Kultur in der Grafschaft : Kölner Musiker singen Lieder über gebrochene Herzen

Kölner Musiker servieren auf der Lantershofener Bühne kölsche Mundart. Sie singen vor allem Lieder über gebrochene Herzen.

Unter den Hunderten Kölner Musikern gilt Gerd Köster als schräger Vogel, der zusammen mit seinem introvertiert wirkenden Partner Frank Hocker seit Jahrzehnten immer neue Projekte auf den Musikmarkt wirft, die eine ganz eigene Fangemeinde anlocken. „The Piano has been drinking“ war eine der erfolgreichsten musikalischen Projekte der beiden, die derzeit, und das schon seit Jahren, als Köster & Hocker durch die Lande ziehen und die Bühnen füllen.

Als Duo treten sie dabei in der Regel nicht mehr auf, auch nicht bei Kulturlant in Lantershofen, wo Köster & Hocker gemeinsam mit dem Gitarristen Roger Schaffrath aus der Wolf-Maahn-Band auf der Bühne standen und vor 250 Gästen das Konzertprogramm der neuen Spielzeit eröffneten.

Im Publikum war gut beraten, wer der kölschen Mundart mächtig war, andere Töne gab es den ganzen Abend über nicht zu hören. Denn der gebürtige Nippesser Köster kennt nur seinen eigenen Kölner Dialekt. Und der findet sich auch in seinen Texten wieder. Köster & Hocker präsentierten eingekölschte Coverversionen, hinter denen Hits von Musikgrößen wie Bob Dylan, Iggy Pop oder Tom Waits stehen.

Deren Texte klingen in der kölschen Version wie für die Musikfans der Domstadt geschrieben. Geborgte Lieder, die ins „Veedel“ passen, wie die Faust aufs Auge. Köster & Hocker haben ihr aktuelles Album nicht umsonst „Fremde Feddere“ genannt, mit denen sie sich so authentisch schmücken, als wären es die eigenen.

Gesang von Liebe und Typen um die Ecke

Und so singen sie vom ganz normalen Leben, vom Typen um die Ecke, von dem, der verliebt war, und von dem, der es nur bedingt geschafft hat. Wie beim Lied vom Fall nach dem hohen Aufstieg: „Dieselve Lück, die du bedrisse op dingem Wääsch huh, siehste widder op dingem Wääsch eraff.“ Übersetzt: Man sieht sich zweimal im Leben.

Köster und Hocker hadern mit einem kleinen Kosmos, sehen mehr Autos mit Allradantrieb auf jedem Kindergartenparkplatz als es Förster in ganz Köln gibt. Sie zitieren musikalisch Songs der Pogues über gebrochene Herzen, derweil ihr Loblied auf die Frauen den eigenwilligen Namen „Lümmel“ trägt. Und sie kölschen Franz Zappas einzigen großen Hit „Bobby Brown“, der es im englischen Sprachraum über Nacht auf den Index schaffte, bei „Nobby Braun“ fast eins zu eins ein.

Es geht an dem eindrucksvollen Abend in Lantershofen natürlich nicht ohne die alten Songs. „Denn neue Lieder sind nun einmal vollkommen anekdotenfrei“, so Gerd Köster, der dem Wunsch nach den Gassenhauern gerne nachkommt. Und dann singt der Saal vom „Dress“, der Richtung Düsseldorf schwimmt, oder von der Selbsteinschätzung „Mir sinn all Buuresäu“ und der einzigen Wichtigkeit, „Haupsaach es, de Flönz es joot, alles andere es zu kompliziert.“

Kein Wunder, dass die drei Künstler sich bei der lautstark von den Zuhörern geforderten Zugabe mit ihrem größten Hits von der Bühne machten, nämlich dem „Ruude Jolf“. Vom Publikum gab es dafür stehende Ovationen.