Regionaler Arbeitsmarkt Jeder vierte Jugendliche bricht die Ausbildung ab

KREIS AHRWEILER · Landtagsabgeordnete aus Koblenz und den Landkreisen Mayen-Koblenz, Cochem-Zell und Ahrweiler haben bei einem Besuch in der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen sowohl einen Blick auf den regionalen Arbeitsmarkt als auch hinter die Kulissen der Arbeitsverwaltung werfen können.

Dabei schilderten die Experten den Politikern eindrucksvoll die Probleme, mit denen sich viele Jugendliche beim Einstieg ins Berufsleben - trotz deutlich verbesserter Rahmenbedingungen - immer noch konfrontiert sehen. So sei das Thema Lehrstellenabbruch in der Arbeitsagentur derzeit von hoher Aktualität. "Etwa ein Viertel der Jugendlichen bricht die Ausbildung ab", erklärte Agenturchefin Ulrike Mohrs. Das sei eine Entwicklung, die erhebliche Nachteile mit sich bringe. Deshalb gelte es, verstärkt vorzubeugen. "Das können wir natürlich nicht alleine schaffen. Vielmehr brauchen wir neben den Verantwortlichen in den Betrieben und den Kammern auch die Politik", betonte Mohrs.

Die Gründe für die hohe Abbrecherquote seien vielfältig. "Obwohl wir seit Jahren intensiv auf unsere Unterstützungsangebote hinweisen, wissen viele Jugendliche am Ende ihrer Schullaufbahn nicht, wo eigentlich ihre Talente und Neigungen liegen", führt die Arbeitsmarktexpertin aus. Anderen werde gerade die Vielfalt des modernen Ausbildungsmarktes zum Verhängnis, weil sie angesichts der Fülle an Möglichkeiten den Überblick verlören. "Für uns ergibt sich daraus eine doppelte Handlungsstrategie", so die Agenturchefin. Zum einen müssten die jungen Leute im Vorfeld noch viel intensiver beraten werden, zum anderen "müssen wir die Lehrlinge stützen, die ins Straucheln geraten".

Auch die Tendenz zu immer höheren Bildungsabschlüssen sei problematisch. "Wenn jeder studieren will und sich immer weniger Jugendliche für eine Lehre entscheiden, bekommt die Wirtschaft ein Problem", weist der stellvertretende Agenturchef Frank Schmidt auf das Dilemma hin. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass sich die Wahl der Ausbildung in erster Linie an der Neigung der jungen Leute, gleichzeitig aber auch am Bedarf der Arbeitswelt orientiere. Dies gelte umso mehr, als sich auch die betrieblichen Weiterbildungen enorm entwickelt hätten. So biete eine fundierte Ausbildung, die mit einer passgenauen Fortbildung kombiniert werde, oft die besseren Karrieremöglichkeiten.