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Theater in Lantershofen: Ingolf Lück als Boulevard-Reporter

Theater in Lantershofen : Ingolf Lück als Boulevard-Reporter

Comedian Ingolf Lück zeigt als Boulevard-Journalist auf der Lantershofener Bühne schauspielerische Qualitäten. Viel Applaus für den Comedian.

Die Corona-Pandemie zwang den Grafschafter Verein Kulturlant im Frühjahr, gleich sieben Veranstaltungen zu verschieben. Am vergangenen Samstag sollte nun die neue Spielzeit 2020/21 starten. Und das tat sie auch. Unter strengen Auflagen der aktuellen Verordnungen schlug der Verein einen neuen Weg ein. Waren bisher auf der Lantershofener Bühne vor allem Kabarett und Konzerte der Unterhaltungsmusik zu erleben, stand nun ein eher ernstes Theaterstück an. „Seite Eins“ schrieb der 1967 in Trier geborene Johannes Kram im Jahr 2014.

Das Werk mit dem Untertitel „Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone“ hat die Arbeit des Boulevardjournalismus zum Inhalt und bedient dabei sämtliche Klischees. Gespielt wurde das Stück von Ingolf Lück, der eigentlich mehr als Comedian oder Kabarettist bekannt ist, in Lantershofen aber große schauspielerische Qualitäten zeigte.

Lück verkörperte den Boulevard-Journalisten Marco auf der Jagd nach der großen Story. Dabei telefonierte er entweder ständig, oder er erklärte dem Publikum die Sinnhaftigkeit seines Berufsstandes, indem er mit dem seriösen Journalismus abrechnete. Boulevard sei keine Lügenpresse, er interessiere sich vielmehr für die Menschen und die Wahrheit der Menschen. In seinem Monolog über die Herrlichkeit des Boulevards drückte Marco sogar mehrmals Anrufe weg, immer wieder ertönte die Handymelodie „Don‘t Stop me Now“ von Queen.

Marco redete derweil über Respekt und Verantwortung. Dann ging er ran ans Handy. Am anderen Ende war Lea, eine junge Sängerin mit erster CD, ein Frischling im Business auf der Suche nach Werbemöglichkeit. Die gab ihr Marco, aber auf seine Art und Weise. Nicht Leas Musik stellte er in den Vordergrund, sondern ihre vermeintliche Liebe zum Unternehmer-Erben Philipp. Und so kam Lea recht fragwürdig auf Seite eins, wo getitelt wurde: „Der Industrie-Erbe und das Partygirl – ist das wirklich Liebe?“

Leider hatte sich der Journalist bei seinen Recherchen vertan, denn nicht der angehende Groß­erbe war besagter Philipp, es war ein anderer Philipp. Der Erbe meldete sich und drohte mit Klagen, Lea drohte damit, in einer Talkshow alles richtigzustellen. Jetzt zeigte sich der wahre Boulevard-Journalist und trieb Lea durch eine kleine perfide Erpressung in die Enge. Das Kalkül ging auf.

Johannes Krams „Seite eins“ ist ein gleichermaßen unterhaltsames wie bitterböses Stück, das beim Publikum ankam, Lück erhielt minutenlangen Beifall von den rund 90 Besuchern. Das waren noch einmal 40 Gäste weniger, als aktuell bei Kleinkunst in Lantershofen zulässig sind. „Wir dürfen rund die Hälfte unserer gut 250 Plätze besetzen, aber die Karten muss man erst einmal verkaufen“, so Vorstandssprecherin Marie-Luise Witsch.

Anerkennung für

Hygienekonzept

Dass der Verein derzeit so gut wie immer defizitär arbeitet, betonte die Sprecherin auch, machte aber gleichzeitig auch klar: „Wir haben als Grafschafter Verein weder Miet-, noch große Personalkosten und werden eines nicht tun, nämlich Agenturen bitten, die Künstler­gagen zu verringern. Dazu ist die Branche zu sehr betroffen.“ Man sei guter Dinge, unter den gegebenen Voraussetzungen noch eine Weile Kultur anbieten zu können, zumal es große Unterstützung von der Kommune, aus der Wirtschaft und von Privatleuten gebe, ergänzte Vorstandssprecher Udo Rehm. Das Hygienekonzept mit Fiebermessungen durch das DRK, Platzzuweisungen und ständigem Luftaustausch fand viel Lob bei den Besuchern. wbe