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Gemeinderat will Gesundheit der Kinder besser schützen: Luftreiniger für Grafschafter Schulen und Kindergärten

Gemeinderat will Gesundheit der Kinder besser schützen : Luftreiniger für Grafschafter Schulen und Kindergärten

Fenster auf allein reicht nicht: Der Grafschafter Gemeinderat will die Gesundheit der Kinder besser schützen. Zu dem Zweck sollen in den rund 50 Räumen aller Kindergärten der Gemeinde Luftreinigungsgeräte installiert werden. Für die drei Grafschafter Grundschulen Schulen strebt man festeingebaute Klimaanlagen an.

Fenster auf und gut durchlüften oder am besten gleich mit den Kindern an die frische Luft gehen – so lauten die Ratschläge in der aktuellen vierten Fassung der Hygiene-Empfehlungen der Kindertageseinrichtungen in Rheinland-Pfalz. Das ist allerdings nicht immer und überall möglich und so beraten derzeit landauf landab Träger von Schulen und Kindergärten, wie man sich über das reine Lüften hinaus gegen Viren und andere Krankheitserreger in der Luft schützen kann. Dabei hält die Grafschafter SPD den Einsatz von mobilen Raumluftreinigungsanlagen für sinnvoll und brachte einen entsprechenden Antrag auf Anschaffung solcher Geräte für die Kindergärten ein.

Das aber lehnt die Verwaltung mit Blick auf aktuelle Empfehlungen ab. In der Sitzung des Hauptausschusses referierte Bürgermeister Achim Juchem (CDU) umfassend über verschiedenste Aussagen zu den mobilen Luftreinigern, unter anderem mit einer Handreichung des Umweltbundesamtes für die Kultusministerkonferenz.

Das Amt empfiehlt vor dem Einsatz mobiler Luftreiniger eher den Einbau einfacher Zu- und Abluftanlagen. Die jüngste Landesregelung äußert sich sogar so weit, dass das Umweltbundesamt von der Verwendung mobiler Luftreiniger im Routinefall abrate und nur den Einsatz empfiehlt, wenn alle anderen Maßnahmen nicht durchführbar sind.

Grund genug für die Grafschafter SPD, den eingebrachten Antrag auf Anschaffung solcher Geräte für die Grafschafter Kindergärten zu überarbeiten und sich nicht mehr nur auf mobile Geräte zu fixieren. Zur Sitzung des Gemeinderates brachte auch die FDP einen Antrag ein, sie fordert in den Kindergärten den Einbau fester Lüftungsanlagen.

Beide Anträge fasste der Rat nach intensiver Diskussion auf Vorschlag von Bürgermeister Juchem zu einem einstimmig getragenen Beschluss zusammen. Demnach sollen in den rund 50 Räumen aller Kindergärten der Gemeinde Grafschaft technische Anlagen zur Luftreinigung installiert werden. Welche technische Lösung wo umgesetzt werden kann, soll ein Ingenieurbüro prüfen, das Ergebnis wird dann zunächst im Bauausschuss beraten. Bei der Umsetzung soll in den Schlafräumen der Kinder begonnen werden, hier ist eine Lüftung durch Fensteröffnung aufgrund der Außengeräusche kaum möglich.

In besagten Schlafräumen kommt es im Gegensatz zum sonstigen Betrieb zu einer Durchmischung von Kindern mehrerer Gruppen, in Ringen hatte es jüngst einen Corona-Fall gegeben, der die Unterhaltung der gesamten Einrichtung betraf. Weil die Kosten für die Lüftungen erst im kommenden Nachtragshaushalt Berücksichtigung finden können, ist eine Zwischenfinanzierung über das Corona-Budget angedacht.

Fast das gleiche Ziel hat man bei der Luftreinigung der drei Grafschafter Grundschulen, geht hier aber einen völlig anderen Weg, der am Ende zur Ausstattung mit festeingebauten Klimaanlagen führen soll. Denn aufgrund einer Richtlinie des Bundes zur Förderung von Investitionen zum beschleunigten Infrastrukturausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder besteht in diesem Jahr kurzfristig die Möglichkeit, mit einer 70-prozentigen Bundesförderung investive Vorhaben rund um die Verbesserung der Ganztagsangebote der Schulen umzusetzen.

Alle Schulstandorte in der Gemeinde Grafschaft sind demnach förderwürdige Einrichtungen. Für das Programm will die Grafschafter Verwaltung nicht nur zehn ohnehin im Haushalt geplante Maßnahmen melden, man schlug dem Rat auch sechs weitere Maßnahmen vor, darunter Gebäudeklimaanlagen in den Grundschulen, für die die Kosten grob geschätzt bei zusammen 1,5 Millionen Euro liegen dürften. Ziele sind Verbesserung der Luftzirkulation, verstärkter Frischluftaustausch und somit besseres Raumklima. Zudem können die Schulen an heißen Sommertagen gekühlt werden.

Bei der Beantragung der Fördergelder muss man sich beeilen, denn die Vergabe erfolgt nach dem „Windhund-Verfahren“ also in der Reihenfolge der Antragseingänge. Die Vorgehensweise hat der Gemeinderat einhellig begrüßt und einstimmig verabschiedet.

Einen weitergehenden Antrag der SPD, im Falle der Unmöglichkeit der Nachrüstung der Schulen mit Klimaanlagen mobile Raumluftreiniger anzuschaffen, lehnte der Rat dagegen mehrheitlich ab. In solchen Geräten sehe man ein Risiko, so Marcel Werner (CDU), worauf ihm Udo Klein (SPD) vorwarf, Angst vor eigentlich hochwertigen Anlagen verbreiten zu wollen. Lothar Barth (FWG) hat aufgrund einer Aussage des Umweltbundesamt ebenfalls Probleme mit den mobilen Geräten, Sabrina von Boguszewski (Grüne) begrüßte dagegen den SPD-Antrag.