1. Region
  2. Ahr & Rhein

Tag der Kriminalitätsopfer: Hubertus Raubal vom Weißen Ring: "Ein Armutszeugnis"

Tag der Kriminalitätsopfer : Hubertus Raubal vom Weißen Ring: "Ein Armutszeugnis"

Am 22. März ist der Tag der Kriminalitätsopfer. Um diese kümmert sich der Weiße Ring, dessen Außenstelle im Kreis Ahrweiler Hubertus Raubal leitet.

Wie sieht Ihre Arbeit im Kreis Ahrweiler aus?
HubertusRaubal: Seit mehr als 25 Jahren sind Ehrenamtliche des Weißen Rings im Kreisgebiet aktiv. Die Außenstelle ist Teil des bundesweiten Netzes des Opferhilfevereins. Die derzeit 13 Frauen und Männer stehen Opfern und ihren Familien mit Rat und Tat zur Seite.

Ihre Bilanz für 2012?
Raubal: 2012 hat der Weiße Ring 95 Bürgern des Kreises Ahrweiler Hilfe geleistet. 21 Menschen haben wir nach Gewaltstraftaten - 15 davon im häuslichen Bereich - mit Rat und Tat zur Seite gestanden. In der Bilanz stehen auch 29 Opfer von Sexualstraftaten, vier von Diebstahl und Raub, zwölf von Stalking, ein Mobbingopfer und 28 "Sonstige".

Das ist sehr arbeits- und zeitintensiv . . .
Raubal: Insgesamt haben die Helfer des Weißen Rings im vergangenen Jahr 3004 ehrenamtliche Stunden geleistet und sind dafür 12 603 Kilometer gefahren.

Wie finanzieren Sie sich?
Raubal: Die Mittel dafür erhält der Weiße Ring hauptsächlich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Bußgelder sowie Testamente. Staatliche Zuschüsse nimmt unser gemeinnütziger Verein nicht in Anspruch.

Apropos Staat . . .
Raubal: Grob geschätzt investiert der Staat für die Gewährleistung der Sicherheit seiner Bürger noch nicht einmal einen Euro für kriminalpräventive Maßnahmen. Das ist ein Armutszeugnis für die Bundesrepublik Deutschland. Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wer erforderliche personelle Kapazitäten und Sachmittel sowie die wichtige Aufklärung der Bevölkerung dem Rotstift opfert, nimmt billigend ein hohes Kriminalitätsniveau und das Leid Hunderttausender Opfer in Kauf.

Ihr Präventionskatalog?
Raubal: Ständiger Dialog mit Kindern und Jugendlichen über kriminelle Gefahren. Einprägsame Spots zu allen Formen des Schutzes vor kriminellen Übergriffen via TV und Rundfunk. Niederschwellige Informationsveranstaltungen zu Themen der Vorbeugung, vor allem für ältere Menschen. Höhere Sicherheitsstandards im Städte- und Wohnungsbau. Steuerliche Vergünstigungen bei Nutzung von Sicherungsmöglichkeiten im Privatbereich. Personalaufstockung im Bereich der "Polizei in Uniform".

Ihre Arbeit vor Ort?
Raubal: Als Anlaufstelle für Betroffene von Gewalt und Kriminalität wird die Außenstelle Ahrweiler zusätzlich zur Opferhilfe präventiv und aufklärend tätig sein. So haben wir einen Gesprächskreis für Opfer von Gewalt und vorsätzlicher Straftaten initiiert. Betroffene können dort in zwangloser Atmosphäre über ihre Erlebnisse berichten und sich austauschen. Damit soll beigetragen werden, dass Opfer oder deren Angehörige Antworten auf ihre Fragen sowie Kraft zur Suche nach neuen Wegen finden.

Thema Öffentlichkeitsarbeit?
Raubal: An Vorträgen interessierte Vereine oder Verbände stehen Referenten der Außenstelle nach Absprache kostenfrei zu Verfügung. Planen Schulen Aktionen gegen Gewalt oder Präventionstage, so können wir auch dabei unterstützend agieren.

Was machen Sie am Tag der Kriminalitätsopfer?
Raubal: Die Außenstelle Ahrweiler ist an diesem Tag mit einem Stand im Mehrgenerationenhaus in Bad Neuenahr präsent. Unsere Mitarbeiter stehen dort für Auskünfte oder Beratung zur Verfügung. Umfassendes Informationsmaterial kann kostenlos mitgenommen werden. Damit wollen wir das Bewusstsein der Bürger stärken.

Zur Person

Hubertus Raubal (65) ist ehemaliger Berufssoldat. Seit zehn Jahren leitet er die Außenstelle des Weißen Rings Kreis Ahrweiler, und er ist seit drei Jahren stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Hilfsorganisation.

Für Hilfesuchende oder an einer Mitgliedschaft interessierte Bürger ist die Außenstelle Ahrweiler unter der Rufnummer 02655/961259 oder per E-Mail an weisser-ring-ahrweiler@t-online.de erreichbar.

Weitere Informationen auch unter www.weisser-ring.de.