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Kreis Ahrweiler: Gastronomie und Hotellerie von Corona-Krise betroffen

Leere Kirchen, volle Läden : Gastronomie und Hotellerie in Ahrweiler von Corona-Krise betroffen

Das Coronavirus hat Auswirkungen auf das öffentliche Leben im Kreis Ahrweiler. Vor allem die Gastronomie und die Hotellerie sind betroffen.

Sonntagmorgen, 11 Uhr: Die Glocken von Sankt Laurentius in Ahrweiler läuten nicht. Wohl zum ersten Mal in der Geschichte des 750-jährigen Gotteshauses gibt es keinen Sonntagsgottesdienst. Stille im leeren Kirchenschiff.

Das Bistum Trier und die evangelischen Kirchen hatten schon am Freitag bis auf Weiteres alle Gottesdienste abgesagt. Es gibt keine Taufen mehr, keine Trauungen, keine Beerdigungsfeier, nur Beisetzungen auf dem Friedhof. Auch Wallfahrten und Feiern zur Erstkommunion sind vorerst gestrichen. Folglich gibt es auch keine Familienfeiern zur Erstkommunion in Sälen oder Restaurants, die teilweise auf Jahre im Voraus gebucht worden sind.

Kommunion wäre auch in Bells Restaurant an der Ahrweiler Niederhutstraße gefeiert worden. Inhaber Markus Bell schaut nicht nur deswegen in eine ungewisse Zukunft. Wie soll und kann er die Aussage der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, dass es keine Veranstaltungen mit mehr als 75 Personen geben soll, umsetzen? Sein Restaurant bietet 140 Innenplätze und ähnlich viele im Außenbereich. So gut es ging, habe man sich auf Corona vorbereitet, den ohnehin hohen, geforderten Hygienestandard weiter verstärkt. Aber, so Bell: „Wir haben Desinfektionsartikel auf den Toiletten platziert, die wurden umgehend geklaut.“

Absagen häufen sich

Absagen häufen sich, eine Gruppe für Samstag stornierte kurzfristig, da waren bereits jede Menge frische Lebensmittel eingekauft. Aber auch Busreisegruppen, die erst im August kommen wollten, haben schon abgesagt. Wie sich das alles entwickeln wird, kann auch der Gastronom nicht vorhersagen. „Aber vielleicht machen wir demnächst erst einmal an Werktagen zu“, sagt Bell. Vielleicht holt seine Zunft der Virus auch schon früher ein. In Belgien, keine 100 Kilometer entfernt, herrscht bereits ein „Freizeitverbot“, alle Restaurants, Cafés und Museen wurden vorerst geschlossen.

Düster sieht es auch in der Hotellerie aus. Günther Uhl, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, kann derzeit nur ungläubig auf die Entwicklung blicken. „Die Situation ist dramatisch“, sagt er. Nicht nur in seinem Hotel hagelt es Absagen und Stornierungen, unabhängig, ob Gruppenreisen oder Einzelreisende. „Wenn ich an die Kollegen am Nürburgring denke, wo Hotels und Pensionen ja ausschließlich vom Rennsport leben, ist da die Situation noch schlimmer“, so Uhl.

Wie er und seine Kollegen mit der Entwicklung umzugehen haben, könne er nicht sagen: „Vor zehn Tagen war es eine Grippe, vor drei Tagen eine Pandemie und in einer Woche steht die Wirtschaft still“, so der Bad Neuenahrer Hotelier, dem es angesichts der Aussagen, die Situation könne bis zu zwei Jahre anhalten, Angst und bange wird. „Wir müssen ja in erster Linie an unsere Mitarbeiter und ihre Familien denken“, so Uhl, der dennoch den Kopf nicht in den Sand stecken will: „Wir schauen trotz der Situation nach vorne und werden uns nun gut überlegen, was zu tun ist.“

Auch Jugendherbergen sind betroffen

Was für die Hotels und Pensionen gilt, gilt auch für die Jugendherbergen. Das Jugendgästehaus in Bachem ist derzeit wegen Renovierung geschlossen, soll eigentlich am 1. April wieder öffnen. Die Altenahrer Jugendherberge teilt das Schicksal anderer Häuser. Mit den Schließungen der Schulen seien mehrere hundert Klassenfahrten abgesagt worden, sagte der Vorstandsvorsitzende der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Jacob Geditz, am Samstag. Eigentlich sei vor und nach Ostern für die Jugendherbergen Hauptsaison. Die jetzige Situation gefährde „den Bestand und die Existenz der Jugendherbergen“, teilte Geditz mit. In Rheinland-Pfalz und im Saarland gibt es 45 Jugendherbergen mit insgesamt 6000 Betten.

Hochbetrieb herrschte dagegen am Samstag in den Supermärkten. Samstagmorgen war beispielsweise der Parkplatz vor dem Rewe-Markt in Ringen voller als sonst an Samstagen. Die Menschen deckten sich ein – Hamsterkäufe sind angesagt. „Zucker, Mehl, Nudeln, die Regale sind so gut wie leer“, berichtete ein Mitarbeiter. „An die direkte Ansteckungsgefahr scheint niemand zu denken.“ Auch im Bad Neuenahrer Kaufhaus Moses tummelten sich die Menschen. Artikel des täglichen Bedarfs sind dort eigentlich in der Unterzahl. Die Leute kamen trotzdem. Mitarbeiter desinfizierten regelmäßig die Handläufe der Rolltreppen, an den Kassen standen Desinfektionsmittel bereit. Und Corona zum Trotz kamen viele Kunden zum verkaufsoffenen Sonntag nach Remagen.

Wer auf öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist, erlebt derweil, dass Fahrer der Busse der DB Regio die Menschen nur noch an den hinteren Buseingängen in ihre Fahrzeuge lassen und der Bereich zum Busfahrer hin mit Flatterband abgesperrt ist. Tickets werden keine mehr verkauft, die Fahrten sind kostenfrei.