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„Mit Vollgas in die Klimakatastrophe?“: Grafschafter Autor veröffentlicht Buch zum Klimawandel

„Mit Vollgas in die Klimakatastrophe?“ : Grafschafter Autor veröffentlicht Buch zum Klimawandel

Der Grafschafter Autor Claus Bünnagel beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Mit Vollgas in die Klimakatastrophe?“ mit den Auswirkungen des Klimawandels. Auch in der Region seien dessen Auswirkungen deutlich sichtbar, so der Journalist.

Claus Bünnagel, aufgewachsen in Ahrweiler und nun wohnhaft in der Grafschaft, ist Chefredakteur der Fachzeitschrift „Busplaner“. In Zeiten der Diskussion um Klimakrise, Erderwärmung, Energiewende und CO2-Ausstoß schreibt ausgerechnet ein Fachmann für Linien- und Reisebusse ein Buch über die Klimakatastrophe mit dem Titel „Mit Vollgas in die Klimakatastrophe?“. Passt das? „Auf jeden Fall und gerade deshalb“, sagt der 49-Jährige und holt aus. „In der Busbranche hat der Mobilitätswandel schon viel eher stattgefunden, als im Privatbereich. Linienbusse sind für Elektromobilität ideal, weil sie täglich gleiche Runden fahren von 150, 200 oder 250 Kilometer Umläufen. Über die Elektromobilitäts- und Antriebsfrage kommt man unwillkürlich auf die Umweltthemen. Man muss sich mit allem drumherum beschäftigen.“

Bünnagel beschäftigt sich schon lange mit diesem Thema: „Ich habe schon früher im Kreis Ahrweiler Umweltaktionen initiiert, das hat mich schon immer beschäftigt. Ich möchte meinen Kindern eine Welt hinterlassen, in der man leben kann.“ Da es gerade in diesem Thema in der Gesellschaft noch viel Unkenntnis gebe, war es für ihn eine zwangsläufige Folge, in einem Buch darzulegen, wie es um die Klimasituation in der Welt bestellt ist. Den Menschen möchte er kundtun, was nun dringend zu tun ist, um die Energie- und Verkehrswende in den kommenden zehn bis 20 Jahren zu schaffen. „Ansonsten wird es schwierig“, sagt der Journalist.

Gegenwind seitens der Kommunen

Aber wie ist das mit den Linienbussen? Sind die Kommunen bereit? Bünnagel traf bei seinen Bemühungen auf Gegenwind: „Ich habe E-Bus-Konferenzen besucht, der Widerstand war groß. Man war ein halbes Jahrhundert und länger auf den Dieselbetrieb eingestellt und wollte keinen Antriebswechsel. Dann kamen ein paar Vorreiter, gerade bei den großen kommunalen Unternehmen in Hamburg oder Köln. Der Widerstand erlahmt jetzt, der Wandel setzt sich durch. Aktuell werden die großen Flotten umgestellt.“

Runtergebrochen auf die Situation in seiner Heimat sieht der Autor nicht nur große Elektrobusse kommen, ganz im Gegenteil. „On-Demand-Verkehr und Ridepooling werden ganz große Themen werden, das gestaltet sich vom Elektro-Leihfahrrad bis zum großen Bus. Gerade auf dem Land wird man in Zukunft viel mehr On-Demand-Verkehr, also Rufbusse, wie es früher hieß, sehen. Mit fast leeren Bussen – außer zum Schulverkehr – übers Land zu fahren, rechnet sich nicht mehr. Das kann man im Kreis Ahrweiler jetzt schon überall sehen.“

Dabei würde sich Bünnagel wünschen, dass die Landesgartenschau 2023 weiteren Antrieb im Thema gibt. „Es gab Gartenschauen, da haben die Kommunen speziell für diesen Zweck Fahrzeuge angeschafft. Das wird für 2023 aufgrund der Bestellzeiten aber schon knapp, falls bisher noch nichts geschehen ist. Linienbusse haben mindestens ein Jahr Lieferzeit. Bei kleineren Bussen dauert es nicht ganz so lange.“

Zurück zum Buch von Claus Bünnagel. Dass er es geschrieben hat, hatte viele Gründe. Neben den harten wissenschaftlichen Fakten waren auch eigene Erlebnisse Triebfedern für die Veröffentlichung des 112 Seiten starken Fachbuchs. Auf seinen Reisen und Expeditionen in die Bergregionen der Alpen, der Anden, des Himalayas oder zum Mount Kenia und Kilimandscharo in Afrika erlebte er den Gletscherschwund hautnah.

Klimawandel wird auch in der Region sichtbar

Doch soweit muss man gar nicht reisen, wer genau hinschaut, kann die bedrohliche Klimaerwärmung auch vor Ort fast im Zeitraffer beobachten. Beispielsweise im Forst des Kreises Ahrweiler: Auf seinen ausgedehnten Trainingsrunden für die Teilnahme am 100 Kilometer langen Rhein-Ahr-Marsch musste Bünnagel in den letzten beiden Jahren einen erschreckenden Kahlschlag im Forst an der Ahr und in der Eifel registrieren. Vor allem zwischen Steinerberg und Ramersbach, aber auch an der Schutzhütte Zentral, vielen Ahrweilern besser als „Besenbinder“ bekannt, wo der Autor in jungen Jahren viele Wochen seines Lebens beim „Schanzenbinden“ fürs alljährliche Martinsfest verbracht hat, ist die Szenerie gegenüber früher kaum wiederzuerkennen. Riesige Flächen mussten gerodet werden, weil Hitze und Borkenkäfer vor allem den Fichten stark zugesetzt haben. Und auf dem Ahrsteig und anderen steilen Passagen im Kreis sind auf den ersten Blick gesund aussehende Eichen und Buchen im Hang einfach umgefallen, weil ihnen offenbar die Kraft fehlte, sich im Untergrund zu halten.

Dabei war die Fichte mit 26 Prozent des Waldbestands in Deutschland die dominierende Baumart. Sie wächst auf knapp 2,5 Millionen Hektar. Schon heute ist abzusehen, dass es sie hierzulande in spätestens 30 Jahren nur noch in Restbeständen geben wird. Millionen Bäume werden verschwinden, ohne dass die Forstwirtschaft heute genau weiß, wie sie diese ersetzen soll. Den Wald einfach gewähren und sich selbst regenerieren lassen? Oder mediterrane Arten pflanzen? Darüber ist gerade eine Grundsatzdiskussion im Gange. „40 Jahre zu spät, denn Lösungen sind dringend notwendig“, so Bünnagel, der weiterhin sagt: „Laut Klimawissenschaftlern hat die Menschheit noch zehn Jahre Zeit, um radikal umzusteuern und die CO2-Austöße bilanziell gegen Null zu senken. Denn nur so wäre es möglich, das im Pariser Klimaabkommen anvisierte Mindestziel von zwei Grad Erderwärmung einzuhalten. Da aber in den Jahren seit dessen Abschluss die jährlichen Emissionen noch gestiegen sind, kann man heute schon sagen, dass dies unmöglich sein wird. Drei oder vier Grad Anstieg sind realistisch – mit allen dramatischen Folgen für die Menschheit wie der Kampf um Ressourcen und riesige Wanderbewegungen.“

 Der Autor und „Busplaner“-Chefredakteur Claus Bünnagel.
Der Autor und „Busplaner“-Chefredakteur Claus Bünnagel. Foto: Thomas Weber

Das größte Problem des 21. Jahrhunderts

Auch wenn er für viele Menschen in der derzeitigen schlimmen Corona-Zeit fernliegt, so ist doch der Klimawandel das größte Problem des 21. Jahrhunderts, das die Menschheit noch Jahrhunderte beschäftigen dürfte. Auch wenn das Buch von Claus Bünnagel auf wissenschaftlichen Ergebnissen aus der Klimaforschung basiert und auf zahlreiche Studien aus diesem Gebiet verweist, so ist es in seinem Kern doch ein journalistisches Werk mit ansprechender grafischer Aufmachung. Der Autor hat sowohl auf Fußnoten als auch trockene wissenschaftliche Sprache verzichtet und stattdessen das Thema journalistisch aufgearbeitet und anschaulich dargestellt. Dazu gehört auch, eine klare Stellung gegenüber den Handelnden in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einzunehmen. Fünf eingestreute Meinungsbeiträge üben deutliche Kritik vor allem am gegenwärtigen Verschleppen der dringend notwendigen Energie- und Verkehrswende in Deutschland.

Das Kapitel „Perspektiven“ verbindet die Probleme des Klimawandels und der stockenden Energie- und Verkehrswende mit den Lösungsansätzen im dritten Buchteil. Hier, im zweiten Abschnitt, erfährt der Leser Details etwa zur Subventionierung der Fossilwirtschaft oder über eine nötige „echte“ CO2-Steuer, über die Verbindung von Corona- und Klimawandelkrise und zum möglichen Pfad Deutschlands in die bilanziellen Klimaneutralität. Der dritte Teil behandelt revolutionäre und bahnbrechende Entwicklungen und Lösungen im Energie- und Verkehrsbereich. Dem Autor ist klar, dass er mit seinem Buch die immer noch zahlreichen Klimawandelleugner nicht erreichen wird. Allen anderen gibt das Werk eine Menge Fakten und Details zum Klimawandel und zur Elektromobilität an die Hand für womöglich fruchtbare Diskussionen.

Im Handel erhältlich unter www.huss-shop.de oder über die Buchhandlung am Ahrtor in Ahrweiler, 26,64 Euro