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Bisher 107 Infizierte an der Ahr: Kreis Ahrweiler will Corona-Ambulanz in der Grafschaft eröffnen

Bisher 107 Infizierte an der Ahr : Kreis Ahrweiler will Corona-Ambulanz in der Grafschaft eröffnen

Der Krisenstab der Kreisverwaltung hat Seniorenheime besonders im Blick. Im Vergleich zu anderen Regionen sind die Fallzahlen mit 107 Infizierten an der Ahr moderat

Wenngleich sich im Kreis Ahrweiler in der Corona-Krise keine Entwarnungen abzeichnen und die Fallzahlen steigen, so steht der Landkreis im Vergleich zu anderen Regionen noch gut da. Landrat Jürgen Pföhler warnt indes vor Lockerungen der Kontaktbeschränkungen: „Das wäre viel zu früh.“ Er sprach von der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Zahlen hinsichtlich der Infektion mit dem Coronavirus sind im Kreis kontinuierlich gestiegen. Zu Beginn der Krise waren es drei Infizierte. Mit Stand von Freitagabend gibt es einen Toten und 107 Infizierte. 51 Personen sind wieder genesen.

Am Donnerstagabend erläuterte Pföhler im Gespräch mit dem GA, er erkläre sich die im Vergleich zu anderen Kreisen eher moderaten Fallzahlen auch damit, „dass unser Gesundheitsamt mit dem Auftreten des ersten Falles am 3. März und in der Folge nicht nur die Fälle mit Symptomen, sondern auch Personenkreise mit besonderen Risiken zusätzlich getestet hat“. Dies habe erheblich dazu beigetragen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Die Kreisverwaltung habe Abstrichsets in ausreichender Anzahl und bestelle regelmäßig nach. „Wichtig ist, dass grundsätzlich nur medizinisch notwendige Untersuchungen durchgeführt werden“, sagte Pföhler. „Die Entscheidung hierüber treffen der Hausarzt, das Krankenhaus oder das Gesundheitsamt.“ Bisher seien vom Gesundheitsamt mehr als 1200 Abstriche vorgenommen worden, erklärte der Landrat auf GA-Nachfrage. Hinzu kämen die Abstriche, die bei Ärzten und Krankenhäuser vorgenommen werden.

Für Abstriche im größeren Rahmen hat der Kreis zwei Abstrich-Ambulanzen in Bad Neuenahr-Ahrweiler und in Hönningen eingerichtet. „Demnächst werden wir eine zentrale Corona-Ambulanz in der Grafschaft eröffnen, in der neben Tests durch niedergelassene Ärzte auch Untersuchungen und Behandlungen stattfinden“, kündigte Pföhler an. In Ahrbrück und Dernau gebe es bereits Corona-Ambulanzen, die niedergelassene Ärzte eingerichtet haben. Das würde auch die Krankenhäuser und die Bereitschaftsdienstzentrale entlastet.

„Absolute Priorität“ hätten jetzt Senioreneinrichtungen. „Wir müssen dort Erkrankungsfälle, auch beim Personal, möglichst früh entdecken und unter allen Umständen versuchen, eine Ausbreitung zu verhindern“, sagte Pföhler. Der Kreis habe das Infektionsschutzteam deutlich aufgestockt und alle Seniorenheime auf die Einhaltung der Schutzbestimmungen hin überprüft. In der Kreisverwaltung würden bei einem Krisenstab alle Fäden für die Zusammenarbeit mit Landesbehörden, Bürgermeistern und Kommunen, Polizei, Schulen, Kitas, Senioreneinrichtungen, Krankenhäusern, Rettungsdienst, Ärztenetzwerk, DRK und Feuerwehr zusammenlaufen.

Ärzte, medizinisches Personal, Hygieneinspektoren und Verwaltungsmitarbeiter des Gesundheitsamtes arbeiteten teilweise rund um die Uhr. Von Lockerungen der Beschränkungen könne Pföhlers Meinung nach erst gesprochen werden, wenn es „wirksame Medikamente und einen Impfstoff gibt“. Andernfalls sei die Gefahr einer zweiten Welle von Infektionen und ein Anstieg der Todesfälle gegeben. Zudem werde bei steigenden Fallzahlen die Nachverfolgung von Infektionsketten immer schwieriger. Der Landrat bittet die Bürger eindringlich, während der Ostertage den Kontakt zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Haushalts auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.