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"Kultur im Rathaus" im Ringener Rathaus: Reumütige Räuber

"Kultur im Rathaus" im Ringener Rathaus : Reumütige Räuber

Der Männergesangverein (MGV) "Bölinger Liederkranz" war Gast beim Ringener Veranstaltungsreigen "Kultur im Rathaus" und sorgte nicht nur für einen voll besetzten Ratssaal, sondern auch für Begeisterung beim Publikum. Mit einem Programm zwischen geistlichen Liedern, traditioneller Chormusik und frischen Popliedern war für jeden Geschmack etwas dabei.

Was passiert mit einem Räuberhauptmann, der in Liebe zu einem Mädchen entbrennt und darüber seine bösen Taten bereut? Richtig: Er geht ins Kloster. So zumindest nach der altrussischen Legende "Die zwölf Räuber", die der MGV in einem musikalischen Satz von Friederich Zimmer mit russischem Ernst, aber auch einem Augenzwinkern vortrug. Ähnlich unterhaltsam war "Ich weiß ein Fass in einem tiefen Keller" nach einem Text von Friedrich Schwarz, das von einem Zecher handelt, der im Rausch des Weines selbst den Namen seines Liebchens vergisst. Auch der "Slowenische Weinstrauß" besang die Freude eines guten Tropfens im Glas. Ernster wurde es bei den geistlichen Kompositionen, bei denen der Chor seine Internationalität bewies. Luigi Cherubinis "Veni Jesu" sang der Liederkranz auf Latein, Bepi De Marzis "Signore delle Cime" und "Bènia calastoria" auf Italienisch und Bette Midlers Gassenhauer "The Rose" auf Englisch. Mit "Näher mein Gott zu Dir" aus der Feder Lowell Masons erinnerte der Chor an den Untergang der Titanic.

Die ersten - aber nicht die letzten - Bravo-Rufe des Abends erhielten die Sänger für ihre Interpretation von "Über sieben Brücken musst du gehen", das ursprünglich für eine Filmmusik komponiert worden war, dann aber in der Interpretation durch die Gruppe Karat und Peter Maffay bekannt wurde. Mit dem traditionellen schottischen Volkslied "Ich kenne den Weg", das von der Landschaft um den Loch Lomond schwärmt, konnte der 1. Tenor Hans-Alfons Klodner sein Sologeschick unter Beweis stellen und erntete dafür großen Zuspruch beim Publikum.

Chorleiter Raimund Jacobs dirigierte den Chor äußerst energisch. Bei Hubert von Goiserns "Weit, weit weg" hatte er die Mannen fest im Griff und beim Gospel "Oh happy Day" animierte er das Publikum erfolgreich zum Mitklatschen. Kurz wurde es mit "Der Wanderer" auch etwas sozialkritisch, dessen Kernaussage lautet: "Euch hat nie die Sonne gefehlt und wenn sie auch scheint, ihr seht es ja kaum." Um die Stimmung jedoch nicht zu arg zu trüben, folgte ein Höhepunkt: der "Volksliederexpress". Zusammengestellt von Rudolf und Thomas Möller-Rudolf präsentiert das Stück in vier Minuten ganze 35 Volkslieder. Auf die Frage von Bürgermeister Achim Juchem, welche Schulnote der MGV in Klatschlautstärke erhalten sollte, war die Antwort klar: Der Saal dröhnte nur so. Bevor der Chor als Zugabe eine Mischung aus den Stücken des Konzertes darbot, überreichte Chorleiter Jacobs noch dem Ringener Hartmut Wildenhain die Vereinsnadel für sein erstes Konzert.