundstücks, auf dem möglicherweise das Einkaufszentrum entstehen soll. Folgerichtig bleibt der Sperrvermerk bestehen, und der schon ausgehandelte Kaufvertrag mit dem Eigentümer ist vorerst hinfällig.

„Warten wir ab, was sich in dieser Sache weiter tut“, wusste auch Bürgermeister Juchem nicht, ob das Angebot unter diesen Umständen aufrechterhalten werde, oder ob möglicherweise das Grundstück von einem privaten Investor aufgekauft werde. Die Planungshoheit über das Gebiet habe aber letztlich die Gemeinde. Ohne deren Erlaubnis könne dort rein gar nichts entstehen, beruhigte er.