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Probleme beim Glasfaserausbau in Grafschaft-Oeverich: Ortsvorsteher und Bürger beklagen unprofessionelle Tiefbauarbeiten

Probleme beim Glasfaserausbau in Grafschaft-Oeverich : Ortsvorsteher und Bürger beklagen unprofessionelle Tiefbauarbeiten

Es gibt Probleme beim Glasfaserausbau in der Gemeinde Grafschaft. Verwaltung und Privatleute beklagen eine unprofessionelle Ausführung der Tiefbauarbeiten in der Ortschaft Oeverich.

Die Gemeinde Grafschaft ist Vorreiter für schnelles Internet im Kreis Ahrweiler, die Verlegung des Glasfaserkabels in den ersten Orten ist angelaufen. Auch die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler zieht nach und wird bereits aus nördlicher Richtung verkabelt. Die Freude aufs ultraschnelle Netz, für das die Blatzheim Networks Telecom GmbH (bn:t) derzeit auch in vielen weiteren Kommunen ringsum sorgt, ist groß.

Getrübt wird diese Freude allerdings zumindest im Grafschafter Ort Oeverich. Was sich die Bautrupps bei Ausführung und Rückbau der Tiefbauarbeiten leisten, sei in höchstem Maße unprofessionell und auch wenig fachmännisch, heißt es von Betroffenen. Kritisiert werden sowohl Bauarbeiten im öffentlichen Raum als auch auf Privatgelände.

Ortsvorsteher: Mängel an allen Ecken und Enden

Entsprechend sauer ist Ortsvorsteher Christoph Weber (CDU), der zusammen mit seinem Stellvertreter Maik Hintze (CDU) bei einem Ortsrundgang buchstäblich an allen Ecken und Enden Mängel feststellen musste.

Die Liste ist lang, vor allem bei Pflasterarbeiten liegt einiges im Argen: „Da wurden Fugen gar nicht ausgesandet oder das geschah mit rotem Sand, der zu lehmhaltig und ungeeignet ist. Das wurde dann wieder ausgekratzt, aber nicht vollständig. Pflastersteine wurden nicht in Beton gelegt, es kam zu Absackungen und großflächig zu Versatz von mehreren Zentimetern. Auf kleinster Fläche wurden Steine in mehreren Varianten und Farben verlegt, Pflaster wurde in Kreuzfugen verlegt, was nicht hält.“ Webers Aufzählungen gehen weiter: „Gräben wurden zu weit ausgehoben, in der Folge kam der Verkehr zum Erliegen, an Häusern ohne Keller wurde der vermeintliche Kellerbereich angeschlossen. Dazu wurden Termine nicht eingehalten und Baustellen über Wochen nicht weiterbearbeitet.“

In der Alten Straße kann Gerlinde Schäfer ein Lied über die Arbeiten singen. Bei ihr galt es, den Zugang für das Kabel ins Gästezimmer im Erdgeschoss zu bohren. Dabei verhakte sich der Bohrer und blieb stecken. Die Arbeiter zogen ab. Als nach mehreren Wochen nichts geschehen war, beschwerte sie sich bei der Gemeindeverwaltung. Man wollte sich kümmern. Doch wieder passierte nichts. Erst als Schäfer sich den nach ihren Worten „unfreundlichen Vorarbeiter“ schnappte, wurde der 1,40 Meter lange Bohrstab entfernt und ein Termin fürs Zuschütten der Baugrube vor ihrem Haus genannt. Auch den ließen die Bauarbeiter verstreichen. Ebenso wollen sie für die verschmutzten Tapeten und Teppiche im Haus nicht aufkommen. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich kein Glasfaserkabel bei mir verlegen lassen“, so Gerlinde Schäfer sichtlich entnervt.

Natürlich sind die Beschwerden längst im Ringener Rathaus angekommen. Bauamtsleiter Friedhelm Moog sieht aktuell durchaus die Situation, dass es für die vielen Baustellen in Sachen Internet nicht ausreichend qualifizierte Unternehmen gebe. Die Situation in Oeverich könne er allerdings nicht dulden. Moog rief zum Ortstermin mit allen beteiligten Parteien, an dem auch bn:t-Geschäftsführer-Günther Blatzheim teilnahm. Auf sein Unternehmen fällt die mangelnde Ausführung der Arbeiten schließlich zurück. Auch Vertreter des Unternehmens Klenk und Sohn aus dem südhessischen Modautal waren vor Ort. Sie haben den Auftrag, sich um die Glasfaserverlegung zu kümmern.

Da dies derzeit überall in Deutschland geschehe, greife man zwangsläufig auf Subunternehmer zurück, räumte Andreas Kühl aus der Geschäftsführung von Klenk und Sohn ein. Immerhin sei man bemüht, die jeweilige Bauleitung mit Mitarbeitern aus dem eigenen Unternehmen zu besetzen, so Kühl. Dem ausführenden Unternehmen in Oeverich räumte man beim Ortstermin ein, unverzügliche Nachbesserungen an den monierten Baustellen vorzunehmen. Denn gerade auf der Landskroner Straße, die als Landesstraße 79 durch den Ort führt, drängt die Zeit aus anderen Gründen. Weil die Ortsdurchfahrt Bengen für rund ein Viertel Jahr und die Großbaustelle der L80 in Niedernierendorf zumindest für den Schwerlastverkehr gesperrt wird, wird neben dem normalen Verkehr auch Umleitungsverkehr durch Oeverich führen. Da kann es kein weiteres Hindernis in Form einer Baustelle geben.

Weil die Nachbesserungen jedoch auch nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führten, hat Bauamtsleiter Moog inzwischen einem der Subunternehmen die Erlaubnis zur Fertigstellung der Tiefbauarbeiten unterzogen. Aktuell versucht man, Klenk und Sohn erfahrene Tiefbauunternehmen aus der Region zu vermitteln, deren gute Arbeit im Ringener Rathaus bekannt ist. Sie sollen die entstandenen Schäden beheben. Erst dann wird es eine Abnahme der Baustellen geben.

Die Situation in Oeverich ist für bn:t im hiesigen Raum wohl ein Einzelfall. Im Oevericher Nachbarort Fritzdorf gab es keine Ausbauprobleme und auch in Kirchdaun scheint alles glatt zu laufen. In Karweiler gab es zwar Anlaufschwierigkeiten, aber auch hier hat bn:t den fachgerechten Ausbau im Griff.