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Kreis Ahrweiler: Verhaltener Neustart der Gastronomie an Rhein und Ahr

Gastronomie in Corona-Zeiten : Verhaltener Neustart der Gastronomie an Rhein und Ahr

Eigentlich ein Grund zur Freude: Die meisten gastronomischen Betriebe dürfen wieder öffnen. Doch die Wirte an Rhein und Ahr sind enttäuscht vom Gästeaufkommen und stöhnen unter den zahlreichen Auflagen.

Neustart für die Gastronomie: Die meisten Betriebe dürfen wieder öffnen. Weiter geschlossen bleiben Clubs, Diskotheken, Shisha-Bars und ähnliche Einrichtungen. So sieht es die sechste Corona-Verordnung für Rheinland-Pfalz vor. Den Neustart hatten sich viele Gastronomen allerdings anders vorgestellt.

An der Remagener Rheinpromenade tummeln sich im Frühjahr und Sommer Touristen, Wanderer und Radfahrer, Schiffe bringen Ausflügler. Am Mittwoch war dort in erster Linie ein Heer von leeren Tischen und Stühlen zu sehen, rot-weißes Flatterband sorgte eher für Baustellen-Flair. „So viele Stühle und Tische sind das übrigens gar nicht“, bemerkte Nazih El-Kanj vom Remagener Brauhaus. Allein im Außenbereich hat man normalerweise Platz für 320 Gäste. Unter Corona-Auflagen sind es jetzt weit weniger als die Hälfte. Gerade mal drei Stühle waren am Mittag besetzt. Auf dem angepriesenen Spargel dürfte der Gastronom wohl sitzen geblieben sein. Zehn bis 15 Personen hätten bislang für den Tag vorreserviert, an normalen Tagen seien es rund 150 Reservierungen, so El-Kanj.

Besuche der Stammkunden hielten sich in Grenzen

Ein Brauhaus gibt es auch in Bad Neuenahr. Hier treffen sich Einheimische und Touristen zum Essen. Letztere gibt es derzeit nicht, erst ab der kommenden Woche dürfen die Hotels wieder Gästebetten anbieten. Die Zahl der Einheimischen, oftmals treue Stammkunden, hielt sich am ersten Tag der Öffnung wie überall in Grenzen. „So um die 20 Gäste dürften es heute Mittag sein“, so Geschäftsführer Andreas Senk. Auf der Terrasse saß niemand. „Von einem Normalbetrieb sind wir noch meilenweit entfernt“, so das erste Fazit des Gastronomen.

Mit den Auflagen ganz besonders zu kämpfen haben kleine Kneipen, in denen der Platz fehlt, um Abstandsregelungen einhalten zu können. Mitarbeiter des Ordnungsamtes geben derzeit den Gastronomen Hilfestellungen. Dennoch, so manche Frage bleibt offen. „Dürfen an einem Tisch auch Gäste von mehr als zwei Haushalten sitzen, wenn sie 1,50 Meter Abstand halten?“, so ein Wirt. Wer trägt die Konsequenzen, wenn sich Gäste mit falschem Namen oder Adresse eintragen? Darf der Wirt Pässe kontrollieren? In der Gastro-Szene herrscht da noch Unsicherheit.

62 Prozent Umsatzeinbuße

Edith Mellenthin vom „Treffpunkt“ in der Ahrweiler Altstadt öffnete ihre Kneipe früh um zehn, immerhin fünf der üblichen Frühschoppengäste kamen. Für die war die Theke aber tabu, jeder saß an einem anderen Tisch, alles musste anschließend wieder desinfiziert werden. „Zehn Liter Desinfektionsmittel habe ich gekauft, für 140 Euro“, so die Wirtin. Wie sie angesichts der vielen Auflagen überhaupt noch Geld verdienen soll, ist ihr aktuell noch ein Rätsel.

Christian Lindner, Inhaber des Hotels Villa Aurora, hält die Auflagen für Gastronomie und Hotelle­rie für überschaubar und umsetzbar. Seine durch die Corona-Krise ausgelösten Umsatzeinbußen beziffert er im Vergleich zum Vorjahr auf 62 Prozent. Verärgert ist er über die Landesregierung: „Sie hat es immer noch nicht geschafft, uns eine wirtschaftliche Perspektive aufzuzeigen. Betriebe ab elf Mitarbeiter bekommen nach wie vor keine ernstzunehmende wirtschaftliche Unterstützung.“

Enttäuscht vom Tourismusbeauftragten

Zum Christi-Himmelfahrts-Wochenende will Lindner seine Herberge wieder öffnen. „Das ist normalerweise eines der stärksten Wochenenden mit Zimmerbelegungen zwischen 90 und 100 Prozent. Wir öffnen aktuell mit einer Belegungsquote von neun Prozent.“ Eine Woche später ist Pfingsten: Auch hier hatte das Hotel Aurora nach eigener Angabe bislang stets Vollauslastung. „Stand jetzt: sage und schreibe 20 Prozent Belegung“, so Lindner.

Besonders enttäuscht ist der Hotelier vom Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU). „Er hat scheinbar nichts Besseres zu tun, als dafür einzutreten, dass ein Reisen in Europa so schnell wie möglich wieder funktioniert. Weil ja scheinbar nicht genug Platz in den Hotels für die deutschen Urlauber ist“, ärgert sich Lindner. Er hätte sich gewünscht, der Regierungsvertreter würde mehr für Reisen in Deutschland werben, anstatt mit Sätzen wie „Mallorca würde ich noch nicht abschreiben“ aufzufallen.