Jäger hadern mit Land und Landrätin „Weg vom braven, obrigkeitshörigen Jägerlein“

Kreis Ahrweiler · Heftige Kritik gibt es bei der Jahresversammlung der Waidmänner im Kreis Ahrweiler. Die Jäger sind nicht damit einverstanden, wie die Politik mit ihnen und ihrer wichtigen Tätigkeit umgeht. Diese Punkte stören sie besonders.

Jäger sehen sich als die Experten für zahlreiche Aspekte eines gesunden Waldes. (Symbolbild)

Jäger sehen sich als die Experten für zahlreiche Aspekte eines gesunden Waldes. (Symbolbild)

Foto: dpa/Philipp Schulze

Das Landesjagdgesetz sorgt weiter für gewaltigen Ärger. Wie berichtet, gab es nach Vorlage des Gesetzesentwurfs unter den Jägern erheblichen Widerstand. Auch im Kreis Ahrweiler. Nicht nur Gruppierungen wie der Bauernverband hatten sich der lautstarken Kritik angeschlossen, auch CDU und FWG stellten sich an die Seite der Jäger. Bei der Jahresversammlung der Waidmänner und -frauen der Kreisgruppe Ahrweiler in Dernau erklärte Kreisvorsitzender Ralf Schmidt zur geplanten Gesetzesänderung: „Wie sehr muss man Jagd und Jäger verachten, um so einen Schund zu produzieren? Hier werden einige rote Linien überschritten.“

Ein wichtiger Dienst an der Natur

Auch Landtagsabgeordnete Petra Schneider (CDU) wurde deutlich: „Die geplante Novellierung des Gesetzes gehört in die Tonne. Die Jäger leisten einen wichtigen Dienst an der Natur. Das Bild von schießwütigen Jägern stimmt nicht.“ CDU und FWG hatten inzwischen verkündet, das Gesetzesvorhaben wieder rückgängig zu machen – sollte es denn zu einem Regierungswechsel kommen. Verärgert zeigten sich die Jäger auch darüber, dass Landrätin Cornelia Weigand (parteilos) zum dritten Mal in Folge eine Einladung der Jäger zur Teilnahme an der Versammlung des Verbandes ausgeschlagen habe. „Ich bin da schon ein bisschen enttäuscht, denn letztendlich lassen wir dem Kreis durch unsere Jagdsteuer jährlich mindestens 400.000 Euro zukommen.“ Das erneute Nichterscheinen der Landrätin wertete Schmidt als „mangelnde und geringe Wertschätzung“. Eine Anfrage des GA an die Landrätin blieb zunächst unbeantwortet.

Viel Applaus gab es von den Jägern für die Landtagsabgeordnete Petra Schneider. „Jeder der die Jagd ausübt, verrichtet einen Dienst an der Natur und der Umwelt. Die wichtigen Ziele umfassen dabei die Erhaltung eines gesunden Wildbestandes und dessen natürlicher Lebensgrundlage“, so die Christdemokratin aus Niederzissen. Der Entwurf der Gesetzesnovellierung zum Landesjagdgesetz sei von der Lebens- und Arbeitsrealität der Jägerschaft weit entfernt. Schneider: „Dass zukünftig behördliche Anordnungen und Anweisungen der Jägerschaft vorschreiben sollen, wie sie ihre Tätigkeit auszuüben haben, ist nicht nachvollziehbar.“ Bei den Jägern handele es sich um Profis, die auch ohne Weisungen aus Ministerien wüssten, wie sie mit der Natur umzugehen hätten. „Sie sind die Fachleute vor Ort, die sich mit ihrer Materie auskennen wie kein Zweiter.“

Der Protest der Jäger hat inzwischen Früchte getragen, berichtete Kreisjäger-Chef Schmidt. Gemeinsam mit ihnen soll es einen neuen Gesetzesentwurf geben. Die Beibehaltung des Reviersystems, die klare Trennung der Rechtskreise Jagd, Naturschutz und Wald, der Erhalt der Rotwild- Hegegemeinschaften oder auch die Beibehaltung des Kreisjagdmeisters – gewählt durch die Jägerschaft – seien nicht verhandelbar, so Schmidt. Bislang sah der Gesetzesentwurf hier Änderungen vor. Der Vorsitzende des Kreisverbandes versprach den in Dernau versammelten Jägern, sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden zu halten. Die Weichen für ein neues zukunftsfähiges Landesjagdgesetz würden nun unter aktiver Beteiligung der Jägerschaft gestellt.

„Vertrauen zerstört“

Trotzdem bleibe ein bitterer Beigeschmack. Schmidt: „Das unsägliche Prozedere der Landesregierung um die Entwürfe zum Landesjagdgesetz, die damit einhergehenden ideologischen Eingriffe in das bestehende Jagdgesetz und das insgesamt despektierliche Verhalten gegen systemrelevante Natur- Tier- und Artenschützer haben auf Seiten der Jägerschaft das Vertrauen in eine konstruktive und für beide Seiten wertschätzende Zusammenarbeit zerstört.“

Als Regionalgruppe hätten sich die Kreisgruppenvorsitzenden daher zum künftigen Umgang mit Politik und oberen Jagdbehörden festgelegt: „Ein wohlwollendes Miteinander, obrigkeitshöriges Verhalten aus den Jägerschaften kann, darf und wird es in Zukunft nicht mehr geben. Nicht nur aktuell, sondern auch den uns nachfolgenden Generationen werden immer wieder deutungshoheitliche Auflagen entgegenwirken, bei denen es vornehmlich um Ideologien und humane Naturentfremdungen geht, nicht aber um die Bedürfnisse unserer Ökosysteme, der wild lebenden Tier- und Pflanzenarten, oder ganz generell das Leben im ländlichen Raum.“ Man müsse weg „vom braven, obrigkeitshörigen Jägerlein – hin zum selbstbewussten und fordernden Ehrenamtler.“