Laacher Forum: Mediziner Martin Bleif diskutiert sehr persönlich über Krebs

Laacher Forum : Mediziner Martin Bleif diskutiert sehr persönlich über Krebs

Nicht nur erkrankte Zuhörer fühlten sich berührt. "Ein Thema, das auch Nichtbetroffenen unter die Haut geht", hatte Matthias Wilken, Leiter der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach angekündigt, bevor Martin Bleif, Krebsmediziner und Privatdozent an der Klinik für Radioonkologie am Universitätsklinikum Tübingen, beim Laacher Forum über "Krebs - Die unsterbliche Krankheit" sprach.

Ganz persönlich erzählte der Mediziner vom Schicksal seiner Frau Imogen, die sechs Monate nach der Geburt ihrer Tochter an Brustkrebs erkrankte und keine zwei Jahre später verstarb. Für ihn veränderte sich dadurch der Blickwinkel von der professionellen Außenaufsicht des Mediziners auf die Innensicht eines selbst Betroffenen.

Immer wieder habe sich seine Frau gefragt, warum gerade sie mit 35 Jahren an Krebs erkrankte und ob sie etwas falsch gemacht habe. Sie habe ihn an die Grenze seines Wissens gebracht, erinnerte sich Bleif: "Sie war klug, sie war Medizinerin, sie hatte die Gelegenheit, Tag und Nacht zu fragen - und sie tat es." Aus diesen Gesprächen sei ein Buch entstanden, das er "so hatte nicht schreiben wollen."

Der Mediziner stellte im Vortrag die Krebstheorien bis heute vor und ging auf den Fall Angelina Jolie ein, die sich vorsorglich für eine Entfernung ihrer Brustdrüsen entschieden habe: "Krebs ist keine Erbkrankheit, auch wenn seltene Ausnahmen (wie bei Jolie) diese Regel bestätigen.

Auch wenn Viren, Chemikalien und Strahlung Krebs auslösen können, ist Krebs weder eine Infektionskrankheit noch eine Vergiftung im klassischen Sinne." Alle Faktoren wie Viren, Chemikalien, Strahlung und Vererbung seien Teile eines Puzzles, die sich nicht zu einem stimmigen Bild fügten." Nach teils sehr persönlicher Diskussion mit seinen Zuhörern, gab Bleif ihnen eine hoffnungsvolle Nachricht mit auf den Weg: "Die Diagnose Krebs wird von Betroffenen oder Angehörigen leider immer noch viel zu oft mit einem Todesurteil gleichgesetzt. Dabei sind heute die meisten Krebserkrankungen heilbar."