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Interview mit Ingo Konrads: Bauarbeiten am Bahnhof Oberwinter

Interview mit Ingo Konrads : Ab Dezember hält der RE5 wieder am Bahnhof Oberwinter

Die Bauarbeiten am Bahnhof Oberwinter sind in vollem Gange. Ab Dezember ist der Ort wieder an den Expressverkehr angeschlossen. Im Interview mit dem GA erzählt der Sprecher der Oberwinterer Bahnhof-Bürgerinitiative, Ingo Konrads, über den Stand der Bauarbeiten.

Der Bahnhof in Oberwinter ist seit Jahren ein Ärgernis. Das Gebäude ist dem Verfall ausgesetzt, der Regionalexpress RE5/RRX hält nicht mehr dort, die gusseisernen Bahnsteigüberdachungen wurden abgerissen. Eine eigens gegründete Bürgerinitiative kämpft seither um Verbesserungen. Mit Erfolg. Derzeit werden die Bahnsteige barrierefrei gestaltet. Und der Regionalexpress soll zum Jahresende auch wieder im Hafenort einen Stopp einlegen. Die gesamten Bauarbeiten sollen – so die Planung – im Herbst abgeschlossen sein. Mit dem Sprecher der Initiative, Ingo Konrads, sprach Victor Francke.

Wie ist der Stand der Bauarbeiten momentan am Bahnhof?

Ingo Konrads: Wir waren schon etwas besorgt, ob die Bauarbeiten dieses Jahr während der Corona-Krise überhaupt weitergehen. Die Bahn AG wollte uns zu diesem Thema keine Auskunft geben. Als dann vor ein paar Tagen die Baumaschinen anrückten, waren wir dann doch sehr erleichtert. Allmählich ist auch zu erkennen, wo die Reise hingeht.

Nämlich wohin? Welche Maßnahmen werden denn jetzt konkret angepackt?

Konrads: Die Personenunterführung im Bahnhof selbst wird in Richtung Hahnsberg ein Stück verlängert und so vorbereitet, dass sowohl Gleis 1 als auch Gleis 2 mit seitlichen Betonrampen erreichbar gemacht werden. Die bisherigen Treppenhäuser werden verfüllt und die Bahnsteige etwas in Richtung Süden verlegt.

Soll so der Bahnhof barrierefrei werden?

Konrads: Genau. Die neuen Betonrampen sollen es ermöglichen, dass in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, aber auch Fahrgäste beispielsweise mit Kinderwagen oder Fahrrädern, ohne steile Treppen zu steigen, die Bahnsteige erreichen können. Für alle anderen werden Treppenabkürzungen an neuer Stelle errichtet.

Dann müssten Sie doch eigentlich sehr zufrieden sein. Warum Ihre ganze Aufregung im Vorfeld? Oder verändert sich Ihrer Meinung nach das gesamte Erscheinungsbild?

Konrads: Am gravierendsten ist sicher, dass die noch intakten Bahnsteigdächer im Winter komplett abgerissen worden sind. Damit hat die Station nicht nur ihr ortsprägendes Erscheinungsbild verloren, sondern auch viel an Komfort. Die geplanten Wetterschutzhäuschen aus Glas können dafür nur ein unbefriedigender Ersatz sein. Wir haben das Dächerthema ja im vergangenen Jahr oft genug zum Kernpunkt unserer Arbeit gemacht. Wichtig ist jetzt, dass die Bahnsteige so erhöht werden, dass im Dezember der RE5/RRX hier halten kann.

Glauben Sie persönlich noch daran, dass der RRX-Halt dieses Jahr kommt?

Konrads: Das ist keine Frage des Glaubens. Wir berufen uns auf die verbindlichen Zusagen der politisch Verantwortlichen und nicht zuletzt auf das Versprechen des Verbandsdirektors des SPNV-Nord, Thorsten Müller. Wenn nicht ein unvorhergesehener Baustopp kommt, wird Oberwinter im Dezember 2020 endlich wieder an den Expressverkehr angeschlossen.

Ist damit die Arbeit der Initiative Bahnhof Oberwinter beendet?

Konrads: Also, zunächst einmal werden wir die Bauarbeiten kritisch begleiten und wenn nötig im Rahmen unserer Möglichkeiten eingreifen. Außerdem sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Verkehrswende aktiv mitzugestalten und noch mehr Menschen in Busse und Bahnen zu bekommen. Zugegebenermaßen ist das momentan schwierig, aber es werden auch wieder andere Zeiten kommen. Wir vertreten rund 200 Menschen aus der Region Oberwinter und letztlich die Interessen Hunderter Bahnfahrer. In diesem Zusammenhang: Unter www.bahnhof-oberwinter.de haben wir eine Online-Umfrage gestartet. Dort können sich Bahnnutzer melden und anonym ihre Wünsche zum Bahnhaltepunkt Oberwinter äußern.

Das Bahnhofsgebäude selbst ist ja alles andere als eine Visitenkarte für Oberwinter. Man kann auch getrost von einem Schandfleck sprechen, der abgerissen gehört.

Konrads: Schön ist es wirklich nicht. Das Empfangsgebäude wurde von einem Bonner Unternehmer für wenig Geld ersteigert und gammelt seither vor sich hin. Wir haben die Bahn darauf angesprochen, aber nur Schulterzucken geerntet: Man benötige dieses Gebäude nicht mehr, hieß es. Immerhin ist es mal aus Steuergeldern errichtet worden und hatte sogar zwei Wartesäle, einen für die 1. Klasse. Ein Mitglied aus unserer Initiative steht mit dem Eigner in Kontakt. Vielleicht schafft er es ja, ihn davon zu überzeugen, dass ein solches Gebäude auch Verpflichtungen mit sich bringt.