Jugend- und Kulturbahnhof in Bad Breisig: Jeanne Lessenich zeigt starke Landschaften

Jugend- und Kulturbahnhof in Bad Breisig : Jeanne Lessenich zeigt starke Landschaften

Düster und majestätisch thront Burg Rheineck überm Rhein, während sich dessen bleiches Band mit dem hellen Himmel und kriechendem Dunst verbündet. Der verwehte Pinselstrich in "Der Regen, der Nebel, das Licht" erinnert an den großen William Turner.

Gemalt aber wurde das Bild, eines von vierzehn im Jugend- und Kulturbahnhof, von Jeanne Lessenich aus Waldorf. "Es ist uns eine große Ehre, dass Sie Ihre Kunstwerke bei uns präsentieren", sagte Bürgermeister Bernd Weidenbach.

Die "Bilder aus der Gegend" begriff er als "künstlerisches Glanzlicht", wie Hildegard Ginzler, die einführend zur Ausstellung betonte, die Darstellungen sprengten die äußere Erscheinung: "In die Wahrnehmung der herben Landschaft fließen die Weisheiten anderer Kulturen sowie die Jugendeindrücke der Künstlerin und neue Begegnungen mit den Menschen mit ein."

Denn Lessenich, 1942 in Remagen geboren und in Bad Breisig aufgewachsen, hatte während den 40 Jahren Heimat-Abwesenheit in Frankfurt und Düsseldorf aufregende Berufsjahre als Layouterin und Art Director erlebt. Sie tauchte in die kreative, verrückte Welt der großen Werbeagenturen, zum Beispiel GREY, GGK, DDB und J. Walther Thompson, ein.

Sie traf Berühmtheiten, etwa in London bei einer Kampagne für Lux-Seife Geraldine Chaplin und Star-Fotograf David Bailey, als eben mal John Lennon anrief. Aber sie lernte während langer USA-Aufenthalte auch die Denkweise der Navajo kennen und in Japan die Traditionen dieses Landes, insbesondere den Zen-Buddhismus. 2006 ging sie nicht, wie angedacht, nach Freiburg oder Japan, sondern wählte Waldorf.

Noch immer eine Suchende, folgte sie den eigenen Wurzeln, "um vieles zu klären". Von den Indianern dafür sensibilisiert, "wie wichtig das Land ist", macht sie sich durchlässig für die "Begehungen der Erde", durchdringt das Geschaute am Rhein und in der Eifel mit eigenen Empfindungen. Doch nur dank ihres Gespürs für Bildwirkung und ihrer künstlerischen Reife gelingt es der Malerin, die Impressionen so eindringlich neu zu erschaffen. Es sind abstrahierte, beseelte Ansichten.

Aus gestaffeltem Baumgrün, bläulich in den wolkenlosen Sommerhimmel steigend, trifft der Ettringer Berg kompakt auf endlose Weite. Heroisch taucht der Bausenberg im "Tauwetter" auf. Ruppig, wie in Tuschemanier, hat da die Malerin den Bergbewuchs und Baumreihen in einer fast entfärbten Landschaft akzentuiert.

Ergriffen verfolgt man, wie geballte Nebelschwaden die Ebene vorm Berg durchpflügen. Beiläufig kommt der Tod in den Blick, wenn eine Krähe rücklings "Auf dem Weg" liegt und gewaltsam in "Die Schlachtung". Es klafft die Wunde, wo der Rinderkopf saß.

Grell drängen das Weiß des Fettes und das Rot des Blutes dem Auge entgegen. Entgegen den meisten in Eitempera gemalten Bildern, modelliert Lessenich ihre grüne Manderscheider Burg und vielfarbige Anhöhe Hammerstein pastos in Öl. Überzeugend auch die beiden Porträits der Waldorfer Bäuerin Leni Felten und des Pfarrers Lothar Brucker, der sein Leben zwischen Bolivien und Waldorf teilt.

Die "Bilder aus der Gegend" sind in der Koblenzer Straße 86 bis 21. November täglich von 14 bis 17 Uhr zu sehen.