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Studienhaus St. Lambert: Priesterzahlen in der Grafschaft sinken​

50 Jahre Studienhaus St. Lambert in Lantershofen : Priesterzahlen in der Grafschaft sinken

Seit 50 Jahren bildet das Studienhaus St. Lambert in der Grafschaft Priester aus. Doch seit Jahren sinken die Zahlen. Anlässlich des Festakts zum Jubiläum hat jetzt Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, in der Grafschaft über neue Ideen bei der Priesterausbildung gesprochen.

In einer Zeit, in der die katholische Kirche mit mehreren Krisen zu kämpfen hat, was von nicht wenigen Beobachtern gar als existenzbedrohend angesehen wird, feiert man im kleinen Grafschafter Dorf Lantershofen eine Institution, aus der mehr als 500 Priester hervorgegangen sind. Seit 50 Jahren gibt es das Studienhaus St. Lambert, ein interdiözesanes Seminar, das Männern ohne Abitur, aber mit Lebenserfahrung, auf dem sogenannten dritten Bildungsweg das notwendige Studium auf dem Weg zum Priesteramt ermöglicht. Das geschieht im Übrigen nicht hinter hohen Mauern, sondern in enger Verbundenheit mit Dorfbevölkerung und den kommunalen Strukturen in einem offenen Haus. Und so kamen zum Jubiläum am Montag Festgäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft „auf die Burg“, wie das Studienhaus in Lantershofen genannt wird.

Dass die Probleme der katholischen Kirche dabei nicht außen vor blieben, verstand sich von selbst. Schon die Tatsache, dass die einstmals 70 Studienplätze derzeit nur von 25 Seminaristen besetzt werden – und es werden jährlich weniger – macht akuten Handlungsbedarf deutlich.

Konsequenzen für die künftige Priesteramtsausbildung

Und darum bat der Regens und Leiter von St. Lambert, Volker Malburg, den als höchsten Festgast angereisten Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Limburger Bischof Georg Bätzing, auch nicht um einen Festvortrag. Vielmehr wollte Malburg im Zwiegespräch mit Bätzing von diesem den Weg aus dem Dilemma und die Konsequenzen für die künftige Priesteramtsausbildung erfragen.

Klagen über Gewesenes helfen nicht weiter, man müsse sich der Wirklichkeit stellen, so Bätzing. Er forderte eine viel stärkere Fokussierung von Kirche auf bereits vorhandene Ressourcen. Auf Menschen, die aus Nächstenliebe handeln, wie es die vielen Fluthelfer an der Ahr taten. Der Wert der Seelsorge müsse erkannt werden und die Ressourcen, die die Caritas mit ihren rund 13 Millionen Kontakten zu Menschen habe. Bätzing sieht den Weitblick als notwendig an, will den Laien mehr Macht einräumen und damit Veränderung zulassen. Gerade die Streitigkeiten beim Synodalen Weg würden doch zutage bringen, was in der Kirche los ist. „Es reicht nicht mehr, nur zur Kirche dazuzugehören, die Zeit der Volkskirche ist vorbei“, macht der Limburger Bischof klar.

Bätzing spricht auch über das Thema Zölibat

Auch die Priesterausbildung müsse die vom Münsteraner Bischof und ehemaligen Regens in Lantershofen, Felix Genn, angestoßene Qualitätssicherung erfahren. Mit Grundordnung, aber auch der Beschäftigung mit jedem einzelnen und seiner fördernden Umgebung. Das erfordere eine Bestandsaufnahme bei jedem, der für Kirche in einer der vielen pastoralen Tätigkeiten wirken wolle. Dies sei ein auch Kriterium künftiger Ausbildungsorte.

Das „miteinander lernen“ verschiedener sakraler Strukturen aber gestaltet sich in Lantershofen schwierig, daher wollte Malburg angesichts drastisch sinkender Priesterzahlen weitere Reaktionen wissen. Bätzing sprach von neuen Ideen, wie dem Priesteramt im Nebenberuf. Auch um das viel diskutierte Thema Zölibat machte der Bischof keinen Bogen. „Sollen wir das Zölibat bewahren, um sakramentale Strukturen zu verlieren?“, stellte er in den Raum und machte klar, dass sich die aktuellen Probleme der Kirche keineswegs nur auf Deutschland beschränken. „Die Probleme bestehen überall in der Welt.“ Schließlich mahnte Georg Bätzing, man dürfe „nicht das Katholische verlieren, weil man zu katholisch bleiben will“.

Pontifikalamt in der Lambertuskirche

In ihren Festreden hatte Bischof Felix Genn zuvor an seine nur zweijährige Zeit als Regens in Lantershofen erinnert. Seinerzeit hatte ihn der Trierer Bischof Hermann-Josef Spital mit den Worten „Du wirst bauen müssen, aber mach es nicht zu teuer“ in die Grafschaft entsandt, wo Genn eine acht Jahre dauernde Sanierung mit Neubauten anschob. „In dieser Zeit habe ich mich von den Seminaristen, ihrer Lebenserfahrung und ihren spirituellen Erfahrungen prägen lassen“, so Genn, der aber auch an die frühen Macher auf der Burg, August Dörner und Paul Solbach, erinnerte. Michael Becker, der Vorsitzende des Stiftungsrates der August-Dörner-Stiftung, sprach das aktuelle Dilemma aus der Sicht der Seminaristen an, von denen immer höhere Führungsqualitäten erwartet würden. Kreisbeigeordneter Horst Gies betonte den hohen Bekanntheitsgrad des Lantershofener Seminars, auch für den Kreis Ahrweiler. Er nutzte den Tag aber auch, um für den hohen Einsatz des Studienhauses nach der Flutkatastrophe an der Ahr zu danken. Und der Grafschafter Bürgermeister Achim Juchem hatte eine lange Liste der Zusammenarbeit des Seminars mit der Gemeinde parat: Burg Lantershofen war schon Standesamt, nahm Flüchtlinge und Flutopfer auf und stellt derzeit einen Sitzungssaal für die Kommunalpolitik.

Am Morgen hatte Bischof Bätzing ein Pontifikalamt in der Lambertuskirche unter anderem mit dem Bischof Felix Genn und den Trierer Weihbischöfen Robert Brahm und Jörg Michael Peters gefeiert. Dabei schrieb der den aktuellen Seminaristen einen Katalog von fünf Kompetenzen für deren künftiges Handeln buchstäblich ins Gebetbuch, nämlich glaubwürdig zu leben, Lösungen zu entwickeln statt nur zu fragen, auf Beziehungen zu schauen und diese zu gestalten, Ergebnisse anzustreben sowie die Entschiedenheit, Einfluss nehmen zu können.