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Ärger um Bahnhalt in Oberwinter: Initiative Bahnhof Oberwinter besteht auf Halt des RE5/RRX

Ärger um Bahnhalt in Oberwinter : Initiative Bahnhof Oberwinter besteht auf Halt des RE5/RRX

Wirbel um den Halt des Expresszuges RE5/RRX in Oberwinter: Entgegen den Versprechungen der Bahn sieht der neue Winterfahrplan den Haltepunkt nicht vor. Denn die Fertigstellung von Bahnsteig 2 hat sich verschleppt. Die Initiative Bahnhof Oberwinter reagiert empört und verlangt, dass die Bahn Wort hält.

Um kurz vor Mitternacht saß Robert Schittko, Gründungsmitglied der Initiative Bahnhof Oberwinter, am 12. Oktober noch an seinem Computer und wartete auf die Freischaltung des neuen Winterfahrplans der Bahn. Als die Uhr endlich umgesprungen war, suchte er gespannt nach den neuen Abfahrtszeiten an der Station Oberwinter. Eigentlich sollte dort der wiedererlangte Halt des RE5/RRX zu finden sein. Eigentlich. Angezeigt wurden aber lediglich die Halte der Mittelrhein- und der Ahrtalbahn. Das konnte zweierlei bedeuten: Die Bahn hat sich vertan oder der Halt des Expresszuges erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt. Robert Schittko schwante Böses.

Am nächsten Morgen ließen die Recherchen bei den zuständigen Stellen die böse Vorahnung Gewissheit werden: Der SPNV-Nord, zuständig für den Schienenverkehr im Norden von Rheinland-Pfalz, erklärte, dass die Bahn AG aufgrund interner Abstimmungsprobleme bei den baustellenbedingten Sperrzeiten die rechtzeitige Fertigstellung von Bahnsteig 2 nicht mehr gewährleisten könne, kurzum, die Baumaßnahmen in Oberwinter können jetzt im Herbst nicht stattfinden und werden kurzfristig abgesagt.

Um den Halt doch noch ab Dezember 2020 zu ermöglichen, prüfe man mit Hochdruck den Bau eines Provisoriums.

Baufirma nicht schuld an Verzögerung

„Für uns Pendler, die wir den Bahnhof täglich nutzen, aber auch für alle anderen Fahrgäste ist dies eine Horrormeldung“, erklärt Philipp Rosenthal von der Initiative. „Zwei Jahre haben wir darauf hingearbeitet, dass Oberwinter endlich wieder an den Expressverkehr angeschlossen wird und nun das!“ Tatsächlich hatten SPNV-Nord Verbandsdirektor Thorsten Müller und Landrat Jürgen Pföhler im März 2019 die gute Nachricht verkündet, dass der RE5/RRX wieder ab Ende 2020 in Oberwinter halten wird. Schließlich verlief auch die neuerliche Bauausschreibung erfolgreich, und die Bauarbeiten begannen pünktlich und verliefen planmäßig. Alle Signale standen auf Grün.

An der beauftragten Baufirma hat die Verzögerung jedenfalls nicht gelegen. Sie steht im engen Austausch mit der Initiative Bahnhof Oberwinter und bestätigt, dass die vorgesehenen Bauzeiten für den neuen Bahnsteig mit zwei Wochen veranschlagt gewesen seien. Dies hätte genau in die derzeitige Sperrung der Strecke wegen der Bauarbeiten im Kölner Süden gepasst. Die Firma wolle die Arbeiten ordnungsgemäß lieber heute als morgen abschließen. Die Bahn müsse einfach dafür sorgen, dass die vorgesehenen Sperrzeiten kurzfristig geschaffen werden können.

Versprochener Halt zum Winterfahrplan

„Offensichtlich wurde auf Seiten der Bahn intern geschlampt“, erklärt Ingo Konrads von der Bahnhofsinitiative. „Schon in den vergangenen Tagen konnten wir beobachten, dass die linke Hand bei der Bahn nicht weiß, was die rechte tut. Insbesondere widersprüchliche Angaben über die Abfahrtsgleise führten zu sehr gefährlichen Szenen, weil einige Fahrgäste auf dem falschen Bahnsteig standen und ihren Zug auf dem gegenüberliegenden Gleis einfahren sahen und dann über die Schienen zur anderen Seite liefen oder aber ihren Zug verpassten.“

Rund 90 Prozent der Fahrgäste fahren von Oberwinter aus Richtung Norden nach Bonn, Köln und über Köln hinaus.

Daher ist die schnelle Fertigstellung des Bahnsteigs an Gleis 2 für Oberwinter von überragender Bedeutung. Nicht zuletzt trägt ein moderner, funktionierender Bahnhof wesentlich zum Gelingen der Verkehrswende bei.

„Wir verlangen von der Bahn, dass sie Wort hält“, sagt Philipp Rosenthal. „Und wir fordern im Sinne der vielen Nutzerinnen und Nutzer des Bahnhofs Oberwinter, entweder schnellstens eine ausreichende Sperrzeit zum Weiterbau einzurichten oder mit einem Provisorium auf Gleis 2 den längst versprochenen Halt des RRX noch zum Winterfahrplan zu ermöglichen.“